Best of 2012
Leave a reply
Neuland
Nach einigem Überlegen (wieder nach Asien oder doch in ein neues Land?) haben wir uns schlussendlich für Neuland entschieden und relativ spontan einen Flug nach Marokko gebucht. Mit ziemlich gut gefülltem Tramper – schliesslich ist dort auch Winter, wenn auch nicht soooo kalt wie bei uns – lassen wir uns von der Royal Air Morocco nach Casablanca bringen. Royal ist nicht viel an der Fluggesellschaft. Selbst mir ist der Beinabstand einfach zu gering (normalerweise “mötzlet” nur Herr Odermatt über diesen Umstand…). So fühlen wir uns dann auch wie nach einem zwölf Stunden Flug als wir nach nur drei Stunden in der Küstenstadt ankommen. Das Mietauto ist rasch gefunden, die weitaus grössere Herausforderung wartet mit der Suche nach dem Hotel auf uns. Casablanca hat rund 7 Millionen Einwohner, es ist ungefähr so dunkel wie in einem Kuhmagen, die genaue Hotel-Adresse (die mussten wir zuerst auch noch ausfindig machen) können wir auf dem GPS nicht eingeben, irgendwann dreht unser Hobby-GPS nur noch im Kreis, das Hotel ist selbstverständlich nicht mit einem einzigen Wegweiser angeschrieben und der Verkehr hier ist sowieso nicht ohne. Irgendwie finden wir trotz allem auf relativ direktem Weg das Quartier, wo wir nächtigen wollen und Dank den netten Einheimischen schliesslich auch noch das Hotel am Rande der Medina.
Casablanca
Obwohl Casablanca gemäss Reiseführer nicht viel zu bieten hat, wollen wir den ersten Tag hier verbringen und so langsam in Marokko ankommen. Nach einem feinen Frühstück (Minzentee/Kaffi, frischer O’saft und Fladenbrot resp. Baquette…) starten wir unseren Tag bei der anscheinend einzigen Sehenswürdigkeit der Stadt, der Hassan II Moschee. Die Moschee ist die drittgrösste der Welt und bietet innen Platz für 25’000 und draussen für 80’000 Betende. Dazu kommt das Minarett, welches mit 210 Meter das höchste Gebäude in Marokko ist. Ja, ansonsten hat die Stadt effektiv nicht viel zu bieten. Aber wie immer in solchen Fällen reicht uns der Alltag der Menschen voll und ganz, um uns für den Rest des Tages zu unterhalten. Wir schlendern ziellos durch die Strassen, beobachten das Leben, bestaunen das nigelnagel neue Tram, verirren uns nicht in der Medina und werden von den netten Einheimischen immer wieder fröhlich begrüsst. Da hier alles so untouristisch ist, werden wir kein einziges Mal unnötig angequatscht – seis für einen Guide, einen Teppich oder was auch immer. Im besseren Abendlicht besuchen wir nochmals die Moschee.

Das Gotteshaus ist wirklich eine Klasse für sich! Auf dem Rückweg müssen wir feststellen, dass die Beizen entweder bereits geschlossen sind (es ist ca. 18 Uhr…) oder aber erst um 19 Uhr öffnen und ein halbes Vermögen kosten. Unweit unseres Hotels findet sich dann doch noch was passendes. Wir bestellen das einzige Menu, welches im Angebot ist und können kaum glauben was uns alles aufgetischt wird. Eigentlich hätten wir mit den Häppchen zum Einstieg (wird uns später sets unter den Namen “salade variée” serviert) schon mehr als genug. Doch der Herr bringt uns tatsächlich noch eine riesige Platte allerlei Fisch. Da wir nicht gefragt haben, wie viel der Spass kostet, lässt es sich vor allem Odi nicht mehr so richtig schmecken. Die “Angst” nach einem Abriss stellt sich jedoch als absolut unbegründet heraus. Läppische 16 Franken müssen wir für den Spass hinblättern.
Auf der Suche nach Flamingos
Im Morgenverkehr verlassen wir Casablanca in Richtung Norden. Der Küste entlang machen wir uns auf die Suche nach Flamingos. Gemäss Reiseführer soll es hier an einem See und einer Lagune in diesen Monaten nur so von diesen und anderen Vögel wimmeln. Leider Fehlanzeige… die Flamingos bleiben uns einmal mehr verwehrt. Auch andere Vögel machen sich rar und an den Stockenten und Taucherli, die wir ja bekanntlich auch en masse am Thunersee haben, können wir uns kaum erfreuen. Unser Nachtlager beziehen wir in Asilah. Das Küstenstädtchen ist bekannt für die in weiss und mit einigen blauten Farbtupfern versehene Medina. Ein echter Hingucker und für uns eine Mischung aus Costarainera sowie Santorini. Zum Znacht gibts wieder Fisch und das erste Tajin. Der Fisch ist gut, das Tajin von Denise und Role (noch) unübertroffen.
Mit dem Kompasss durch die Medina von Tetouan
Das erste Unesco Weltkulturerbe auf unserer Reise wartet mit der Medina von Tetouan auf uns. 35 Gotteshäuser – Moscheen und Synagogen – finden sich in den engen Gässchen der Medina. Meist sind diese derart gut getarnt, dass wir nie ganz sicher sind vor was wir nun genau stehen. Nebenbei gibt es allerlei Shops, Märkte, Wohnhäuser, Brunen usw. Irgendwann haben wir die Orientierung vollständig verloren. Da auch eine Karte hier überhaupt nichts nützt, nehmen wir den Kompass zu Hilfe und landen schliesslich irgendwann wieder an der Medinamauer. Medinas können wirklich ein Labyrinth sein! Weiter geht es zum nächsten Kaff, genauer nach Chefchaouen. Auch in diesem Ort soll die Medina ganz besonders schmuck sein. Statt blau-weiss gibts hier alles in violett-weiss. Da das ganze nicht ganz so verwirrend ist wie in Tetouan finden wir sogar ohne Hilfe (welcher Art auch immer…) den Weg. Obwohl wir bis anhin stets auf einem überwachten Parkplatz geparkt haben, müssen wir am Abend feststellen, dass nicht mehr alles ganz so ist wie es sein sollte. Da hat doch tatsächlich jemand versucht den Kofferraum aufzubrechen. Zum Glück erfolglos! Die Tramper sind noch drin, aber dafür ist das Schloss am Arsch resp. kann nur noch per Fernsteuerung geöffnet werden.
