Archive for June, 2008

Manila

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Willkommen auf den Philippinen

Mitten in der Nacht – genauer gesagt um 3.30 Uhr – holt uns der Wecker aus dem Bett. Zu unserem Erstaunen wartet das reservierte Taxi bereits vor dem Hotel und wir erwischen sogar den früheren Flughafenbus. Da wir beide noch viel zu müde sind, fällt der Abschied von K.L. kurz und schmerzlos aus. Nach drei Stunden Flug landen wir in Clark, dem Flughafen der Billigairlines in der Nähe von Manila. Mit dem Bus nehmen wir die letzten 100 Kilometer in Angriff. Unser erster Eindruck von Manila: eine amerikanische Stadt mit einem lateinamerikanischem Einschlag mitten in Asien. Wir sind uns also nicht ganz sicher, ob sich der Pilot nicht verflogen hat… In einem Hostel für Backpacker beziehen wir unser Quartier für die nächsten drei Nächte. Die kurze Nacht und die lange Reise hat uns doch etwas geschafft. Wir beschränken unsere erste Entdeckungstour auf die umliegenden 300 Meter und landen schliesslich in einem riesigen Shoppingcenter. Warum wir uns wie in Amerika fühlen? Zum z’Nacht können wir wählen zwischen McDonald’s, Burger King, Wendy’s, Pizza Hut, T.G.I. Friday’s, KFC, Domino’s Pizza sowie einer undefinierbaren Anzahl von einheimischen Fastfood-Ketten. Wer hätte gedacht, dass es hier praktisch nur Fastfood zum Essen gibt! Aus Nostalgiegründen entscheiden wir uns schliesslich für Wendy’s. Eine kleine geschichtliche Anmerkung: die Philippinen waren zwischen 1898 und 1941 von den Amis besetzt. Den restlichen Abend verbringen wir bei einheimischem Bier und netten Travellerstories auf der gemütlichen Terrasse des Guesthouses.

Grossstadtdschungel Manila

Trotz des Stadtlärms erwachen wir heute erst gegen Mittag. Zu Fuss machen wir uns auf zum Sightseeing in der Millionenstadt Manila. Das Strassenbild wird vor allem von den farbenfrohen Jeepney’s geprägt. Diese Mischung zwischen einem Jeep und einem Bus ist hier das günstigste Transportmittel und dementsprechend beliebt. Sie sind fast immer bis auf den letzten Platz gefüllt. Neben normalen Taxi’s und einigen PW’s fahren zudem eine ganze Menge Motorräder und Velos mit Seitenwagen durch die Strassen. Auch die Philippinos haben ihren Nationalheld. José Rizal hat bis zu seiner Hinrichtung im Jahre 1896 für die Unabhängigkeit von Spanien gekämpft. Im Rizal Park wird seine Person heute in verschiedenster Form gewürdigt. Den spanischen Einschlag entdecken wir vor allem in der Altstadt, bekannt als Intramuros. Hier gibt es eine Menge Bauten aus der spanischen Kolonialzeit. Aus dieser Epoche ist auch der in der Bevölkerung immer noch sehr stark verankerte katholische Glauben geblieben. Überall finden wir Kathedralen. Dabei ist die San Augustin Kirche für uns die interessanteste, da diese zusammen mit drei weiteren in der Umgebung zu den von der Unesco ernannten Barockkirchen zählt. Dass es wirklich einige Kathedralen in der Stadt hat, beweist die Tatsache, dass wir zuerst die falsche bestaunt und wie wild fotografiert haben… Nachdem wir auch das Fort Santiago und das Casa Manila besichtigt haben, suchen wir nur noch eines: einen Jollibee. Schliesslich wollen wir wissen, ob die philippinische Variante vom McDonald’s wirklich etwas taugt. Aufmerksame Leser ahnen richtig, dass wir im Moment eine kleine „Wir haben genug Reis“-Phase durchmachen und deshalb ganz wild auf jeglichen Junkfood sind. Die Stadt scheint übrigens nicht ganz ungefährlich.

Shop in Manila

Die Shops auf den Strassen sind alle vergittert, vor jedem Hotel und teilweise auch vor den Restaurants steht Sicherheitspersonal mit scharfer Munition, beim Eingang in die Shoppingmall wird jeder kontrolliert und die Einheimischen tragen ihre Rucksäcke stets auf der Vorderseite, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Wir nehmen diese Warnsignale dankbar zur Kenntnis und passen noch mehr als sonst auf unsere sieben Sachen auf.

