Monthly Archives: May 2008

Endlich: ein Update

ZurĂŒck in der “Zivilisation” von Bali haben wir tatsĂ€chlich eine Internetleitung gefunden, mit der wir euch wieder einmal mit News und Bildern von uns beliefern können. Ihr findet nachfolgend drei neue Berichte von unseren Erlebnissen in Indonesien.

Viel Spass beim Nachlesen!

Central Java

Bali

Flores

oder einfach ein bisschen runter scrollen…

Flores

Short cut zu den Bildern

Labuanbajo

Damit wir unseren Flug ab Denpasar erwischen, mĂŒssen wir um vier Uhr im Hotel losfahren. Niemand von uns hat damit gerechnet, dass um diese Zeit schon in jedem Kaff das halbe Dorf auf den Beinen ist. Überall herrscht reger Betrieb, meist auf dem Markt. Am Flughafen verabschieden wir uns von Nadine und MĂ€tthu. Die beiden fliegen zurĂŒck in die Schweiz und wir weiter nach Flores. Am Flughafen von Labuanbajo finden wir gleich ein Fahrzeug, dass uns praktisch umsonst in das Dorf bringt. SelbstverstĂ€ndlich organisiert der nette Herr auch alle möglichen Touren und stellt uns diese entsprechend vor. Geduldig hören wir uns seine VorschlĂ€ge an. Das Angebot tönt verlockend, doch wir lassen uns mit der definitiven Entscheidung noch Zeit und gehen stattdessen zuerst ins Internetkaffee. Eigentlich wollen wir seit lĂ€ngerer Zeit wieder einmal einen Bericht auf unserer Homepage aufschalten. Doch die Internetleitungen in Indonesien sind praktisch ausnahmslos derart schlecht, dass wir unser Vorhaben einmal mehr wohl oder ĂŒbel verschieben mĂŒssen. ZurĂŒck im Hotel lassen wir uns vom netten Herr noch das Boot zeigen, auf dem wir die nĂ€chsten zwei Tage unterwegs wĂ€ren. Ausser dem WC, einem runden und kleinen Loch mit direkten Meeresanschluss, scheint alles in Ordnung zu sein und so buchen wir die Tour schliesslich definitiv. Was will man mehr, zu einem netten Preis mieten wir ein Schiff mitsamt KapitĂ€n und zwei Schiffjungs nur fĂŒr uns. Zum z’Nacht gibt es endlich die lang ersehnte Pizza. Unter einer Pizza Margerita versteht der Indonesier ĂŒbrigens folgendes: Pizzateig belegt mit Mozzarella, Tomaten, Ananas, Peperoni, Champignons, Oliven und Zwiebeln. Bei uns wĂŒrde diese Pizza wohl eher als „Pizza quer durch den KĂŒhlschrank“ verkauft. Unsere vom Reis geplagten Gaumen, haben aber trotzdem ihre helle Freude an diesem italienischen Leckerbissen!