Römer, Klein-Mekka und die erste Königsstadt
Heute jagt ein Highlight das Nächste. Das Programm startet bei den römischen Ruinen von Volubilis, welche ganz nebenbei Weltkulturerbe sind. Wir geniessen die Morgensonne und die Tatsache, dass wir die Anlage praktisch für uns alleine haben. Beeindruckend sind vor allem die filigranen und gut erhaltenen Steinböden, die sich in vielen Häuserruinen finden. Im nächsten Kaff ist der wichtigste Moslem Marokkos begraben. Dieser Typ soll den Islam nach Marokko gebracht und von hier aus verkündet haben. Da er hier seine letzte Ruhe gefunden hat, ist Moulay Idriss ein wichtiger Pilgerort. Man sagt gar, dass fünf Besuche während den Festivitäten, die jeden August hier stattfinden, mit dem Haji nach Mekka gleichzusetzen sind. Wie zu fast alle moslemischen Bauten in Marokko ist uns auch hier der Einlass verwehrt. Wir geniessen stattdessen die Aussicht auf das schmucke Kaff und unterhalten uns mit Klein-Mohammed über Fussball. Mit Meknes warten dann die erste der vier Königsstädte auf uns. Das Riad in der Medina ist dank den guten Wegweisern schnell gefunden und der Ohhhhh- und Ahhhh-Effekt lässt auch nicht lange auf sich warten. Unglaublich was einem hier im Guesthouse erwartet, wenn man von den schmalen Gassen in das Haus tritt. Mindestens ich fühle mich gleich wie in einem orientalischen Märchen. Meknes selber empfängt uns zuerst nicht so freundlich. Wir finden den Eingang zum Königspalast und dem königlichen Garten nicht und laufen um die gesamte Anlage immer schön der Mauer entlang, bis wir irgendwann feststellen müssen, dass es wohl gar keinen Eingang gibt… Das Areal bleibt dem König vorbehalten. Nach einem Blick in den Planeten können wir dann doch noch erfolgreich die vorhandenen Sehenswürdigkeiten besichtigen. Zum Abschluss des Abends setzen wir uns auf eine Dachterrasse über dem grossen Platz, schlürfen einen Münzentee und schauen dem bunten Treiben auf dem Hauptplatz zu. Die Einheimischen sind ganz wild auf jegliche Art von Unterhaltung und lassen sich von allem und jedem beeindrucken. Das Puff, als plötzlich auch noch eine Parade mit Musik ihren Weg über den Platz sucht, ist grandios. Wir werden jedenfalls bestens unterhalten und geniessen den Ausblick auf die Menge aus der knautschfreien Zone hoch über dem Platz.
Plus 2
Über Landstrassen, durch kleine und grössere Dörfer sowie an grünen Wiesen und viel Agrarland vorbei, fahren wir gemütlich retour nach Casablanca. Pünktlich zur Landung treffen wir am Flughafen ein und können unsere zwei neuen Mitreisenden, Sämi und Brünu, in Empfang nehmen. Die nächsten zehn Tage werden wir zu viert weiter durch Marokko reisen. In Rabat haben wir zum ersten Mal Schwierigkeiten einen Parkplatz zu finden. Das Puff ist gewaltig und die Strassenhändler zahlreich. Irgendwann können wir unsere Karre dann doch noch zwischen all den fliegenden Händlern auf ein freies Plätzchen stellen und uns zu Fuss in der Medina auf die Suche nach dem Riad machen. Wieder werden wir positiv überrascht, als wir das schmutzige Gässchen hinter uns lassen und das Guesthouse betreten. Besser könnte es kaum sein! Mit viel Liebe zum Detail hat Herr Lassagne (ja, der Franzose heisst wirklich so) eine kleine Oase Mitten in der Medina geschaffen. Zum Znacht folgen wir der Empfehlung des Hausherrn. Das Essen ist nicht der Hammer, aber dafür gibts wieder mal Bier und einen Schluck Wein. Übrigens, die Welt ist auch hier im nördlichen Afrika nicht untergegangen…
Orientierungsschwierigkeiten
Die drei Sehenswürdigkeiten von Rabat sind rasch besichtigt. Uns gefällt vor allem die Chellah, eine römische Stätte, in der sich ganz viele Störche ein Nest gebaut haben.

Auf dem Weg nach Fes machen wir nochmals kurz Halt in Volubilis. Während die drei anderen auf Entdeckungstour sind, versuche ich schon mal das Hotel in Fez zu lokalisieren. Anscheinend soll die Stadt in Sachen Orientierung nicht ganz einfach sein… Das Riad, welches leider nicht annähernd so toll ist, wie die beiden in den letzten zwei Nächten, finden wir auf Anhieb. Also um genau zu sein nicht wir, aber der Parkplatz-Guy… Ohne ihn wären wir wohl immer noch am suchen. Die letzten paar Meter müssen wir den Kopf zünftig einziehen und durch ganz enge Gässchen laufen. Von einem Schild findet sich auch hier weit und breit keine Spur. Aber nach dem Klingen an einer unsichtbaren Tür öffnet tatsächlich der Riad-Inhaber die Tür. Zum Glück ist das ganze am Rande der Medina gelegen, so dass wir das Auto in unmittelbarer Nähe abstellen können. Zum Znacht stürzen wir uns in die engen Gassen und lassen uns treiben. Ich muss bald Forfait geben. Meine Navigation, welche ja sonst ziemlich gut ist, lässt mich hier vollständig im Stich. Nachdem der Magen wieder gefüllt und der Hunger gestillt ist, lassen wir uns von Odi zurück zum Riad führen. Obwohl wir ein paar Umwege laufen und ein paar Mal um Hilfe bitten müssen, finden wir das Hotel irgendwann wieder. Grosse Augen machen wir als wir im Internet den Weg anschauen, welchen wir gelaufen sind (Dank Odis GPS-Tracker kein Problem…). Wir waren tatsächlich ganz am anderen Ende als wir effektiv vermutet haben. Für mich ist das Gässchen-Wirrwarr bis anhin ein wahres Labyrinth. Noch nie habe ich mich irgendwo so schlecht orientieren können.