Chinatown

Wie praktisch in jeder grösseren Stadt gibt es auch in Manila ein Chinatown. Und wie fast überall zählt dieses Viertel auch hier zu den Sehenswürdigkeiten. Via Intramuros schlendern wir zu Fuss bei den Chinesen durch die Strassen. Zum z’Mittag schaffen wir es tatsächlich die vielen Fastfood-Läden zu ignorieren und kehren statt dessen in einer chinesischen Beiz ein. Während ich mit meinen Dim Sum nochmals dem Reis entkommen, gönnt sich Odi wieder einmal eine Portion davon. Auch im Chinatown gibt es zahlreiche katholische Kirchen. Die Menschen hier sind wirklich sehr gläubig. Jeden Tag werden in jeder Kathedrale mehrere Messen gehalten. Mit der Metro fahren wir zurück zu unserem Hostel. Auf dem Bahnsteig gibt es tatsächlich eine Zone, in der nur die Frauen warten dürfen. In keiner Stadt haben wir bis jetzt auf unserer Reise ein so krasses Gefälle zwischen arm und reich gesehen. In Manila gibt es unglaublich viele extrem arme Familien, die weniger als nichts zum täglichen Leben haben. Sie wohnen im Park, auf Baustellen, in halbfertigen Häusern, am Strassenrand oder einfach auf dem Trottoir. Wir werden vor allem von Kindern oft um ein paar Peso gebeten. Zum Teil klammern sich die Kleinen richtiggehend an unserem Arm fest und lassen uns fast nicht mehr los. Ein weiteres Problem ist die Prostitution. Viele westliche Touristen nutzen die Armut der untersten Bevölkerungsschicht gnadenlos aus und verbringen hier ihre Ferien mit allen möglichen Extras. Nach dem Grossstadt Dschungel Manila freuen wir uns nun auf das Robinson Cruso Leben auf der 72 Hektar grossen Insel Apo Island. Let’s go diving!

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Bye Bye Homebase

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No!

Nach den letzten 24 Stunden im Vietnam können wir ein bisschen nachvollziehen, warum diese Reisedestination nicht von allen Travellern bedingungslos geliebt wird. Beim Auschecken im Hotel, hat der Kurs über Nacht einmal mehr um ganze 9 % zu unserem Nachteil geändert. Da in vielen asiatischen Ländern die Preise für Hotels und Ausflüge in US Dollar angegeben werden, können mit diesen Spielchen ohne grossen Aufwand ein paar zusätzliche Franken verdient werden. Auf den am Vortag gebuchten Bus warten wir geschlagene 50 Minuten. In weiser Voraussicht haben wir zum Glück mehr als genug Zeit für die Fahrt an den Flughafen eingerechnet… Als dann endlich ein Taxi statt ein Bus eintrifft, sind wir berechtigterweise skeptisch, ob wir für diese Fahrt effektiv nur den Buspreis bezahlen müssen. Und siehe da, der Taxichauffeur versucht tatsächlich uns die für jedes Fahrzeug zu bezahlende Flughafengebühr ab zuknöpfen. Doch das Duo Odermatt-Fankhauser antwortet von der Rückbank im Chor mit einem unwiderruflichen „No“. Obwohl die letzten Stunden uns gezeigt haben, dass man es auch anders haben kann im Vietnam, finden wir das Land immer noch absolut spitze und unbedingt eine Reise wert. Mit Air Asia fliegen wir von Hue via Saigon ein letztes Mal in unsere asiatische Heimat Kuala Lumpur. Ihr werdet es kaum glauben, aber wir haben geplant, dass wir in den verbleibenden fünf Monaten tatsächlich nicht wieder hier zwischenlanden werden. An dieser Stelle soll der Zöllner zitiert werden, der Odi bei der Einreise fragt: „How long do you stay this time?“ :-)

Kabelbinder

Wie immer sind die Tage in Kuala Lumpur der Erholung und dem Erledigen von einigen Sachen gewidmet. Doch heute machen wir tatsächlich auch noch ein bisschen Sightseeing. Fünf Jahre nach der ersten Besichtigung schauen wir uns wieder einmal den Kolonialdistrikt an. Als Belohnung für den langen Fussmarsch gibt es im Inderviertel anschliessend für 2.30 Franken super feines Roti mit Chicken. Danach geht die Suche nach Kabelbindern los. Bis dato haben wir unsere Tramper nie abgeschlossen. Doch ein paar nette Stories in Internetforen warnen uns, dass dies auf den Philippinen schlicht fahrlässig sei. Da wir unser Glück nicht unnötig herausfordern wollen, sollen Kabelbinder uns vor solchen Gepäckdurchwühlungen schützen. Nach unzähligen Shops mit unzähligen erfolglosen Erklärungsversuchen werden wir schliesslich doch noch fündig. Nachdem wir auch noch unseren Vorrat an Immodium und der chinesischen Art von Bioflorin aufgestockt haben, sind wir definitiv parat für die Philippinen.