Komodo National Park

Die nĂ€chsten zwei Tage verbringen wir im von der Unesco zum Weltkulturerbe ernannten Komodo National Park. Das Gebiet ist weltweit fĂŒr seine riesigen und einzigartigen Varane bekannt. Gespannt verlassen wir mit dem Boot Labuanbajo und fahren zu unserem ersten Ziel, dem Manta Point. Anscheinend begegnet man diesen Fischen hier praktisch jeden Tag. TatsĂ€chlich schwimmen gleich mehrere Prachtsexmplare an der WasseroberflĂ€che an uns vorbei. Bewaffnet mit Taucherbrille und Schnorchel springen wir ins Meer und versuchen ihnen nach zu schwimmen. Zum GlĂŒck sind wir keine Schnorchel-AnfĂ€nger. Die Strömung ist derart stark, dass wir keine Chance haben den Tieren zu folgen und wir nur kurze Blicke erhaschen können. Ausser Atmen lassen wir uns vom Boot an einen etwas weniger anstrengenden Schnorchelplatz bringen, an dem es zwar keine Mantas, aber doch ein ganz nettes Riff und viele bunte Fische gibt. Doch eigentlich sind wir ja wegen den Komodo Dragons hier hin gefahren und mit diesem Unikum scheinen wir richtig GlĂŒck zu haben. Vor ein paar Tagen hat es vor Komodo Island einen Bootsunfall gegeben. Ein Tiertransporter ist gesunken und einer der WasserbĂŒffel liegt nun tot am Strand. Wir mĂŒssen nur wenige hundert Meter gehen und sehen auf einen Schlag sechs Varane, welchen auf die Ebbe und damit auf ihren Leckerbissen warten. Die Tiere sind wirklich sehr eindrĂŒcklich, werden bis zu 3,5 Meter lang und bis hundert Kilo schwer. Ein gewisser Respekt vor den Dragons ist angebracht, denn sein Biss kann eine tödliche bakterielle Infektion auslösen. Unser Ranger macht uns freundlicherweise darauf aufmerksam, dass es auch schon mal einen Schweizer erwischt hat. Hoffentlich hat dieser den Varanen nicht zu sehr geschmeckt… Doch die Tiere sind in Anbetracht des toten WasserbĂŒffels im Moment herzlich wenig an uns interessiert und warten geduldig darauf, dass der Meeresspiegel weiter zurĂŒck geht und der BĂŒffel damit einfacher zugĂ€nglich ist. Damit wir noch mit eigenen Augen sehen können, wie die Varane grosse StĂŒcke aus dem BĂŒffel reissen, rĂŒcken die Ranger diesen schliesslich unter gĂŒtiger Mithilfe von Odi noch etwas zurecht. TatsĂ€chlich scheut sich danach wenigstens ein Dragon nicht mehr vor dem Wasser und beisst krĂ€ftig zu. Bevor es dunkel wird, fahren wir weiter in eine ruhige Bucht. Hier werfen wir den Anker aus und verbringen die Nacht auf dem Bootsdeck.

Rinca Island

Um fĂŒnf Uhr starten die Jungs den Motor. WĂ€hrend wir noch auf dem Deck liegen können, fahren sie uns an das nĂ€chste Ziel, Rinca Island. Auch diese Insel gehört zum National Park und beheimatet Komodo Dragons. Hier mĂŒssen wir ein bisschen weiter marschieren, um die Tiere zu sehen und wir wandern zwei Stunden ĂŒber die trockene und hauptsĂ€chlich mit Gras bewachsene Insel. Doch das Trekken lohnt sich. Wir sehen neben Varanen auch Affen, WasserbĂŒffel, Vögel und einen wilden Hund. Bevor wir wieder zurĂŒck nach Labuanbajo fahren, machen wir nochmals einen kurzen Schnorchelstopp. Den Rest des Tages verbringen wir wieder im Internetkaffee und bei Bier und Pizza.

Odi hat ĂŒbrigens eine wirklich innige Beziehung zu den indonesischen Toiletten aufgebaut und heute zum zweiten Mal so richtig ein WC verstopft. Obwohl wir wann immer irgendwie möglich darauf bestehen, dass wir eine westliche KloschĂŒssel im Zimmer haben, sind die sanitĂ€ren Anlagen hier in keinster Weise mit den unsrigen vergleichbar. Eine SpĂŒlung bedeutet nicht zwangslĂ€ufig, dass man dann auch alles weg spĂŒlen kann. Und dies obwohl wir selbstverstĂ€ndlich das WC-Papier immer brav in den Eimer daneben werfen. Tja, da schĂ€tzt man wieder was man zu Hause hat!