Fes
Da Odi meint, dass er sich hier auskennt und er uns locker vom Hocker an die Sehenswürdigkeiten bringen kann, buchen wir ihn als unseren Guide (“Who’s the guide?” und “”Yes, he’s our guide and lives here”). Tatsächlich finden wir zügig und ohne grosse Umwege die berühmte Lederfärberei.

Von der Terrasse eines Shops (wir müssen Dank einem Koranlehrer, der uns den Tip gibt, weder etwas kaufen noch sonst etwas abdrücken) können wir das ungewohnte Schauspiel bestens beobachten. Der Gestank ist sehr gewöhnungsbedürftig, die Szenerie aber einzigartig und noch nie vorher gesehen. Dank unserem Guide schlendern wir sorgenfrei durch die Medina und stossen ab und an auf eine Moschee, ein Tor, einen Souk, eine Eselkaravane (die Tiere werden hier genutzt, um alles mögliche in den engen Gassen zu transportieren), einen kleine Platz oder was auch immer. Die Moscheen kann man in Marokko als Nicht-Muslim (wie ich finde leider…) nicht besichtigen. Ein Franzose hat diese Regel während der Kolonialzeit eingeführt und die Marokkoner haben diese nach der Unabhängigkeit underändert übernommen. So sind denn diese Bauwerke auch immer rasch besichtigt, denn die Enge der Gassen lässt stets nur einen einzelnen Blick zu, die Moschee als ganzes können wir nur erahnen. Am Nami spazieren wir auf eine leichte Anhöhe neben der Medina. Hier geniessen wir den Blick auf das riesige Gebäudechaos und sind irgendwie froh, dass es in Bern nicht ganz soooooo chaotisch ist wie hier.
Durchs Hinterland
Den heutigen Tag verbringen wir vor allem im Auto. Wir fahren 500 Kilometer durch das Hinterland in den Süden. Obwohl die Landschaft immer karger und trockener wird, kann sich unser Auge immer wieder an Interessantem erfreuen. Wir überqueren Pässe mit Schnee, fahren an erdfarbigen Dörfern vorbei, finden Oasen mit Palmen sowie den ersten Sand und staunen immer wieder wie die Menschen mit primitivsten Mitteln hier überleben. Schade haben wir hier nicht mehr Zeit. Noch “schader” haben wir keine Campingausrüstung dabei. Hier wäre so ziemlich alles perfekt für ein Campingabenteuer in der Freiheit. Den “Weihnachtsbraten” geniessen wir mit einem marrokanischen Schluck Rotwein und viel Gelächter in der Hotelbeiz. Merry x-mas to all of you!
Wilde Kamele
Unser heutiges Hauptaugenmerk gilt den Schluchten rund um Tinerhir. Die Todrha und die Dades Gorge bestechen mit ihrer natürlichen Schönheit. Besonders gefallen finden wir an den Dörfern, die sich Ton in Ton mit den Felsen in der Landschaft einfügen. Als krasse Farbtupfer kommen die grünen Felder und die vielen Palmen entlang der schmalen Flussbetten dazu. Heute werden wir an einer der zahlreichen Polizeikontrollen zum ersten Mal angehalten. Ganz im Unterschied zu anderen Erfahrungen in afrikanischen Ländern können wir aber nach einem kurzen Schwatz auch schon wieder weiterfahren. Sehr angenehm! Irgendwann kurz vor Ait Ben Haddou, wo wir unser Nachtlager aufschlagen, finden wir dann sogar noch wilde Kamele. Wir haben doppelt Freude: endlich mal etwas anderes als Esel, Schaf oder Ziege und dann erst noch ein afrikanisches Novum. Die Tiere lassen sich beim Fressen überhaupt nicht stören und wir können ungehindert so viele Fotos machen, wie wir wollen. Zum Znacht siegt wieder einmal das Heimatgefühl. Geschlossen entscheiden wir uns gegen Marokko-Futter und geniessen stattdessen eine Pizza. Nicht top, aber auch kein Flop. Es ist übrigens erstaunlich wie Herr Odermatt hier ohne mit der Wimper zu zucken kiloweise Zwiebeln in sich hinein stopft. Da hier aber so zienlich alles mit rohen oder gekochten Zwiebeln versehen ist, bleibt ihm eigentlich auch gar nicht viel anderes übrig.

Wie weit kann man mit 2,5 Liter im Tank noch fahren?
Bevor wir Ait Ben Haddou wieder verlassen, schauen wir uns natürlich die Kasbah, welche Unesco Welterbe ist, an. Die Baukunst ist einmalig und wir staunen über die natürlichen Mittel, die für den Bau gebraucht wurden. Vor dieser wunderbaren Kulisse sind übrigens schon zahlreiche Filme entstanden – bspw. Gladiator. Das Tal verlassen wir über einen grossen, landschaftlich sehr spektakulären Rundweg. Die Jungs haben die Tankfüllung und den Weg hochgerechnet und sind der Meinung, dass die Tankfüllung easy reichen sollte. Meine Wenigkeit wird spätestens ein wenig nervös, als auf der Anzeige auf einmal nur noch lauter Strichli kommen. Das Auto will uns damit eindeutig signalisieren, dass es extrem durstig ist! Schlussendlich leeren wir den Tank bis auf 2,5 Liter. Wie weit wir damit wohl noch gekommen wären? Darüber sind sich die anwesenden Männlein und Weiblein nicht ganz einig… Zum Znacht stossen wir auf eine peruanische Spezialität, die wir hier in Marokko ganz sicher nicht erwartet hätten: Meerschweinchen*. Die Jungs lassen sich nicht zwei Mal bitten und zerlegen schmatzend ihr Mehrsäuli im Tajinetopf. Die Meinung aller Probierenden fällt einstimmig aus: das Guy schmeckt mindestens so gut, wenn nicht sogar besser, als in Peru.