Ein ganz normaler Tag in K.L., Volume 1

Ausschlafen, ein bisschen im Internet surfen, mit dem Skytrain ins Times Square fahren, den geplanten Kinobesuch auf morgen verschieben, im BB Plaza ein paar Dollares wechseln und ein paar Rolinge sowie neue Taschenlampen kaufen, ein Bierchen geniessen, einen feinen Stingray verschlingen, mit der Heimat skypen, sich den süssen Träumen widmen… ein ganz normaler Odi- und Karin-Tag in K.L.!

Ein ganz normaler Tag in K.L., Volume 2

Ausschlafen, ein paar Foto-Backups braten, die stinkenden Kleider waschen, das Päckli zum Versand fertig machen, ins KLCC fahren, das Päckli auf die lange Reise schicken, im Kino die Abenteuer von Indiana Jones bestaunen, wieder einmal einen Hamburger und ein paar Friten geniessen, ein Taxi für morgen früh um 4 Uhr bestellen, ein paar Stunden schlafen… halt nochmals ein ganz normaler Odi- und Karin-Tag in K.L.!

Wer den zweiten Beitrag aus dem Vietnam noch nicht gesehen hat, findet diesen gleich hier unten dran!

Hier sind noch die Bilder


Gallery online

Weitere Bilder vom Süden des Vietnams sind in der Galerie unter http://www.fotozelle.ch ersichtlich.


Central Vietnam

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Nachtbus

Nach einem Tag faul auf der Haut liegen und nichts tun, besteigen wir gegen Abend den Nachtbus nach Hoi An. Eigentlich haben wir uns vorgenommen aus Sicherheits- und Bequemlichkeitsgründen nie in der Nacht mit einem Bus zu reisen. Na ja, da es aber aus dieser Stadt keine andere Verbindungen gibt, bleibt uns wohl oder übel nichts anderes übrig. Wenigstens brauchen wir uns bei dieser Busgesellschaft keine Sorgen um die Sicherheit zu machen. Der Bus gehört einem Carunternehmen, dass sich auf den Transport von Touristen spezialisiert hat und neben dem Fahrer auch immer einen Aufpasser mitschickt. Bleibt nur die Bequemlichkeit, die wir definitiv nicht finden. Zwar können wir praktisch liegen und uns fast ganz ausstrecken, doch die Breite lässt eine Menge Kontakt mit Odi auf der einen und meinem chilenischen Nachbarn auf der anderen Seite zu. Und so schlafen wir zu fünft wie Hühner auf dem Stängeli in der hintersten Reihe. Als wir endlich einnicken, fahren wir wohl prompt über die längste Baustelle Vietnams. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie fest und vor allem wie lange wir so richtig durchgeschüttelt werden. Dies ist wohl auch der Grund, warum wir trotz praktisch leeren Strassen für die 511 Kilometer zwölf Stunden brauchen. Ziemlich müde und geschafft kommen wir am nächsten Morgen in Hoi An an. Wir haben Glück und finden ein Hotel, das uns trotz der frühen Morgenstunde bereits ein Zimmer überlässt. Trotz der kurzen Nacht sind wir sogar noch fit genug, das Zimmer um 10 Dollar (immerhin ca. 40%) pro Nacht herunter zu feilschen. In Asien kann man praktisch alles mit ein bisschen diskutieren für ein paar Dollar weniger haben…

Hoi An

Nach zwei Stunden Schlaf und einer Dusche sind wir ready für das nächste Unesco Weltkulturerbe: die Altstadt von Hoi An. Obwohl das Städtchen zur Zeit eine einzige grosse Baustelle ist, spüren wir sofort den unvergleichlichen Charme, den dieser Ort ausstrahlt. Der einzige Malus: trotz erschwerten baulichen Bedingungen und engen Gassen gehören auch hier die Roller – selbstverständlich inklusive pausenlosem Gehupe – zum Strassenbild. Wie alle Touristen erstehen auch wir ein so genanntes Altstadt-Ticket, mit dem man fünf ausgewählte Lokalitäten näher besichtigen kann. Die Bauten sind zum Teil seit über zehn Generationen im Besitz der gleichen Familie und werden mit viel Stolz den zahlreichen Touristen gezeigt. In Hoi An wird uns einmal mehr eindrücklich vorgeführt, wie begabt die Vietnamesen sind. Neben allerhand super schönen von Hand gefertigten Souvenirs ist der Ort vor allem für seine massgeschneiderten Kleider bekannt. Hier gibt es wirklich nichts, was die fleissigen Vietnamesen nicht innerhalb von kürzester Zeit in guter Qualität nach schneidern könnten. Da die Temperaturen heute selbst für uns zu hoch sind, fliehen wir nach vier Stunden durch die Gassen schlendern wieder in das klimatisierte Hotelzimmer. Wir nutzen die „heisse“ Zeit und lernen ganz vorbildlich für unseren Rescue Diver Kurs, den wir in wenigen Tagen auf den Philippinen beginnen werden. Erst nachdem die grösste Hitze vorbei ist, verschlägt es uns nochmals für ein paar lokale Spezialitäten in die wunderschöne Altstadt.