Ein nicht ganz freiwilliger Tag in Labuanbajo

In Indonesien muss man grundsĂ€tzlich keinen Wecker stellen. Es gibt zwei Arten von Weckdienst, auf die man sich eigentlich verlassen kann. Der erste ist der Muezzin, der jeden Morgen pĂŒnktlich um fĂŒnf Uhr seine SchĂ€fchen in die Moschee ruft. Der zweite sind die unzĂ€hligen HĂ€hne, die einer nach dem anderen ab ungefĂ€hr vier Uhr unentwegt um die Wette schreien. So werden wir auch heute von beiden aus den Federn geholt. Nur dumm dass unser Bus erst in ein paar Stunden fĂ€hrt – denken wir wenigstens im Moment noch… Doch heute kommt es zur Abwechslung etwas anders als geplant. Da es in Labuanbajo kein Busterminal gibt und das Bus fahren in Flores doch etwas komplizierter scheint als auf Java, haben wir fĂŒr die nĂ€chste Etappe ĂŒber den netten Mann, der uns auch die Komodo-Tour verkauft hat, fĂŒr nur einen Franken mehr zwei PlĂ€tze in einem Minibus reserviert. Der nette Mann, der ĂŒbrigens Louis heisst, erscheint auch pĂŒnktlich im Hotel, um uns im richtigen Bus zu verfrachten. Doch leider finden wir im ursprĂŒnglich reservierten Bus um neun Uhr keinen Platz mehr. Anscheinend hat irgendetwas mit der Reservation nicht geklappt. Nicht so tragisch, wir haben ja Zeit und so warten wir auf den nĂ€chsten Bus in zwei Stunden. Als Louis um elf Uhr nicht mehr auftaucht, ahnen wir bereits, dass wohl etwas nicht ganz propper ist. Wie bereits befĂŒrchtet, sind wir auch nicht auf der Elf-Uhr-Liste und der Bus fĂ€hrt wieder ohne uns ab. Als ich Louis suchen gehe, um ihn zur Rede zu stellen, ist dieser spurlos verschwunden und niemand will ihn gesehen haben. Meinen Unmut kriegen die Herren im ReisebĂŒro zu spĂŒren, wo Louis normalerweise abhĂ€ngt und Schach spielt. Wohl oder ĂŒbel mĂŒssen wir unser Weiterreise auf morgen verschieben! Doch mit lesen, Schach spielen, ein paar Internetrecherchen, einem Bierchen und einer Pizza (langsam aber sicher haben wir unsere GelĂŒste in dieser Hinsicht nun etwas gestillt…) geht auch dieser Tag in Labuanbajo irgendwie vorbei. Wir sind gespannt, ob wir morgen mehr GlĂŒck haben mit unserer Reservation im „Bajo-Express“!

Halbzeit

Heute ist die HÀlfte unserer Reise Vergangenheit. Unglaubliche sechs Monate sind wir nun schon unterwegs. Der Tramper ist definitiv zu unserem zu Hause geworden! Wir freuen uns auf die verbleibenden sechs Monate und all die Erlebnisse, Begegnungen und Abenteuer, die da noch kommen mögen!

PĂŒnktlich um sieben Uhr stehen wir wieder am Strassenrand und warten auf den „Bajo-Express“. Als 30 Minuten spĂ€ter immer noch kein Bus auftaucht, steigen wir zĂ€hneknirschend in den nĂ€chsten öffentlichen Bus. Es scheint, als ob wieder etwas nicht geklappt hat. AnfĂ€nger wie wir sind, haben wir uns den Bus ausgesucht, indem wir die ersten FahrgĂ€ste sind. Da es hier keine fixen FahrplĂ€ne gibt und immer erst abgefahren wird, wenn der Bus mindestens bis auf den letzten Platz gefĂŒllt ist, machen wir zuerst einmal eine Runde um das Dorf. Als wir eine halbe Stunde spĂ€ter wieder bei unserem Hotel vorbeifahren, notta bene immer noch als die einzigen Passagiere, trauen wir unseren Augen kaum: der „Bajo-Express“ steht vor dem Guesthouse. Mit einem lauten Stopp bringen wir den Fahrer dazu anzuhalten, damit ich aus dem Bus springen und fragen kann, ob dies tatsĂ€chlich unser „Bajo-Express“ ist. Jaaaaaa, da ist er! Im Schnellzugstempo wechseln wir von einem Fahrzeug in das andere und freuen uns sehr ĂŒber den glĂŒcklichen Zufall. Wir ahnen bald, dass unser Plan nicht mit dem öffentlichen Bus zu fahren, sehr weise war. Die öffentlichen Busse auf dieser Strecke sind ĂŒbervoll und selbst das Dach ist voll beladen mit Passagieren, GepĂ€ck und Tieren. Dazu kommen sie praktisch nicht vorwĂ€rts. Die Strasse ist bei uns im besten Fall mit einer Bergstrasse im Eriz zu vergleichen. Selbst unser „Bajo-Express“ braucht fĂŒr die 130 Kilometer ganze vier Stunden. KotztĂŒten sind ĂŒbrigens auch in Indonesien bekannt. Hier aber in Form von kleinen PlastiksĂ€cken, die nach einmaligem Gebrauch sofort aus dem Fenster geworfen werden. Wieder einmal ein Beispiel der Abfallkultur in diesem Land! In Ruteng angekommen, machen wir einen Spaziergang durch das Dorf. Da in diesem Kaff wirklich gar nichts los ist und wir keinen Bus fĂŒr die Weiterfahrt reservieren können, machen wir es uns mit einem guten Buch im Hotel bequem. Das kĂŒhle Bergwetter und der Nachmittagsregen tragen das ihrige zu diesem Programm bei.