*Erst zu Hause stellt sich Dank intensiven Recherchen von Stuwi heraus, dass es sich bei der Leckerei nicht um Mehrsau sondern um Taube gehandelt hat. Egal oder gar noch besser, denn dies haben wir bis anhin noch nie kosten dürfen.
Kletternde Geissen und doch noch ein Busse
Der Weg von Agadir nach Essaouira ist zuerst eine Küsten- und danach eine Landstrasse. An der Küste staunen wir über die hohen Wellen und die vielen Surferboys. Marokko scheint tatsächlich ein kleines Surferparadies zu sein. Im Hinterland halten wir die Augen offen, um doch noch irgendwo die bekannten kletternende Geissen aus Marokko zu finden. Und tatsächlich, auf einmal sind die Geissen statt am Boden auf den Bäumen und Sträuchern am Futter suchen. Ein herrlich ungewohntes Bild! Weniger herrlich ist die nächste Polizeikontrolle. Da die Ladies auf der Rückbank nicht angeschnallt sind, erhalten wir tatsächlich eine Busse. Mit nur 30 Franken eigentlich ein Schnäppchen, aber irgendwie trotzdem nervig… Mind. 50% der anderen Verkehrsteilnehmer sind nämlich auch nicht angeschnallt und werden wie selbstverständlich durchgewunken. Immerhin bekommen wir ohne zu fragen eine Quittung, womit mindestens die persönliche Bereicherung des Polizisten ausgeschlossen werden kann. Der Küstenort Essaouira, auch Unesco Weltkulturerbe, gefällt uns sehr gut. Die Medina bietet für alle etwas und wir geniessen das gemütliche Schlendern durch die Gassen. Die Lädeli und Stände sind zahlreich, sowohl für Touris wie auch für Einheimische und wir sind erstaunt, als die Jungs in einem Café gleich neben einer Moschee gar Bier bekommen – wenn auch im Tarnbecher. Je touristischer das Kaff, desto uneingeschränkter die Denk- und Lebensweise. Dies zeigt sich vor allem auch bei der Kleidung der Frauen.

Touristenmagnet Marrakesch
In der Nacht werden wir Zeuge von einer marokkanischen Party. Durch das ganze Hotel dröhnt die Musik bis morgens um fünf Uhr. Geschlafen haben wir deshalb in dieser Nacht nicht wirklich viel und ich teile dem Receptionist am Morgen ziemlich deutlich mit, was wir von solchem Krach im Hotel halten. Durchs Hinterland steuern wir unserem letzten Etappenort entgegen: Marrakesch wir kommen! Lange war die Stadt auf unserer Reisewunschliste. Nun haben wir es endlich hierhin geschafft. Das Hotel ist rasch gefunden und bald sind wir auf Entdeckungstour. Wie alle steuern wir zuerst auf direktem Weg den berühmtesten Platz Marokkos, den Djemaa el-Fna an. Das Chaos und die Menschenamsammlung verschlägt uns fast den Atmen. So viele Leute, geschweige denn Touristen, haben wir in Marokko noch nie auf einem Haufen gesehen. Da gibts Fressen- und Getränkestände, Musikgruppen, Naturheiler, Schlangenbeschwörer (ich bin ziemlich auf der Hut, da die Besitzer mit den Dingern überall herum lungern und einem das Teil um den Hals legen wollen…), Affensbesitzer, Tänzer, Hennatätowiererinnen, Verkäufer sowie sonstige Spinner. Ein bunter Zirkus versammelt auf einem Platz. Wir lassen uns (noch) nicht gross auf den Spass ein und ziehen uns stattdessen in eine Bar zurück. Nach den all untouristischen Orten, die wir in den letzten Tage besucht haben, ist uns dies heute fast ein wenig zu viel. Ungewohnt sind auch die Bettler resp. Krüppel, die hier auf der Strasse herum liegen. Gepaart mit dem Gestank fast schon indisch anmutende Verhältnisse… Spät am Abend stossen auch noch KK und Stuwi zu uns. Die beiden werden die nächsten Tag in Marrakesh mit uns verbringen.
Liebe auf den zweiten Blick
Liebe auf den ersten Blick war Marrakesch nicht, aber von Liebe auf den zweiten Blick kann an dieser Stelle berichtet werden. Nach dem “stinkigen” Zmorge (die Frittöse hätten sie getrost in der Küche lassen können) an einem Buffet mit verfressenen Touristen schlendern wir durch den nördlichen Teil der Medina. Der Charme der Stadt zeigt sich uns hier rasch. Überall wird gemütlich dem Tagesgeschäft nachgegangen, die Souvenirverkäufer sind freundlich und unaufdringlich, der Verkehr durchaus aushaltbar sowie auf Roller und Velo beschränkt und die Gassen zwar schmal, aber doch viel luftiger und übersichtlicher als in Fes. Das wirkliche Sightseeing-Programm beschränken wir heute auf eine Koranschule aus dem 14. Jahrhundert. Diese ist derart schön und filigran ausgearbeitet, dass das Gebäude definitiv zu Recht den Weltkulturerbe Status bekommen hat. Ansonsten ist der Tag vor allem eines: gemütlich! Immer wieder schlürfen wir in einer Beiz einen Münzentee, geniessen ein einfaches Mittagessen auf dem grossen Platz, stossen bei einem Apéro an und verköstigen uns in einem einheimischen Lokal mit marokkanischen Spezialitäten. Während die Jungs sich am Nami zusätzlich ein paar Bierchen gönnen, gehen die Mädels auf Shoppingtour im Souk. Das Angebot ist riesig und erinnert irgendwie an ein orientalisches Märchen. Meist kommen wir denn auch kaum aus dem Staunen raus und können uns nur schwer entscheiden, was nun in die Tüten soll und was nicht.