My Son

Im Zentrum von Vietnam sind die von der Unesco zum Weltkulturerbe ernannten Stätten praktisch in gehäufter Form zu finden. Neben Hoi An gibt es in der unmittelbaren Umgebung noch zwei weitere kulturelle Höhepunkte zu besichtigen. My Son, das intellektuelle und religiöse Zentrum der hiesigen Champa-Kultur, steht heute auf dem Programm. Da wir den Massentourismus am Morgen meiden wollen, mieten wir uns am Nachmittag einen eigenen Fahrer. Unsere Strategie geht voll auf und wir haben praktisch die ganze Anlage bei tollen Lichtverhältnissen für uns alleine. Auf der Rückfahrt geniessen wir einmal mehr die Sicht auf die satten und grünen Reisfelder. Im Unterschied zum Norden werden die Vorfahren im Süden und im Zentrum oft inmitten den Reisfelder begraben. Dank diesen Gräbern weiss schliesslich jeder, wem das entsprechende Land gehört. Besitzt die Familie des Verstorbenen nicht genug Geld, wird der Leichnam statt eingemauert einfach unter einem grossen Sandhaufen begraben. Beim z’Nacht in einer Strassenküche bringt uns ein alter Mann zum Schmunzeln. Im Pyjama sitzt er auf einem Plastikstuhl und geniesst seinen Schlummertrunk. Auch dies ist hier überhaupt nichts aussergewöhnliches und am Abend versammelt sich oft das halbe Dorf zur „Pyjama-Party“ in den Strassen.

You buy something, you

Da es noch eine ganze Menge andere Häuser, Tempel, Versammlungshallen und Museen zum Anschauen gibt, kaufen wir uns am Morgen nochmals ein Altstadt-Ticket. Zu unserer Überraschung gibt es die Altstadt auch in der Ausgabe ohne Roller. Von Zeit zu Zeit wird tatsächlich ein Rollerverbot erlassen, so dass heute nur noch Zweiräder ohne stinkenden Motor um uns herum kurven. Eine wahre Wohltat! Der meist gehörte Satz in Hoi An ist übrigens: „You buy something, you“. Wir finden es immer wieder lustig, wie wir in der Befehlsform zum Kaufen animiert werden sollen. Nach dem z’Mittag müssen wir uns sputen, dass wir es rechtzeitig ins Hotel schaffen. Zur Abwechslung ist es mein Magen, der vor ein paar Tagen etwas abbekommen hat, das ihm gar nicht bekommt. Und so verbringen wir den Nachmittag wohl oder übel im Zimmer in der Nähe der Toilette. Doch zum Glück gibt es Immodium und Bioflorin (Hilfe, unser Vorrat neigt sich langsam aber sicher dem Ende entgegen…) und wir können am Abend nochmals auf die Pirsch. Heute drücken wir zum ersten Mal ein paar Cents für ein Foto ab.

Old Man in Hoi An, Vietnam

Wir müssen den alten Mann einfach fotografieren, da die Stimmung und das Licht so perfekt sind!

Bereits zweimal bin ich in den letzten zwei Wochen Opfer von Umarmungsattacken geworden. Ohne Vorwarnung suchen wildfremde Mädels im Teeniealter den Kontakt zu mir und lassen mich fast nicht mehr los. Zum Glück können die Girls unterscheiden, dass sie dies zu ihrem persönlichen Schutz nur bei weiblichen Touristen machen.