Frieren am Äquator

Um zehn vor sieben klopft es an unserer TĂŒr. Die Hotelangestellte holt uns aus dem Bett, um uns mitzuteilen, dass der Bus nach Bajawa auf uns wartet und in zehn Minuten abfĂ€hrt. Super, zum GlĂŒck haben wir gestern gefragt, wann und wo die Busse fahren und haben von NIEMANDEM eine vernĂŒnftige Antwort erhalten… Wie auch immer, zehn Minuten spĂ€ter stehen wir auf der Strasse und steigen in den Bus ein. Die Fahrt nach Bajawa dauert sechs Stunden und ist erneut sehr kurvig und holprig. Auf Flores sind alle grösseren Dörfer durch einen Bergkamm getrennt und wir mĂŒssen auf jeder Fahrt mindestens ein solches Gebirge ĂŒberqueren. Die Durchschnittsgeschwindigkeit ist auch heute nur ca. 20 km/h. Kurz nach Mittag treffen wir in Bajawa ein. Da wir aufgrund unseres ĂŒberhasteten Aufbruchs am Morgen noch nichts gegessen haben, gehen wir auf direktem Weg in das nĂ€chste Restaurant. Hier treffen wir zwei Traveller aus Belgien, mit denen wir den Nachmittag und spĂ€ter auch den Abend verplaudern. Zwischendurch organisieren wir fĂŒr morgen eine Tour in die Dörfer der Umgebung sowie zu den Hot Springs. Wir haben GlĂŒck, dass wir drei Französinnen finden, die sich uns anschliessen und wir so den Preis fĂŒr uns halbieren können. Am Abend steht ganz Bajawa praktisch still. Strom gibt es nur noch ab Generator und das Benzin scheint auch ausgegangen zu sein. Nun wissen wir, warum bei den zwei Tankstellen zwischen Labuanbajo und Bajawa ellenlange Schlangen am warten waren. Da Bajawa auf 1100 Meter liegt, ist das Wetter wie am Vorabend in Ruteng kĂŒhl und regnerisch. Wir mĂŒssen sogar einen Langarmpulli anziehen und vor allem unter der eiskalten Dusche frieren wir ganz schön. Wer hĂ€tte gedacht, dass es am Äquator so kalt sein kann?

Am Abend fĂ€hrt ein sehr lustiger Transport an uns vorbei, der ein paar Zeilen auf unserer Homepage verdient hat: der „Chicken-Express“. Der Minibus ist an drei Seiten voll, wirklich voll, behĂ€ngt mit lebenden HĂŒhnern, alle kopfĂŒber an den FĂŒssen aufgehĂ€ngt. Was fĂŒr ein Bild!