Schnecken und andere Leckerein
Heute sind die Sehenswürdigkeiten im südlichen Teil der Stadt dran. Da es sich dabei um ein paar mehr Highlights als gestern handelt, sind wir auch ein bisschen länger beschäftigt. Wir bestauenen ganz viele Gräber und einen uralten, schlecht erhaltenen Königspalast sowie ein Herrscherhaus mit über 100 Zimmer. Irgendwie führen alle Wege in Marrakesch immer wieder an den Djemaa el-Fna. So stehen auch wir am Ende der Tour wieder auf diesem Platz und geniessen den obligaten, frischgepressten O’saft (Kostenpunkt 40 Rappen) bevor die Mädels nochmals in den Souk eintauchen und die Jungs sich schon mal ein Bier gönnen. Das Znacht gibts heute praktisch vor dem Hotel. Gleich gegenüber befindet sich der Busbahnhof und entsprechend ist das kulinarische Angebot – einfach und schnell. Zum Apero gibts eine Runde Schnecken. Alle sind “mutig” – ausser ich… (zum Glück habe ich für einmal DIE Ausrede) – und versuchen die lokale Spezialität. Danach gibts marokkanischen Kebab am Grillstand, Show und Unterhaltung der Grilljungs inklusive. Obwohl wir das Ding überzahlen, ein gelungener Abschluss der Tage in der crazy town Marrakesch.
Happy new year!
Stuwi und KK sind wieder abgereist und so sind wir für die letzten zwei Tage wieder à quatre unterwegs. Mit dem Auto verlassen wir Marrakesch in Richtung Casablanca. Unterwegs legen wir nochmals einen Stopp in einem Kaff am Meer ein. Anscheinend soll das portugisische Fort Unesco Welterbe sein. Dass das Ding nicht in unserem Buch ist (Inhalt ist auf die 731 Schönsten beschränkt), hat durchaus seine Berechtigung. Es ist nicht wirklich der Hammer. Am Vorabend treffen wir im Ibis am Stadtrand von Casablana ein. Nach dem Apéro gibts ein feines Znacht und danach auch schon Bettruhe. Wir sind alle viel zu müde, um noch bis Mitternacht aufzubleiben und somit schlafen wir uns gemütlich in das neue Jahr. Happy new year to everybody!
Fazit
Am letzten Tag bleibt die Rückreise. Das Auto geben wir ohne Probleme ab (das geknackte Schloss fällt zum Glück nicht auf), der Zöllner stempelt die Ausreise in meinem Pass ohne mit der Wimper zu zucken auf die erste Seite, welche für die Unterschrift reserviert ist, und Brunotti geniesst für einmal eine völlig sorgenfreie Zugsfahrt von Genf nach Bern.
Marokko hat uns sehr gut gefallen und irgendwie überrascht. Die Reise war abechslungsreich, schön und spannend. Die Menschen äusserst freundlich, interessiert und hilfsbereit. Die Landschaft unerwartet, farbig und immer wieder überraschend. Das Essen fein, manchmal eintönig und eher fad. Die Städte chaotisch, riesig und mit einem Labyrinth vergleichbar. Einziger Minuspunkt: die Marokkaner haben definitiv kein Verhältnis zum Abfall. Papierkörbe sind inexistent, alles landet auf dem Boden. So “erstrahlen” die Büsche denn auch fast überall “wunderschönen” Plastiktütenblume. Aber auch hierzu gibt es zum Schluss etwas positives: in einem kleinen Dorf waren alle Kinder samt Lehrer und Müllsack zu Fuss unterwegs und haben den Müll eingesammelt. Es bleibt die Hoffnung, dass dieses Beispiel Schule macht!
Herrlicher Rhythmus
An diesen Rhythmus könnte ich mich gewöhnen! Ferien, drei Wochen arbeiten, Ferien, wieder drei Wochen arbeiten, wieder Ferien… Einziger Nachteil: die Vorfreude kommt fast ein bisschen zu kurz. Dieses Mal starten wir getrennt. Während Odi bereits fünf Tage in San Francisco an einem Kongress weilt, geht meine Reise in Richtung US and A erst heute los. Obwohl das Entertainment-System nicht funktioniert, gehen die zwölf Stunden Flug überraschend zügig vorbei. Ich geniesse die Zeit, um wieder einmal zu Lesen und die gesammelten Podcasts anzuschauen. In San Francisco erwartet mich Odi bei schönstem Wetter an der BART-Station. Während er sich den Abend an der Abschlussparty des Kongresses (inkl. Pearl Jam, Kings of Leon und gratis Bier) vertreibt, versuche ich einen ersten Teil des Jetlags zu überwinden und bin zeitig ins Bett.
San Fran
Für Odi stehen heute die letzten Vorträge an. Ich vertreibe mir die Zeit mit klassischem Sightseeing in San Fran. Ohne Karte schlendere ich immer der Nase nach die Hügel rauf und runter, lande irgendwann am Meer und finde den Weg via Chinatown wieder zurück zum Hotel. Fazit des Tages: San Fran ist und bleibt eine coole Stadt: die Atmosphäre ist relaxed, die Leute freundlich, die Sehenswürdigkeiten zahlreich und das Chinatown sowieso der Hit. Bevor unsere gemeinsamen Ferien richtig anfangen, gibt’s am Abend Sushi bis zum Abwinken mit Odis Arbeitskollegen. Ab morgen sind wir definitiv wieder on the road again und fliegen nach Hawai’i.
Let’s go to Hawai’i
An einem Reisetag kann man gaaaaanz viel über ein Land erfahren. Hier die lustigsten Dinge, denen wir heute auf der Reise nach Hawai’i begegnet sind:
Da unser Flug gestrichen wurde, müssen wir drei Stunden länger als geplant am Flughafen warten. Irgendwann spätabends erreichen wir unser Ziel. In Hilo angekommen, schnappen wir uns das Mietauto und fahren zum reservierten Hostel im Kaff. Das Wetter ist gut, die Temperaturen nach unserem Gusto und wir sind ready für Hawai’i.

Lava!