Privates Pissoir

Mit dem Bus verlassen wir am Morgen Hoi An. Man muss sich wirklich keine Sorgen machen, wenn man hier die Abfahrt verpasst. Nach einigen Minuten Fahrt halten wir am Strassenrand an und warten auf den letzten Fahrgast, der mit dem Roller zum Bus gebracht wird. Das nennen wir Service… Obwohl das Busunternehmen kommuniziert, dass unterwegs bei den interessanten Sehenswürdigkeiten immer ein Halt eingelegt wird, sind wir bis dato ohne solche Unterbrüche von A nach B gefahren. Doch heute stoppen wir tatsächlich bei den Marbles Mountains und kommen so ohne grossen Aufwand in den Genuss diese natürlichen Höhlen besichtigen zu können. In Danang steigen mangels Highlights die wenigsten Reisenden aus. Da wir die letzte Teilstrecke unserer Vietnamreise im Zug befahren wollen – in diesem Kaff gibt es einen Bahnhof – gehören wir zu dieser Minderheit (wir sind die einzigen). Im Hotelzimmer kann es Odi kaum glauben, dass im Badezimmer ein Pissoir eingebaut ist. Das haben wir nun wirklich in keinem Hotel weltweit je angetroffen. Voller Freude über sein ganz privates Pissoir probiert er dieses selbstverständlich sofort aus. Nur dumm, dass alles was man oben hinein lässt unten gleich wieder zum Siffon heraus tropft. Das war’s dann, mit der exklusiven „Pisseria“! Auf dem Stadtrundgang landen in einem Tempel der Cao Dai-Religion. Weltweit gehören nur rund 2’000’000 Millionen Menschen dieser Glaubensrichtung an, die ihren Ursprung im Vietnam hat. Ein Anhänger erklärt uns alles Wissenswerte und wir werden den Verdacht nicht ganz los, dass es sich hierbei um eine sektenähnliche Gruppierung handelt. Unsere persönliche Erleuchtung finden wir heute bei der billigsten Nudelsuppe der gesamten Reise: 60 Rappen!

Vergitterte Zugsfenster

Damit wir bei unserem zweiten Aufenthalt im Vietnam nicht ausschliesslich mit dem Bus unterwegs sind, haben wir uns für die letzte Teilstrecke den Zug als Transportmittel ausgesucht. Dabei soll der Küstenabschnitt zwischen Danang und Hué landschaftlich besonders reizvoll sein. Beim Warten am Bahnhof lernen wir die Einstellung der Vietnamesen zu richtig fetten Touristen kennen. Die überflüssigen Kilos stossen auf Unverständnis und ernten viel Kopfschütteln. Die WC-Frau macht sich sogar laut über die Fettpolster einer Touristin lustig. Pünktlich trifft unser Zug in Danang ein. Doch bevor wir einsteigen können, muss zuerst unser Wagen angehängt werden. Dies passiert hier ohne abbremsen und ohne jegliche Distanzangaben. Voller Wucht fährt der Lokführer in den stehenden Zug. Immerhin kennen sie die Bremsprobe… Als wir endlich einsteigen können, beginnt das übliche asiatische Chaos. Von allen Seiten drängen sich die Passagiere durch den Gang und quetschen sich auf der Suche nach dem richtigen Platz aneinander vorbei. Wir bleiben mitten drin stehen und warten lachend bis etwas Ruhe eingekehrt ist. Leider können wir die Aussicht auf die Küste nicht wie gewünscht geniessen. Um die Fahrgäste vor Wurfgegenständen zu schützen, sind die Fenster vergittert. Wir sind froh, dass wir einen reservierten Platz haben und die Klimaanlage für die willkommene Abkühlung sorgt. Beim Aussteigen wird jede Türe von einem Angestellten geöffnet. Die Wagen sind viel zu alt, als dass dies die Passagiere selber tun könnten. In Hué angekommen, kämpfen wir uns an den zahlreichen Hotelschleppern vorbei und machen uns zu Fuss auf die Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Wenn wir gewusst hätten, wie weit wir in dieser Hitze marschieren müssen, hätten wir uns wohl dieses eine Mal von einem Schlepper überzeugen lassen. Für den Rest des Abend bin vor allem ich ziemlich erledigt.

Hué

Hué ist das dritte Unesco Weltkulturerbe in der Region und steht heute auf unserem Programm. Leider ist die Zitadelle eine echte Enttäuschung. Überall und nirgends wird planlos ein bisschen restauriert und wir fragen uns, wann die Damen und Herren der Unesco wohl zum letzten Mal in der Stadt waren. Im einzigen modernen Einkaufszentrum, das erst vor einer Woche eröffnet wurde, beobachten wir die Vietnamesen beim fahren auf der geheimnisvollen Rolltreppe. Für viele scheint dies die erste Fahrt zu sein und wir können uns das Grinsen nur knapp verkneifen. Am Abend haben wir uns mit einem crazy Aussie verabredet. Wie verrückt er wirklich ist, zeigt Mat uns sofort, hat er doch ein z’Nacht auf dem Land organisiert. Obwohl Schlangenfleisch für uns bekanntlich nichts neues ist, freuen wir uns über die Überraschung. Erst beim zweiten Restaurant finden wir ein Tier. Da das Teil recht schwer ist, ist auch der Preis an der oberen Grenze. Trotzdem lassen wir uns auf das Abenteuer ein und erleben so nochmals, wie das Prachtexemplar vor unseren Augen geschlachtet und seziert wird. Das Herz überlassen wir dieses Mal Mat. Leider wird die Schlange mit samt den Knochen zubereitet und ist deshalb nicht ganz so lecker wie beim letzten Mal. Trotzdem war es wieder ein einmaliges und unvergleichliches Erlebnis.