Traditional villages in Flores

Mit einem Bemo, zu Deutsch ein Minibus, werden wir fĂŒr die heutige Tour im Hotel abgeholt. Zuerst steht der Besuch von zwei traditionellen Dörfern auf dem Programm. Unterwegs marschieren wir ein StĂŒck zu Fuss und unser Guide zeigt uns allerlei KrĂ€uter, BĂ€ume und StrĂ€ucher, die entweder als Medizin verwendet oder zu GewĂŒrz verarbeitet werden. Das erste Dorf ist eher klein und wird nicht oft von Touristen besucht. Wir sind ĂŒberrascht, wie ursprĂŒnglich die Leute hier in ihrer Clans zusammen leben. Von unserem Guide erfahren wir alles wissenswerte ĂŒber das Leben in einem solchen Dorf. Es scheint, als ob Tradition hier immer noch sehr gross geschrieben wird. Da heute Sonntag ist, ist das halbe Dorf in der Kirche – 90 % der Einwohner auf Flores sind katholisch – und wir treffen nur ein paar alte Frauen und Kinder an. Praktisch alle alten Frauen hier haben eine Angewohnheit, die sie dauernd ausĂŒben und die man auch als Laie sofort erkennen kann: Betel Nut kauen. Die Betel Nut ist eine Art Aufputschmittel. Die Nuss wird in ihrem eigenen Blatt eingewickelt, mit ein wenig Korallenpulver angereichert und danach gekaut. Dabei hat die Nuss eine belebende Wirkung und die Korallen fĂ€rben die ZĂ€hne sowie die Lippen knallrot. Der Betel Nut wird zudem ein gewisser Berauschungseffekt nachgesagt. SelbstverstĂ€ndlich lassen wir uns diese Gelegenheit nicht entgehen und probieren selber aus, von was die alten Frauen ihre Finger nicht lassen können. Hmm… merken tut man irgendwie nix. Einzig die roten ZĂ€hne und Lippen bekommen auch wir ab. Schmecken tut das Ganze extrem abscheulich. Nach dem Kauen spuckt man alles wieder aus und ich kann dabei das z’Morge nur mit einer gewissen Konzentration bei mir behalten. Doch wenigstens haben die alten Frauen ihre helle Freude an uns experimentellen Touristen. Das zweite Dorf ist mehr als Doppelt so gross und wird, da in vielen ReisefĂŒhrern beschrieben, oft von Touristen besucht. Einzig die Bauweise ist interessant, ansonsten sind die Einwohner zu fest an Touris gewohnt. Danach fahren wir zu einer der zahlreichen Hot Springs hier in der Gegend. Die „Badi“ ist voll mit Einheimischen, die hier ihren freien Tag mit der Familie geniessen. Die Hot Springs sind fĂŒr die meisten die einzige Gelegenheit fĂŒr eine warme Dusche. Wir fĂŒhlen uns wie in einem riesigen Dorf-Badezimmer. Wir strecken aus Diskretion nur die Zehen in die warme BrĂŒhe. In der Badi können wir auch noch eine Art Sekte beobachten, die mit ihre Mitglieder in Trance von allem Bösen befreien will. Heute haben wir wirklich eine tolle Brise der hiesigen Kultur abbekommen. Wir sind froh, dass wir einen Guide dabei hatten, der uns alles erklĂ€ren konnten und fĂŒr uns den Übersetzer spielte. Wahrlich ein spannender Tag.

In der SardinenbĂŒchse

Heute steht wieder eine lĂ€ngere Busfahrt vor uns. Wir verlassen Bajawa und fahren rund 170 Kilometer nach Moni. Ist man in Indonesien mit dem Bus unterwegs, muss man gut planen. Man bekommt wĂ€hrend der Fahrt keine Gelegenheit auszutreten und so halten wir uns stets knapp mit GetrĂ€nken und Essen. Heute erwischen wir zudem einen Bus, der auch als Discobus durchgehen wĂŒrde. In Indonesien gibt es definitiv kein Gesetz fĂŒr eine DezibelbeschrĂ€nkung oder Ă€hnliches. WĂ€hrend der ganzen Fahrt dröhnt die Musik in einer höllen LautstĂ€rke durch den Bus. Zudem gibt es in keinem Bus ein Rauchverbot und die meisten MĂ€nner paffen wĂ€hrend der ganzen Fahrt ohne Unterbruch. Doch niemand scheint sich an all dem zu stören und alle sitzen eingequetscht zwischen den vielen FahrgĂ€sten und GepĂ€ckstĂŒcken auf ihrem Platz und warten geduldig bis sie am Ziel ankommen. So auch wir… :-). FĂŒr fast zwei Stunden endet unsere Fahrt ironischer weise in Ende. Wir haben zwei platte Reifen, die nach alter Schule geflickt werden mĂŒssen. Nach sieben Stunden in der SardinenbĂŒchse kommen wir schliesslich in Moni an. Wir finden rasch ein Hotel und spazieren noch ein bisschen durch das Dorf sowie zu einem Wasserfall.

Wir sind sehr erstaunt ĂŒber die grosse Ähnlichkeit, der Leute auf Flores mit den Schwarzen aus Afrika. Die GesichtszĂŒge, die Hautfarbe, die Musik und die Lieder sind durchaus vergleichbar. Was mich ganz besonders freut: ich bin nicht mehr die einzige, die mit „Chruseli“ durch die Gegend lĂ€uft. Sicher die HĂ€lfte der Leute haben ganz viele Locken auf dem Kopf. Wie untypisch fĂŒr Asien!