Der Tag wird ein Tag im Zeichen des aktivsten Vulkan der Insel. Da Vulkane für uns eine absolutes Novum sind, freuen wir uns sehr auf das was da kommen mag. Erster Fixpunkt ist der Treffpunkt mit dem Helikopterpilot, welcher uns den Krater aus der Luft zeigen wird. Da wir beide noch nie in einem Heli geflogen sind, wissen wir gar nicht auf was wir uns mehr freuen sollen: auf den Vulkan oder auf den Flug. Die Kombination macht es am Schluss wohl aus. Sanft und gemächlich ziehen wir über dem Krater unsere Runden und bestaunen die rote Lava, welche tatsächlich an zwei Orten aus der Erde blubbert. Wir folgen der rauchenden Linie und damit dem Strom weiter in Richtung Meer und können auch hier ab und zu Lava bewundern, welche sich irgendwie einen Weg an die Oberfläche schafft. An einem Ort, wo Lava austritt, können wir sogar einige Leute ausmachen, die zu Fuss hierhin gewandert sind. Klar, dass wir dies danach auch versuchen wollen. Besonders eindrücklich sind auch die riesigen Flächen, die der Vulkan bei seinen diversen Ausbrüchen zerstört hat. Ganze Dörfer wurden dabei begraben. Nach dem wir uns diesen ersten Überblick aus der Luft verschafft haben, ist es Zeit unser Glück zu Fuss zu versuchen. Wir haben keine Ahnung, ob, wie und wo wir näher an die Lava kommen und fahren einfach mal ans Meer. Dort finden wir tatsächlich ein paar local guys, welche gegen Abend loslaufen und den etwas “wagemutigeren” Touris den Lavastrom aus der Nähe zeigen. Über alte Lavafelder – rauf und runter, über Stock und Stein (zum Glück ist Lava so richtig griffig!) – wandern wir über zwei Stunden querfeldein und fühlen uns wie bei einer Mondwanderung. Als wir ankommen, sind wir gleich hell begeistert. Der Guide lässt uns ohne grosses Sicherheitsgeplapper losziehen und wir stehen tatsächlich direkt an einem Ort, wo neue Erde entsteht. Der mitgebrachte Stock, mit dem wir in der Lava herumstochern, reagiert wie ein Flammenwerfer, so heiss ist es. Wir können denn auch nicht zu lange dort stehen bleiben, die Hitze ist einfach unglaublich. Odi fackelt sich fast die Haare ab, so lange bleibt er Nahe bei der glühend heissen Masse. Über eine Stunde geniessen wir das Schauspiel. Unglaublich, wie sich schon nur in dieser kurzen Zeit die Oberfläche verändert. Man könnte stundenlang einfach hier sitzen und auf die roten Lavströme blicken – sehr, sehr eindrücklich. Der Rückweg dauert dann etwas länger. In der Zwischenzeit ist es stockdunkel und wir versuchen mit der Taschenlampe den besten Weg über das Geröll zu finden. Todmüde und mit vielen neuen Eindrücken fallen wir im Hotel (welches übrigens der absolute Hit ist…) sofort in einen tiefen Schlaf!
Frage des Tages: Wieso sind Teile des Waldes von oben dunkler als andere? Antwort: Schatten, Wolken, keine Sonne!
Im National Park
Die super Erlebnisse von gestern, können heute kaum getoppt werden. Obwohl dies klar ist, schauen wir uns trotzdem auch noch im National Park um und fahren mit dem Auto von Lookout zu Lookout. In der Tat ist es vor allem die Landschaft, die man hier bewundern kann. Mit unzähligen anderen Touris – Durchschnittsalter 67,5 Jahre – geniessen wir einen lazy National-Park-Day. Am besten gefällt uns das “Road Closed-Sign”, welches mitten in einem Lavalfeld steht und netterweise anzeigt, dass es hier nicht mehr weiter geht. Zum Znacht kehren wir im einzigen Taco Bell der Insel ein. Erinnerungen an frühere USA-Reisen kommen auf und wir schlagen uns so richtig den Magen voll. Mmmmhhhhh….
Schildkröten, Delfine und Parkbussen
Unser erster Stopp ist heute ein Strand mit pechschwarzem Sand. Im Reiseführer und auf der Tafel auf dem Parking steht “Watch out for turtels”. Schön wärs, denken wir und schlendern ohne weiter darüber nachzudenken über den schönen Strandabschnitt. Doch tatsächlich, auf einmal sind sie da. Auf einen Blick können wir vier Schildkröten ausmachen, welche hier gemütlich auf den Lavasteinen im Wasser liegen und am Moos herum knabbern.

So nahe und so lange konnten wir nicht einmal beim Tauchen je diese Tiere beobachten – cool! Weiter geht die Fahrt der Küste entlang zum südlichsten Punkt von Amerika. Hier ist es vor allem staubig und uns beeindrucken nur die Fischer, welche mit Harpune bewaffnet im tiefblauen Meer auf Fischfang gehen und so folgen wir lieber dem nächsten Hinweis im Planeten: schönster Schnorchelspot und Spinnerdelfine. Da auch am Strand wieder ein Schild mit dem gleichen Hinweis steht, sind wir guten Mutes, dass wir auch hier Tierglück haben werden. Und tatsächlich – bereits beim ersten Blick aufs Wasser sehen wir die Rückenflossen in der Bucht. Bevor wir uns ins Wasser stürzen, schauen wir uns aber noch einen historischen Platz an. Im Freilichtmuseum kann man lernen, wie die Könige Hawai’is früher gelebt haben. Nach so viel Kultur sind wir wieder bereit für Natur. Wir springen ins Wasser, setzen Schnorchel und Brille, warten ein paar Minuten und schon schwimmen zwei Delfine ca. eine Minute gemächlich um uns herum. Selbst dem sonst nicht sehr “Delfin-freundlichen” Herr Odermatt zaubert dies ein Lächeln aufs Gesicht. Hierzu muss man vielleicht noch sagen, dass wir Delfine bis anhin nur vom Boot oder Strand aus gesehen haben. Aus der Wasserperspektive ist dies ein ganz neues Erlebnis für uns – super! Zum Ausklingen des Tages fahren wir nach Kona. Das Tourikaff ist weltweit bekannt wegen des Ironman. Da dieser in wenigen Tagen stattfindet, joggen, schwimmen und radeln ganz viele durchtrainierte Athleten wie wild durchs Dorf. Wir verzichten auf den Abendsport und widmen uns lieber dem Abendessen. Da ich beim Parking jedoch das falsche Ticket gelöst habe (man kann 5 Dollar für zwei Stunden zahlen oder man kann 7 Dollar für die Zeit ab 17.00 bis zum nächsten Morgen zahlen; ich habe Option 2 gewählt, worauf das Ticket da es erst 16.50 war nur gerade zehn Minuten gültig war), wollen wir zuerst das Auto umparkieren. Leider kommen wir zu spät. Unter dem Scheibenwischer klebt bereits ein Zettel mit einer Busse in der Höhe von 40 Dollar… Fazit des Tages: wenn auf Hawai’i etwas auf einer Tafel steht, dann ist es so! Egal ob bei Schildkröten, Delfinen oder Parktickets! Aloha…
Ps: das erste Mal nehmen wir die Resten vom Znacht in einem doggy bag mit ins Hotel. Die Pizza war doch zu gross und wird morgen deshalb Odis Frühstück!