Als wir auf unsere Schlangenguides warten, treffen wir übrigens tatsächlich Glenn und Hay, unsere beiden Guides von der Töfftour durch den Norden Vietnams. Was für ein Zufall! Da die beiden auch noch morgen in der Stadt sind, verabreden wir uns für den morgigen Abend mit ihnen.

DMZ

Nach einer zu kurzen Nacht finden wir uns früh am Morgen in einem Bus wieder. Heute geht es in die DMZ, die ehemals entmilitarisierte Zone zwischen Nord- und Südvietnam. Ironischer weise haben hier im Vietnamkrieg die heftigsten Kämpfe statt gefunden. Wir besuchen viele dieser historischen Orte – unter anderem den legendären Ho Chi Minh-Pfad, ein unterirdisches Dorf sowie einige Schlachtfelder. Die Gegend ist teilweise heute noch vermint und als Souvenir werden Erkennungsmarken der verstorbenen Soldaten verkauft. Unsere halbe Reisegruppe besteht aus Amis und wir stellen fest, dass dieser Krieg auch über dreissig Jahre nach Kriegsende immer noch ein grosses Thema ist. Eindrücklich sind vor allem die Zeilen der Veteranen in den Gästebüchern, die Jahre später wieder an diesen Ort zurück gekehrt sind. Leider können wir nur die in englisch verfassten Gedanken lesen. Nach einem langen Tag im Bus warten wir zurück in Hué vergebens auf Glen und Mat. Irgendwie scheinen sich heute alle verspätet zu haben… Schlussendlich essen wir zusammen mit Mat beim Inder um die Ecke und müssen das Bier mit Glenn sausen lassen. Als er sich endlich meldet, sind wir schon im Bett und erholen uns vom doch recht langen Tag.

Nicht mit uns!

An unserem letzten Tag im Vietnam, mieten wir einen Roller und fahren aufs Land. In der Umgebung gibt es einige prunkvolle Königsgräber zu bewundern. Ohne Karte und grosse Umwege finden wir die Stätten auf Anhieb. Wir sind froh, dass diese Orte doch um einiges schöner sind als die Zitadelle in der Stadt. Als wir beim zweiten Grab die Eintrittstickets kaufen, versuchen zwei Frauen uns so richtig übers Ohr zu hauen. In ein nettes Gespräch verwickelt, verlangen sie zum Bezahlen kleinere Noten und lassen die grossen Noten in der Schublade verschwinden. Pech gehabt Mädels, wir sind zwar blöd, aber ganz auf jeden Scheiss fallen wir nach sieben Monaten reisen nun auch nicht mehr herein… Wir stellen die beiden zur Rede und beharren darauf, dass sie uns das Geld wieder zurück geben. Zurück im Hotel werden wir für den neuen Hotelprospekt als Fotomodell missbraucht. Na ja, wir sind uns nicht ganz sicher, ob sie mit uns verschwitzten und staubigen Touristen das Geschäft ankurbeln können. Zum letzten z’Nacht gibt es Fondue Chinoise mit Fisch und Beef à la Vietnam. Pretty good – nur die feinen „Sösseli“ fehlen.

Zum Abschluss unseres Aufenthaltes noch eine kleine Sprachanalyse zu den komischen vietnameschen Lauten:
Die vietnamesische Sprache ist ein richtiger Zungenbrecher. Die Laute sind so konzipiert, dass man auch im grössten Lärm und über mehrere Köpfe immer lauthals und trotzdem verständlich miteinander kommunizieren kann. Manchmal fühlt man sich als Tourist unweigerlich wie in einem Stall voller gackernder Hühner. Die Leute können sich auch ohne Probleme mit vollem Mund unterhalten und verstehen sie sich klar und deutlich. Was daran wahr ist wissen wir nicht wirklich. ;-)

Hier sind die Bilder


South Vietnam

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Ho Chi Minh City

Heute lassen wir K.L. wieder einmal hinter uns und fliegen nach Ho Chi Minh City. In den nächsten zwei Wochen steht der Süden und die Mitte Vietnams auf dem Programm. Wir sind sehr gespannt, was uns alles erwartet, denn wir haben über diese Region nicht nur Gutes gehört. Bereits bei unserer Ankunft werden wir aber positiv überrascht. Ho Chi Minh City scheint auf den ersten Blick trotz allen Warnungen äusserst sympathisch. Als dann auch noch unser gebuchtes Hotel spitze ist (inkl. gratis WIFI im Zimmer… vor allem für Odi eine grosse Freude) und wir die erste super feine Nudelsuppe verdrücken, sind wir überzeugt, dass es eigentlich kaum mehr besser werden kann.