Busfahren fĂŒr Fortgeschrittene

Um vier Uhr klopft uns unser Minibus-Fahrer aus dem Tiefschlaf. Wir wollen zu den Kraterseen von Kelimutu fahren und dort den Sonnenaufgang geniessen. FrĂŒh am Morgen soll man die besten Chancen auf gutes Wetter bei den drei Seen haben. Die Krater sind fĂŒr ihre unterschiedlichen Farbe bekannt, die sie obwohl nur wenige Meter auseinander liegend, auszeichnen. Das Wetter macht bis auf den eisigen Wind gut mit und wir können den schwarze, dunkelgrĂŒnen und tĂŒrkisblauen See ohne Wolken bestaunen. ZurĂŒck im Dorf mache ich noch einen Rundgang auf dem Wochenmarkt bevor wir den nĂ€chsten Bus nach Maumere nehmen. Durch den ReisefĂŒhrer sind wir bereits vorgewarnt, dass es im Bus eng werden könnte. Da der Bus in Moni nur einen Zwischenhalt auf seinem Weg an die KĂŒste einlegt, sind meist alle PlĂ€tze schon besetzt. TatsĂ€chlich ist der erste Bus mehr als voll. Doch wo findet man immer Platz? Genau, auf dem Dach. Nach kurzem Zögern steigen wir unseren Trampern hinterher und fahren die fast 100 Kilometer nach Maumere auf dem Busdach. Das ist ein Abschluss unserer Reise mit dem Bus durch Flores! Die Einheimischen am Strassenrand können ihren Augen oft kaum trauen, dass tatsĂ€chlich zwei Touris auf einem fahrenden Bus an ihnen vorbei fahren. Je lĂ€nger die Fahrt dauert, desto besser wissen wir bei welchen Zweigen und Ästen wir wie weit ausweichen mĂŒssen und wir wir unsere Hinterteile am besten platzieren. Die wichtigsten Wörter auf Bahasa fĂŒr eine Fahrt auf dem Dach sind: „Awas“ = „Achtung“ sowie „Du duk“ (oder Ă€hnlich) = „Duck dich“. Die Fahrt ist auf jeden Fall Ă€usserst kurzweilig und wir sind ĂŒberrascht wie schnell wir in Maumere eintreffen. Nachdem wir ein Bett gefunden haben, schlendern wir noch ein bisschen durch das StĂ€dtchen, bestĂ€tigen unsere FlĂŒge und loggen uns wieder einmal im World Wide Web ein. Zum GlĂŒck ist bald Abend und damit Zeit zum Schlafen. Der lange Tag hat uns geschafft und wir sind hundemĂŒde.

Das Land der FrĂŒhaufsteher

Indonesien ist das Land der FrĂŒhaufsteher. Nirgendwo sonst sind die Menschen schon so frĂŒh auf den Beinen und gehen ihren tĂ€glichen Aufgaben nach. So wird man immer von irgendetwas frĂŒh geweckt. Heute ĂŒbernehmen diesen Part die Krankenschwestern aus Ostflores, die in unserem Hotel an einer Tagung teilnehmen und ab sechs Uhr munter vor unserem Zimmer anfangen herum zu schnattern. Beim FrĂŒhstĂŒck werden wir von ihnen regelrecht in Beschlag genommen. Wie alle Indonesier wollen auch sie möglichst viel ĂŒber uns wissen. Nur dumm, dass von den lustigen Damen niemand mehr als drei Wörter Englisch kann. Mit vereinten KrĂ€ften bekommen jedoch auch sie auf die Lieblingsfragen aller Indonesier eine Antwort. Die GesprĂ€ch laufen immer nach dem gleichen Muster ab:

What’s your name? My name is Karin. Where are you from? I’m from Switzerland. How old are you? I’m 30 years old. What is your job? I work for Swiss Train. Do you like Indonesia? Yes, I like Indonesia. How long you stay in Indonesia? I stay for four weeks. Are you married? Yes. (Keine Panik, Freude oder was auch immer… in Indonesien sind wir immer verheiratet. Das macht das Reisen hier um einiges einfacher… :-). For how long are you married? Since three years. (Da staunt ihr hĂ€, schon seit drei Jahren. Wir können ja so gut schummeln…) Do you have children? No. (Auf diese Antwort folgt immer ein grosses Ohhhhh. In Indonesien ist niemand verheiratet und hat keine Kinder. Beides gehört hier unzertrennlich zusammen) Where are you going? Jalan, jalan. (Was soviel heisst wie ein bisschen spazieren und damit ist das GesprĂ€ch meist beendet)

Nachdem Odi und ich fotografisch auf allen Handys verewigt sind, treffen die Instruktoren ein und die Tagung kann beginnen. Unser Programm heisst heute „Nichts tun und auf der faulen Haut liegen“. Nur um etwas zu essen, verlassen wir kurz das Hotel. WĂ€hrend Odi sich am Abend in sein Buch vertieft, setze ich mich zu den Einheimischen in die Lobby. Zuerst schaue ich mit einem alten Mann den ganzen Langenscheidt-Bilderduden an und er zeigt mir, was er alles kennt und was nicht. Ich bin erstaunt, dass er Indonesien auf der Weltkarte auf Anhieb findet. Er hingegen ist erstaunt, als ich ihm zeige, wo die Schweiz liegt. Auch eine der Krankenschwestern zeigt sich sehr interessiert und will möglichst viele neue englische Wörter lernen. So schaue ich auch mit ihr den Duden durch und versuche ihr möglichst viele Begriffe auf Englisch beizubringen. Ich bin immer wieder erstaunt, wie kommunikativ und interessiert die Leute hier sind. Im GesprĂ€ch mit einem der Hotelangestellten erfahre ich schliesslich noch einiges ĂŒber die Anstellungsbedingungen in diesem Hotel. Die Crew besteht aus vier Personen und ist wĂ€hrend 24 Stunden pro Tag fĂŒr den Betrieb verantwortlich. Der Lohn eines Angestellten betrĂ€gt pro Monat rund 30 Franken mit Kost und Logie. Nach vier Monaten Arbeit bekommt jeder, sofern es der Betrieb erlaubt, eine Woche Ferien. Zum Vergleich: unsere zwei Übernachtungen hier kosten soviel, wie jeder Angestellte pro Monat verdient und fĂŒr die Busfahrt in seine Heimatstadt und zurĂŒck muss er auch einen ganzen Monatslohn hinblĂ€ttern. Manchmal sollte man nicht zu viel nachdenken… Morgen ist unsere Reise durch Flores vorbei und wir fliegen zurĂŒck in die „Zivilisation“ nach Bali.

Kuta

Obwohl das Check In fĂŒr unseren Flug nach Bali offiziell um sechs Uhr beginnt, ist um noch kein Angestellter am Flughafen anzutreffen. So heisst es warten bis alle zur Arbeit erscheinen und es losgehen kann. Als es dann endlich losgeht, bricht ein mittleres Chaos aus. Wie alle Asiaten haben auch die Indonesier keine „Ansteh-Kultur“. Selbst wenn man in einer Schlange steht, heisst das noch lange nicht, dass einer nach dem Anderen an die Reihe kommt. Selbst wenn es so etwas wie eine Schlange gibt, muss man immer mit vollem Ellbogen-Einsatz fĂŒr seinen Platz kĂ€mpfen. Meist befindet man sich aber in einem unkoordinierten Haufen, in dem schlicht der StĂ€rkere gewinnt. Wir sind einfach zu wenig frech! Zum GlĂŒck haben wir noch einige Monate Zeit, um uns diese spezielle Art noch anzugewöhnen. Bereitet euch schon mal vor, wenn wir wieder in der Schweiz sind, werden wir uns beim Anstehen kaum mehr zu benehmen wissen… :-). Als wir als letzte ins Flugzeug einsteigen, ist unser Platz natĂŒrlich schon besetzt. Und dies obwohl alle mit der Bording Card einen festen Sitzplatz zugeteilt bekommen haben. Was soll’s, auch wir finden noch irgendwo einen freien Platz… Mir als Ex-Flughuhn stehen sowieso fast alle Haare zu Berg. Niemand der Crew scheint sich am GepĂ€ck, das irgendwo zwischen den Sitzreihen steht, zu stören. Auch der Pilot scheint nicht von der besonders vorsichtigen Sorte zu sein. Ansonsten wĂ€ren wir wohl kaum mit einem platten Vorderreifen gestartet. Sowohl in Maumere als auch bei der Zwischenlandung in Sumba beobachten wir mehrere Personen, die mit Machete und Gewehr ausgerĂŒstet praktisch auf dem Rollfeld stehen und ihrer tĂ€glichen Arbeit nachgehen. Typisch Indonesien halt… Trotz allem kommen wir ohne Probleme in Bali an. Mit dem Taxi lassen wir uns nach Kuta, dem Touristenparadies in Bali, fahren. Als wir an der VergnĂŒgungsmeile vorbei fahren, bekommen wir fast einen Kulturschock. Verglichen mit dem sehr einfachen und eher rĂŒckstĂ€ndigen Lebensweise in Flores hat es hier einfach alles, was Otto-Normaltourist sich nur wĂŒnschen kann. Doch bald wissen auch wir den Luxus wieder zu schĂ€tzen und finden zu unserer Freude wieder einmal eine Internetleitung, die einen Upload auf unsere Homepage erlaubt. Am Abend können wir den westlichen Verlockungen nicht widerstehen und kehren im MC Donalds ein. Nach soviel Reis schmecken der fette Hamburger und die Friten einfach zu gut.

