Central Java

Short cut zu den Bildern

Very nice Solo

Mit dem Flughafenbus verlassen wir am Morgen Bogor. Obwohl wir gestern Abend noch ein ganz sympathisches Plätzchen zum Essen gefunden haben, sind wir nicht traurig diesen Flecken nach zwei Tagen verlassen zu können. Um den Flug nach Solo nicht zu verpassen, rechnen wir für die Busfahrt nach Jakarta mehr als genug Zeit ein. Zu unserer Überraschung ist der Bus aber über pünktlich und wir kommen sogar noch vor dem Fahrplan am Flughafen an. Es gibt sie also doch, die pünktlichen Verkehrsmittel in Indonesien! Im Flugzeug herrscht ein ähnliches Chaos wie im Bus und es dauert eine ganze Weile bis alle angeschnallt auf ihrem Platz sitzen. Kaum sind wir gelandet, stehen auch schon wieder alle gleichzeitig auf und sammeln ihre sieben Sachen ein. Erstaunt stellen wir fest, dass es für die Taxis hier ein Couponsystem mit Fixpreis gibt. Judihui, kein Verhandeln! Noch erstaunter nehmen wir aber auf der Fahrt in die Stadt zur Kenntnis, dass Solo eine super saubere und hübsche Stadt ist. Wir haben fast das Gefühl nicht mehr in Indonesien zu sein. Vielleicht haben wir auch einfach die hübschen Plätzchen noch nicht gefunden! Gleich nach der Ankunft im Hotel schnappen Odi und ich ein Auto mitsamt Fahrer und lassen uns nach Sangiran bringen. Die Region wurde von der Unesco zum Weltkulturerbe ernannt, da hier sehr viele prähistorische Fossilfunde gemacht wurden. Nadine und Mätthu schenken sich „den Zahn“ und erkunden stattdessen Solo. Das Museum in Sangiran ist sehr klein, aber die vielen Knochen doch ganz interessant… na ja wir tun wenigstens so. Da es in der Zwischenzeit begonnen hat wie aus Kübeln zu giessen, können wir die aktuellen Ausgrabungsorte leider nicht besichtigen. Dafür machen wir noch einen Halt in einem Souvenirshop. Wir trauen unseren Augen nicht, als der Inhaber uns echte Fossilien zum Kauf anbietet. Davon lassen wir lieber die Finger und kaufen uns stattdessen eine Schildkröte aus Stein. In der Stadt gibt es zum z’Nacht Reis und Chicken an einer undefinierbaren Sauce serviert in Bananenblättern sowie Omeletten mit süssem Reis als Dessert. Man könnte praktisch sagen: tiptop!

Die erste SBB-Kundenlenkerin in Indonesien

Nach einem rund dreissig minütigen Marsch erreichen wir den Bahnhof. Das Billet wird hier noch so richtig „old school“-mässig auf ein Karton aufgedruckt. Ganze 80 Rappen kostet die einstündige Fahrt nach Yogyakarta. Wie versprochen, habe ich mich für diese Zugfahrt in die offizielle EM-Kundenlenkeruniform gestürzt: blaues Poloshirt und neongelber Hut, beide mit SBB-Aufdruck. Mätthu ist so nett und stellt sich als orientierungsloser Tourist zur Verfügung und so kann ich wenigstens ihn in den richtigen Zug „lenken“. Nur gut, dass mich hier niemand kennt! Die Züge verkehren hier äusserst pünktlich und es ist weit weniger los als im Bus. Minibar gibt es nur eine, dafür mit einem grossen Angebot, und Musiker steigen auch keine zu. In Yogyakarta, auch Yogya von den Einheimischen genannt, finden wir ein tolles und relativ günstiges Hotel mit Terrasse und europäischem Bad. Da wir drei Nächte hier bleiben, leisten wir uns diesen Luxus. Am Nachmittag erkunden wir zu Fuss die Stadt. Auch hier gefällt es uns sehr gut. Man merkt aber, dass wir nun definitiv die Touristenroute gefunden haben. Dauernd werden wir von jemandem angequatscht, der uns irgendwelche Batikfummel oder eine Ritschka-Fahrt verkaufen will und sich als unser bester Freund ausgibt. Ritschkas gibt es hier wie Sand am Meer. Wir sind uns sicher, dass auf jeden Stadtbewohner mindestens ein solches Velogefährt kommt. Interessant ist auch, dass wir meist sofort als Schweizer erkannt werden. Aus allen Ecken hören wir das bekannteste schweizerische Wort: „Chuchichästli“. Nicht nur die Männer begegnen uns in Indonesien als sehr offen und interessiert. Die Jungs werden heute beim Überqueren einer Strasse doch tatsächlich von zwei Muslimas mit Kopftuch einfach so in den Arm gekniffen. Das Grinsen auf den Gesichtern der beiden Frauen hättet ihr sehen müssen! Da unsere dreckige Wäsche im Hotel von Hand (!) gewaschen wird und dies ein bisschen länger dauert, braucht Mätthu noch ein neues T-Shirt. Als wir einen passenden Shop finden, kommt auch Odi in Shoppinglaune. Die beiden wühlen sich für ein passendes Sujet über zehn Minuten durch einen T-Shirt-Haufen und kaufen schliesslich drei Shirts. Da soll mir noch einer sagen, dass Männer nicht auch gerne in Kleider herum wühlen! Das z’Nacht gibt es auf einer Strohmatte am Boden an der Hauptstrasse. Da wir immer noch nicht besser Bahasa sprechen, bestellen wir was auf der Karte am besten tönt und lassen uns überraschen, was wir vorgesetzt bekommen. Ganz nach dem Motto: „Passt scho“. Bis jetzt hat es noch immer geschmeckt!