Saigon

Um Verwirrungen mit den Namen Ho Chi Minh City und Saigon gleich von Anfang an vorzubeugen, hier des Rätsels Lösung: Ho Chi Minh City ist der offizielle Name, den die Stadt von der Regierung nach der Wiedervereinigung mit dem Norden erhalten hat. Saigon hingegen hiess die Stadt bis zu diesem Zeitpunkt und wird sie auch heute noch von allen ausser den Offiziellen aus der Hauptstadt Hanoi genannt.

Wie auch immer die Stadt von wem nun effektiv genannt wird, wir schauen sie uns heute auf jeden Fall an. Unser erster Eindruck von gestern bestätigt sich. Saigon ist und bleibt sympathisch. Die Stadt ist modern, die Strassen sind sauber, die Leute unaufdringlich, der Verkehr chaotisch, der Markt farbenfroh und die Tempel eindrücklich. Auf unserem Rundgang besuchen wir auch das Kriegsmuseum und den Unabhängigkeitspalast. Der Palast kommt mit den vielen Empfangshallen, schönen Stühlen und runden Tischen eher nüchtern daher. Auch heute werden in ihm noch Staatsgäste aus aller Welt empfangen. Einzig die Kellergewölbe, von wo aus so mancher Widerstand und Krieg koordiniert wurden, vermögen unser Interesse ein wenig zu wecken. Im Kriegsmuseum suchen wir leider vergebens nach irgendwelcher Nüchternheit. Gnadenlos werden hier die Schrecken des Vietnamkrieg und seine Folgen unzensiert auf Fotos gezeigt. Besonders erschreckend sind die Bilder von all den Kindern, die wegen „Agent Orange“ – einer Chemikalie zum Entlauben von Bäumen – mit unglaublichen Missbildungen auf die Welt kamen. Leider gibt es in gewissen Regionen Vietnams auch heute noch solche Fälle. Die Bilder werden nur noch von zwei missgebildeten Embrios übertroffen, die in einem Glas eingelegt, dem Besucher präsentiert werden. Da unsere Füsse nun doch langsam etwas weh tun, lassen wir uns von einem Töfftaxi zurück zum Hotel bringen. Zum z’Nacht gönnen wir uns die obligate Nudelsuppe und ein Bier beim alten Müeti um die Ecke (zwei Nudelsuppen und zwei Flaschen Bier für CHF 3.20). Der einzige Mackel an Saigon: die Bia Hoi-Stände wie in Hanoi fehlen!

Hier noch eine nette Fahrt durch Saigon.

Mekong Delta

Für den ungeheuren Preis von neun Dollar pro Person machen wir heute einen geführten Ausflug in das Mekong Delta. Wie nicht anders zu erwarten, sind wir zu diesem Spottpreis nicht ganz alleine unterwegs. Zu unserer Überraschung wird das Ganze jedoch recht angenehm und wir bekommen – wenn auch auf recht kommerzielle Art und Weise – so einiges vom Alltag der lokalen Bevölkerung mit. Und so stehen der Besuch einer Cocos-Candy-Factory, das Zuschauen bei einem Hahnenkampf, das Probieren von lokalen Früchten, das Trinken des berühmten Honigtees, das Fahren mit einer Kutsche sowie das Gondeln in einem kleinen Kahn durch die schmalen Kanäle des Mekongs auf dem Programm. Bei einem der vielen Stopps wird uns auch eine Python ready zum Knuddeln vorgeführt. Odi lässt sich selbstverständlich nicht zweimal bitten und lässt sich das Teil sofort um den Hals legen. Meine Wenigkeit leidet ja bekanntlich an einer kleineren Schlangenphobie und verzichtet dankend. Trotzdem nutze ich die sich mir hier bietende Gelegenheit so gut als möglich, wage mich so nahe wie noch nie an eine Schlange und berühre tatsächlich das Tier. Wer mich kennt weiss, das dies an ein kleineres Wunder grenzt! Zurück in Saigon warten auch wir (also vor allem ich…) gespannt auf den Anpfiff der EM 2008. Wir (also wieder vor allem eher ich…) fiebern in einer Bar mit der Schweizer Nati mit und bekommen trotz mehrmaligen Stromausfall alle Schlüsselszenen live mit. Die räumliche Distanz zur EM zeigt spätestens nach 90 Minuten ihr positives: die Enttäuschung über die Niederlage ist bedeutend schneller weg. HOPP SCHWIIZ!!!