Bye bye Indonesia

Am Tag gehört der Strand und das Meer den Surfern. Die Wellen sind hier nicht all zu schlecht, ganz zu schweigen von den Surferboys, die hier in ihren sexy Shorts und dem Surfbrett unter dem Arm durch die Strassen laufen… :-). Mit der Ebbe wird der Strand von Tausenden Nicht-Surfern, sowohl Einheimische als auch Touristen, belagert, die in grossen und kleinen Gruppen zusammen stehen oder ihren Hobbies nachgehen. Nur zum Baden lĂ€dt der Beach nicht wirklich ein. Deshalb verbringen wir den heutigen Tag nicht am Strand, sondern mit Kaffee trinken, Shopping, feinem Essen und im Internet. Wir nutzen praktisch die Gunst der Stunde und lassen uns voll und ganz vom westlichen Leben hier in Kuta berieseln.

Mit dem heutigen Tag ist unsere einmonatige Reise durch Indonesien vorbei. Es hat uns gut gefallen, aber wir sind uns auch einig, dass wir nicht ganz alles vermissen werden. Vor allem von den indonesischen Badezimmer und dem Essen sind wir nach wie vor nicht so sehr angetan. Über das Mandi, die landestypische Dusche, und das Steh-WC haben wir ja schon einiges geschrieben. Dazu kommt, dass ĂŒberall beim BrĂŒnneli gespart wird. Praktisch kein Hotelzimmer hier hat ein BrĂŒnneli. So muss wohl oder ĂŒbel alles ĂŒber dem WC erledigt werden. Zudem ist aus PlatzgrĂŒnden die Dusche oder eben das Mandi immer nur ungefĂ€hr 20 cm neben dem WC platziert. Man kann so nie, ohne nasse FĂŒsse zu bekommen, sein GeschĂ€ft erledigen. Und dann der indonesische Food, der nicht wirklich mit dem bei uns berĂŒhmten asiatischen Food vergleichbar ist. Reis gibt es a gogo und Fleisch ist wirklich Mangelware. Hier werden die MĂ€uler definitiv mit Reis zum z’Morge, Reis zum z’Mittag und Reis zum z’Nacht gestopft. Die Alternative zum Reis sind Nudeln. Oft wird nur in den StrassenkĂŒchen frisch gekocht und somit das Essen heiss serviert. In den meisten Restaurants jedoch wird das Essen, um es haltbar zu machen, vorgekocht und deshalb meist nur lauwarm an den Tisch gebracht. Das vorgekochte Essen wird danach, wie bei uns die Kleider, im Schaufenster ausgestellt. Die Reise durch Indonesien war nicht nur aus diesen GrĂŒnden sehr lehrreich. Hier haben wir wieder einmal gemerkt, wie gut wir es bei uns zu Hause doch haben und wie verwöhnt wir eigentlich sind.

Hier sind die Bilder