Und es wird noch besser…
Weil wir heute nochmals zu den Delfinen wollen, packen wir unsere sieben Sachen nicht zusammen und behalten das Hotelzimmer. Mit unserem Mietauto fahren wir ganz in den Norden der Insel und bestaunen dort die raue Klifflandschaft und die grünen, steilabfallenden Täler. Big Island bietet von der Vegetation und der Landschaft her wirklich alles: Regenwald, lange furztrockene Abschnitte, saftige grüne Farmlandschaften, riesige von Vulkangestein bedeckte Gebiete, steile Klippen, Sandstrände usw. An der Küste nördlich von Kona finden sich die meisten Ferienresorts. Dies da es hier die schönsten Strände und das beste Wetter gibt. Wir haben keine Lust auf die Hotelbunker, wollen aber trotzdem einen Strand besuchen. Zum Glück gibt es hier in Hawai’i ein tolles Gesetz: Strand kann nie Privateigentum sein! So finden wir denn auch leicht einen Abschnitt, wo wir die Füsse im Meer baden und den unzähligen Schildkröten zuschauen können. So etwas haben wir wirklich noch nie erlebt. Man läuft am Strand auf und ab und sieht bei jedem Blick ins seichte Wasser eine Schildkröte. Und wenn man vor lauter Schildkröten im Wasser nicht genau hinschaut, kann es durchaus sein, dass man gleichzeitig über eine stolpert, die faul am Strand herum liegt. Zurück beim Schnorchelspot können wir zwar Delfine entdecken, aber die sind so weit draussen im Meer, dass wir uns wenig Hoffnung machen. Da das Meer unruhig ist, wollen wir nicht so weit hinaus schwimmen. Doch die Delfine meinen es wieder gut mit uns und schwimmen zu uns! In der ersten Truppe, die gemächlich an uns vorbei zieht, zählen wir fünf Tiere. In der zweiten sind dann über zehn Stück inkl. ein Baby und ein Paar beim Liebesakt. Ein Delfin ist nur ungefähr ein Meter von mir entfernt und ich kann mein Glück wirklich kaum fassen. Wie soll man da 50 Meter Abstand halten (so steht’s auf der Tafel am Strand), wenn die Tiere einfach so direkt an einem vorbei schwimmen… – geil!
Back to Lava
Direkt im Anschluss an den Lava-Walk hat mir Odi erklärt, dass er diesen unbedingt nochmals machen will. Da wir heute nur noch auf die andere Inselseite müssen und auch sonst so ziemlich alles was uns interessiert gesehen haben, lässt sich dies bestens einrichten. Unterwegs stoppen wir bei den Aka Falls, den grössten Wasserfällen Hawai’is. Na ja, wenn man gerade erst bei den Vic Falls war, haut es einem nicht aus den Socken. Der Regenwald drum herum ist aber durchaus ein Besuch wert. Pünktlich treffen wir am Meer ganz im Süden ein und bekommen ohne Probleme einen Platz in der nächsten Trekkinggruppe. Im Unterschied zum letzten Mal treffen wir heute bei Tageslicht am Lavastrom ein, was uns einen etwas anderen Blick auf das Spektakel ermöglicht. Dies war denn auch der Hauptgrund, weshalb wir den Walk nochmals unter die Füsse genommen haben. Dieses Mal sind wir übrigens viel zackiger unterwegs. Nicht dass wir schneller laufen würden, nein, unser heutiger Guide kennt sich irgendwie besser aus und läuft ohne Umwege direkt von A nach B und zurück.
Waikiki
Im Nieselregen sagen wir Big Island adieu und fliegen nach Honolulu. Eigentlich wollten wir für die nächsten Tage kein Mietauto. Als wir aber vor dem Abflug nochmals einen genaueren Blick in den Planeten werfen, beschliessen wir trotzdem eines zu mieten und buchen kurzerhand eine Karre. So sind wir dann in Honolulu auch im Nu mit Sightseeing beschäftigt und fahren direkt zum ersten Highlight der Insel: Pearl Harbour. Hier kann man ganz viele Kriegsschiffe, U-Boote und Memorials besichtigen. Da wir zwar interessiert, aber nicht fanatisch für solche Dinge sind, entscheiden wir uns für eine Besichtigung der USS Missouri und des Memorial der USS Arizona. Das sollte zum Erreichen des Sättigungsgefühls reichen. Das Kriegsschiff war bis zum Golfkrieg im Einsatz und ist heute ein Museum. Die USS Missouri ist riesig und man kann alles auf eigene Faust besichtigen. Irgendwie eindrücklich – auch wenn wir grundsätzlich von Kriegsmaterialen nicht sehr beeindruckt sind. Das Memorial der USS Arizona ist das meistbesuchte Objekt von Pearl Harbour. Über dem von den Japaner am 7.12.1941 attackierten und versunkenen Schiff wurde zu Ehren der 1400 getöten Soldaten eine Art Brücke errichtet, die man per Schiff besuchen kann. Da die Toten hier ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, ist das ganze ziemlich speziell und leicht patriotisch angehaucht. Das reservierte Hotel in Waikiki entpuppt sich als wahrer Glücksgriff. Zimmer mit Balkon, sauber, relativ neu, einfach eingerichtet, eine Strasse vom Strand weg und erst noch zahlbar. Waikiki selber finden wir auch überraschend gut. Obwohl es hier wie erwartet ober touristisch ist und eine Unmenge an Touris hat (wir fühlen uns wie in Japan!), ist doch alles ziemlich relaxt und easy – Hawai‘in-Styl-Hang Loose eben…

Oahu
Heute steht die Besichtigung der Insel Oahu an. Wir beginnen unseren Tag mit Besteigen des Diamond Hill. In Einerkolonne geht es langsam den Berg rauf. Den Hügel könnte man als Hausberg von Honolulu bezeichnen (Openair gibts hier aber keines…