Cu Chi Tunnels

Auch heute lassen wir wieder einen Haufen Dollars – ganze fünf an der Zahl – liegen und machen eine Tour zu den Cu Chi Tunnels. Auf über 250 Kilometer erstreckt sich hier unter der Erde ein dreistöckiges Tunnelsystem, das den vietnamesischen Guerillas in zwei Kriegen Schutz geboten hat. Mit einfachen Mitteln getarnt, wurden die Eingänge für die Feinde unkenntlich gemacht. Falls trotzdem ein Eingang entdeckt wurde, halfen äusserst effektive und brutale Fallen den Gegner auf Distanz zu halten. Am Schluss des Rundgangs dürfen wir selber durch einen der Tunnels kraxeln. Die Gänge sind mit 1,2m Höhe und 80cm Breite verdammt eng und wir sind froh, als wir wieder am Tageslicht sind. Für uns ist es unvorstellbar, wie die Menschen über ein Jahrzehnt unter der Erde leben konnten! Vietnam ist übrigens weltweit das einzige Land, in dem der „Vietnamkrieg“ nicht so genannt wird. Hier sprechen die Leute ausschliesslich vom „Amerikanischer Krieg“.

Bus fahren im Vietnam

Auch im Vietnam wird einem das Leben als Rucksacktourist denkbar einfach gemacht. Nach diesem Jahr wird uns definitiv niemand mehr erzählen können, dass trampen in Südostasien eine herausfordernde Leistung sei. Hier wird einem einfach alles was das Travellerherz begehrt auf dem Tablett serviert. So verkehren zum Beispiel im Vietnam zwischen allen touristischen Zentren im ganzen Land bequeme und günstige Busse mit Klimaanlage, die in jedem Reisebüro gebucht werden können. Auch wir landen für die 448 Kilometer lange Strecke von Saigon nach Nah Trang in einem dieser Busse. Im Gegensatz zu den Nonstopp-Busfahrten in Indonesien hält der Chauffeur hier alle zwei bis drei Stunden für eine kurze (Pinkel-)pause. Dies finden wir ganz angenehm, können wir uns so doch während der ganzen Fahrt mit Essen und Trinken ausreichend versorgen. Nur Kotztüten werden hier keine verteilt und die junge Vietnamesin, die sich und ihre Geschwister neben uns vollko…, hätte also nicht unbedingt sein müssen! Unterwegs verändert sich die Landschaft extrem. In den letzten drei Stunden der Fahrt säumen grosse Sanddünen den Wegrand und erinnern uns eher an einen Ausflug auf Cran Canaria. Nach elf Stunden Fahrt treffen wir etwas müde in Nah Trang ein und sind froh, dass wir ohne lange zu suchen ein nettes Zimmer in einem Guesthouse finden.

Diving in Vietnam

Unsere Reiseführer sagt, dass Nah Trang die Top-Tauchdestination im Vietnam ist. Dies bestätigen auch die vielen Tauchschulen, die sich hier im Zentrum aneinander reihen. Und so buchen wir ohne lange zu überlegen für heute zwei Tauchgänge. Nach dem Sprung ins Meer können wir kaum glauben wie kalt das Wasser ist. So gefroren haben wir bei einem Tauchgang schon lange nicht mehr! Um zu beschreiben wie es sonst so aussieht unter der Wasseroberfläche zitiere ich nachfolgend Odi als er mich nach dem Auftauchen fragt: „Isch es öppe so im Thunersee?“ Weit daneben liegt er nicht – die Sicht ist eine Katastrophe, Fische gibt es so gut wie keine und die meisten Korallen sind kaputt. Oh je, und das war Odis 100. Tauchgang… Als positiv gibt es zu erwähnen, dass sich die Tauchschule sehr viel Mühe gibt und ein Tauchgang wirklich unglaublich günstig ist. Am Abend finden wir nach einem teuren Bier in einer Strandbar doch noch eine unserer geliebten „Bia Hoi-Bar’s“ wie in Hanoi. Für das gleiche Geld wie am Strand bekommt man hier sage und schreibe zwölf Bier! Keine Angst, so weit haben wir es nicht kommen lassen. Aber genossen haben wir es trotzdem… :-) .

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