Prambanan

Obwohl es laut Reiseführer und Auskunft im Hotel keinen direkten Bus nach Prambanan gibt, finden wir einen öffentlichen Bus, der uns ohne Umweg zu der Tempelanlage bringt. Auch diese Anlage gehört zum Welterbe der Unesco. Bei ca. 40 Grad im Schatten schauen wir uns die 1300 Jahre alten hinduistischen und buddhistischen Tempel an. Da bei einem starken Erdbeben im Jahr 2006 ein grosser Teil stark beschädigt wurde, ist zur Zeit vieles mit Gerüsten überstellt und nicht zugänglich. Prambanan hat den Weltkulturerbestatus eindeutig verdient, steht aber in keinem Vergleich zu Angkor Wat. Dafür hat es hier fast keine Touristen und mühsame Verkäufer. Unterwegs dürfen Nadine und ich mit Einheimischen für ein Foto posieren. Wir sind hier einfach überall eine Attraktion! Das wird eine Umstellung, wenn uns in der Schweiz kein Schwein mehr winkt und zu lächelt… Kaum haben wir unseren Rundgang abgeschlossen, fängt es an zu Regnen. Nass steigen wir in den viel zu stark klimatisierten Bus. Brrrr… hoffentlich gibt das keine Eiszapfen an der Nase. Zurück in Yogyakarta werden wir von einer Horde Unistudentinnen belagert. Die Studis sind hier in einer Projektwoche, in der sie ihr Englisch so oft wie möglich mit Touris üben müssen. Geduldig lassen wir uns von ihnen interviewen, filmen und fotografieren. Die strahlenden Gesichter zeigen uns, dass wir ihnen eine grosse Freude machen.

Boroburdur

Heute steht das vierte und letzte Unesco Welterbe auf Java, die buddhistische Tempelanlage von Boroburdur, auf dem Programm. Wir sind nun schon so geübt im ÖV fahren, dass wir die Anlage trotz zweimal umsteigen ohne Probleme finden. Der Tempel ist fantastisch! Wir nähern uns im Uhrzeigersinn Stockwerk für Stockwerk dem „Nirvana“ und bewundern unterwegs all die Bildhauereien und Buddhas. Oben angekommen, können wir uns beim Berühren eines Buddhas etwas wünschen. Nach einem kurzen Abstecher zum Candi Pawon, einem sehr sehr (wirklich sehr sehr) kleinen Tempel in der Nähe, suchen wir wieder einen Bus zur Rückfahrt. Was für ein Zufall, wir landen wieder im genau gleichen Bus wie auf der Hinfahrt. Vor allem die Buscrew freut dies ganz offensichtlich sehr. Zum z’Nacht müssen wir gerade in zwei Beizen einkehren. Das undefinierbare Süppli in der ersten Strassenküche reicht nicht ganz aus, um unsere hungrigen Magen zu füllen. Ein paar Meter weiter erhalten wir praktisch zur Hauptspeise noch ein paar gebratene Nudeln und Reis. Da sich unsere Magen nun doch schon einiges gewohnt sind, versuchen wir heute auch einmal ein eisgekühltes einheimisches Getränk, vergleichbar mit Sirup bei uns. Mal schauen, wie die Sache von unserem Darm so aufgenommen wird… Das ganze z’Nacht hat übrigens für alle vier ganze vier Franken gekostet. Was für ein Wucherpreis :-).

Hier sind noch die Bilder

2 thoughts on “Central Java

  1. Nadine Baumer

    Ihr Lieben-welcome back in der Welt von Internet. Man glaubt es kaum, im Zara gibt es tatsächlich Mätthus “Mondforscher” T-Shirt zu kaufen. Einfach etwas teurer als in Yogi. Kaum zu glauben, wer kauft sowas??
    Liebe Gruess, Nadine

  2. Karin Fankhauser Post author

    Danke, danke! Wow, wir haben tatsächlich wieder Internet! Odi geht es seither bedeutend besser… :-).

    Danke für das MMS. Wir haben uns fast krumm gelacht, als wir das T-Shirt. Wir müssen schon sagen, Mätthu du bist ein richtiger Trendsetter und pickst einfach aus einem riesigen Wühlhaufen im fernen Indonesien die Mode, die diesen Sommer in den Zara kommt! Hut ab…

    Greets

    Karin & Odi

    Ps: Odis T-Shirt hatte es wohl nicht, oder?

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