). Die Aussicht ist super, wäre da nicht die Unmenge an Touristen, die gegenseitig um den besten Fotoplatz buhlen. Via Küste fahren wir weiter ganz in den Norden. An der Küste wechseln sich Strand und Klippen ab. Da das Angebot an Stränden immens ist, wirkt keiner überlaufen. Wir selber bleiben heute trocken. Meist sind die Wellen schlicht zu hoch und schnorcheln somit kein Thema. Ja, auch die Insel Oahu gefällt uns – das Südsee-Feeling ist omnipräsent. Was im Gegensatz zu Big Island auffällt, sind die vielen Obdachlosen (teilweise ganze Familien…). Einige haben ihre ganzes Hab und Gut in ihrem Auto verstaut. Andere wohnen mit den wenigen Habseligkeiten irgendwo unter einem Baum. Was auch auffällt, ist die hohe Militärpräsenz auf der Insel. Hawaii ist ein grosser Stützpunkte. Auf dem Rückweg fahren wir gar durch ein Kaff, in welchem nur Angestellte der Armee wohnen. Wir beschliessen den Tag mit einem Shopping-Stopp in einem Outlet Store und kaufen den halben GAP leer. Unglaublich was wir für 200 Dollar alles ins Hotel tragen. Ob wir‘s auch irgendwie in den Tramper bringen, bleibt abzuwarten…
Last day in Hawai’i
Wir sind früh unterwegs. Bereits um sieben Uhr sitzen wir im Auto und fahren zum berühmtesten Schnorchelpunkt der Insel (die Anzahl Besucher pro Tag ist limitiert, early-morning-snorkeling also…). Na ja, so der Hammer ist es dann leider nicht. Trotz Education-Film, welchen alle Besucher beim Einlass anschauen müssen, wurden die Korallen über die Jahre zu Tode getrampelt. Was uns ein bisschen entschädigt, sind die vielen Fischen (gar Fischarten), die in der Bucht herum schwimmen. Und ach ja, die Bucht an und für sich ist auch sehr schön. Der letzte Abstecher auf der Insel führt uns ganz an den westlichen Zipfel. Hier finden sich wieder zahlreiche tolle Strände, welche vor allem das Surferherz höher schlagen lassen.

Diese Küstenseite der Insel wird hauptsächlich von Ur-Hawaiianern bewohnt. Dies nimmt dem ganzen sofort ein bisschen den Glanz, macht es aber auch irgendwie sympathisch. Nach dem Sonnenuntergang am Waikiki-Beach (sehr, sehr schön!), geniessen wir ein letztes Mal die Meeresbrise auf unserem Balkon. Durch Zufall finden wir heraus, dass das für morgen gebuchte Hotel in San Fran nicht so der Hit ist. Wir kommen um 9 Uhr abends in Frisco an und die Reception schliesst um 10 Uhr. Die Chance, dass wir also ohne Hotel auf der Strasse stehen, ist gross. Kurzerhand buchen wir alles um: neues Hotel beim Airport und – ich kann es kaum glauben und Odi sagt immer nur “do as the locals do, wir sind in Amerika!” – Mietauto für 20 Stunden. Kleines Detail am Rande: das Mietauto ist günstiger als der öV. Da muss die Eisenbahnerin in mir ein bisschen umdenken…
Mahalo
Mahalo heisst Danke auf hwaiianisch. Ja, es hat uns sehr gut gefallen in Hawai’i. Hawai’i ist definitiv nicht Amerika. Alles ist so viel relaxter, niemand ist im Stress, die Leute sind unglaublich nett (echt nett und nicht “Ami-nett”) und das Leben scheint allen irgendwie Spass zu machen. Diese Beschreibung passt zu Oahu (Insel mit Honolulu). Für Big Island müsste man überall noch ein “sehr” vorab stellen. Nach einem letzten tiefen Atemzug in der warmen Pazifikluft verlassen wir die Inseln und fliegen zurück nach San Fran. Dass unser Entscheid betreffend Hotel richtig war, merken wir bald. Mit fast einer Stunde Verspätung landen wir in SFO… Zum Abschluss des Tages gibt es einen letzten Taco im Taco Bell. Damit hätten wir uns auch von unserer liebsten Fast Food-Kette verabschiedet und der letzte Ferientag kann kommen.
San Francisco in one day
Dank dem Mietauto sind wir rasch und stressfrei an der Golden Gate Bridge. Leider ist der Nebel derart dicht, dass wir die Brücke zuerst nirgends entdecken können. Nach nur einigen Minuten lichtet sich dieser aber und Stück für Stück vom Wahrzeichen der Stadt wird sichtbar.

Nach mehreren Fotos aus allen zur Verfügung stehenden Winkeln und Aussichtspunkten fahren wir via Lombard Street zurück ins Stadtzentrum. Der Toll über die Brücke kostet übrigens auf der Hinfahrt null Dollar und auf der Rückfahrt sechs Dollar… Am Fishermans Warft gibt’s Fish & Chips zum Essen, Seehunde zum Fotografieren und viele Touris zum Anschauen. Da wir noch genug Zeit haben, lassen wir uns für die Rückfahrt zum Flughafen viel Zeit und cruisen gemütlich durch die Strassen. Durch die verschiedensten Quartiere – vorbei an arm und reich (die Penneranzahl ist wirklich erschreckend), die ethische Vielfalt eine wahre Freude – dauert die abwechslungsreiche Fahrt über eine Stunde. Am Flughafen werden wir ein letztes Mal Zeugen der typisch amerikanischen Sicherheitsmentalität. Gib ihnen eine Uniform und sie sind kaum mehr zu halten. Am liebsten würden wir alle Festländer in ein “Aloha-Praktikum” nach Hawai’i senden. In diesem Sinne “Aloha” und “Mahalo” – bis zur nächsten Reise!