Monthly Archives: July 2008

Apo Island

Short cut zu den Bildern

Apo Island

Ich bin froh, als wir um 4:15 Uhr endlich aufstehen können. Die Familie mit den vier Kindern, die auf dem Trottoir um die Ecke lebt und bei weitem kein Einzelfall ist, hat mich die ganze Nacht beschäftigt. Ohne Problem finden wir ein Taxi, das uns zum Flughafen bringt und ein Fahrer, der sogar von sich aus den Taxameter einschaltet. Da es um diese Zeit noch dunkel ist, steigt er nicht aus, um uns beim Einladen zu helfen und schliesst sobald wir drin sind sofort alle Türen wieder ab. Manila live… Auf der Fahrt an den Flughafen sehen wir reihenweise Filippinos, die irgendwo am Strassenrand auf einem Stück Karton ihr Nachtlager aufgeschlagen haben. Es ist wirklich unglaublich, wie die Leute hier teilweise leben. Am Flughafen heisst es erstmals anstehen. Die Sicherheitskontrollen werden sehr ernst genommen und da das Terminal überfüllt ist, dauert dies eine ganze Weile. Nach der Landung in Dumaguete werden wir bereits erwartet. Auf der Fahrt zum Pier stellen wir fest, dass Manila wohl doch eher die Ausnahme der Regel ist. Hier scheint die Welt mehr als in Ordnung und die Leute gehen geschäftig ihren täglichen Aufgaben und Arbeiten nach. Eine richtige Wohltat für unsere Augen nach den Bildern in der Hauptstadt! Irgendwo im „Niemandsland“ steigen wir schliesslich auf ein kleines Boot um, das uns nach Apo Island bringt. Die Insel ist uns sofort sympathisch. Rund 800 Menschen, davon 250 Kinder, wohnen in diesem Fischerdorf. Trotz des sanften Tourismus ist das Dorfleben unverfälschter und ursprünglicher denn je. Da unser Dive Instruktor noch nicht von irgendeinem Ausflug zurück ist, müssen wir uns am Nachmittag wohl oder übel mit dem Theoriebuch und dem Lernvideo beschäftigen. Für die, die es noch nicht wissen – wir werden uns auf Apo tauchtechnisch noch etwas weiterbilden und hier hoffentlich erfolgreich unseren Rescue Diver-Abschluss machen. Nach getaner Arbeit gönnen wir uns eine Abkühlung im Meer und machen einen ersten Spaziergang durch das Dorf. Gegen Abend versammelt sich das halbe Dorf am Strand. Jeder will den Fang sehen, den die Fischer zurück bringen. Zu unserer Freude wird auch ein Triggerfisch im Kochtopf landen. Einer weniger, der unter Wasser nicht so nett zu uns ist… Vor allem die Kinder scheuen den Kontakt zu uns überhaupt nicht. Sie posieren mit viel Freude mit uns auf den Fotos und führen uns allerhand Kunststücke vor. Es scheint als ob wir mit Apo Island wirklich das Goldlos gezogen haben. Wir sind wahrhaftig auf einer philippinschen Trauminsel mit Dorfanschluss gestrandet!

Phillippines, Apo Island, Child

Unser Dive Instructor

Beim Frühstück lernen wir Mario, unseren Dive Instruktor kennen. Mario ist niemand geringeres als der langjährige Chef der Insel und hier dementsprechend eine Persönlichkeit. Von ihm werden wir in den nächsten Tagen nicht nur alles notwendige über das Rettungsstauchen sondern auch allerhand interessantes über die Insel und die Bevölkerung lernen. Die ersten Übungen machen wir an der Wasseroberfläche. Wir üben wie man jemanden vom Strand aus rettet, wie man einem müden oder panischen Taucher an der Wasseroberfläche begegnet und wie man diesen schliesslich effizient und rasch in Sicherheit bringt. Odi ist derart mit Elan bei der Sache, dass er mich erstmals so richtig „töichlet“ und ich einen gehörigen Schluck Salzwasser abbekomme… :-). Nach den Übungen dürfen wir unsere Luft immer bei einem Fun-Tauchgang noch fertig verwenden. Obwohl wir während des Kurses vor allem im Hausriff abtauchen, sind wir begeistert von der Unterwasserwelt auf Apo Island. Die Korallen sind gesund, farbig und flächendeckend, der Fischreichtum gross sowie die Artenvielfalt hoch. Vor dem Tauchgang am Nachmittag üben wir nochmals einen Rettungsversuch vom Strand aus, dieses Mal jedoch mit Hilfe von Rettungsring und Bambusstock. Obwohl man beim Tauchen bekanntlich mehrheitlich unter Wasser unterwegs ist, ist die Hilfe über Wasser mindestens genau so wichtig. Jeder Taucher muss schliesslich im Ernstfall via Wasseroberfläche irgendwie an Land geschafft werden. Unter Wasser gibt es dann noch eine kleine Übung mit einem panischen Taucher ohne Luft bevor wir wieder zum spassigen Teil des Kurses wechseln. Unser restlicher Tagesablauf ist ganz der Sonne und dem Strom angepasst. Jeden Tag wird dreimal für ein paar Stunden der Generator gestartet. Der Rest des Tages resp. der Nacht ist stromlos und damit die ganze Insel inklusive wir immer spätestens um neun Uhr im Bett. Uns stört’s nicht, denn wir sind vom Tauchen immer genug erledigt und müde.

Nothelferkurs

Nach dem Frühstück bekommen wir den obligatorischen Nothelferkurs im Schnellzugstempo verpasst. Zusammen mit Mario schauen wir uns das Video an und üben danach ausschliesslich das Beatmen sowie die Herzmassage. Nach dem jeder von uns noch einen „Ernstfall“ durchgespielt hat, haben wir diesen Teil des Kurses kurz und schmerzlos hinter uns gebracht. Mit dem Rest nimmt es Mario aber sehr genau. Und so verbringen wir die nächsten vier Stunden beim Theorie büffeln im Zimmer. Beim Lesen merken wir zum ersten Mal, dass wir wirklich in der Regenzeit auf den Philippinen sind. Bis dato hat es immer nur in der Nacht geregnet. Das Gewitter ist derart stark, dass wir uns nur noch mit schreien verständigen können. Der Regen ist hier übrigens ein gern gesehener Gast. Da die Bewohner auf der Insel stets mit der Wasserknappheit zu kämpfen haben, wird jeder Tropfen sorgfältig gesammelt und wieder verwendet. Auf Apo Island haben wir das uns aus Indonesien bestens bekannte Mandi wieder gefunden. Und so duschen auch wir jeden Abend mit Regenwasser und Schöpfkelle. Am Nachmittag stehen nochmals ein paar Übungen unter Wasser auf dem Programm. Zuerst müssen wir einen bewusstlosen Taucher an die Oberfläche bringen und anschliessend gilt es einen vermissten Taucher – dieses Mal in Form eines Bleigürtels – zu finden. Gerade noch in der vorgegebenen Zeit, finden wir das Teil tatsächlich. Obwohl das Meer wegen des schlechten Wetters heute recht aufgewühlt ist, haben wir auf dem Fun-Dive eine sehr gute Sicht und sehen wie auf jedem Tauchgang allerhand nette Tierchen in gehäufter Anzahl: Black Banded Sea Snakes, Turtels, verschiedenste Arten von Nutibranches, Steinfische, Skorpionfisch, um nur einige zu nennen.

Phillippines, Apo Island, Nudibrach

Eine andere Tauchgruppe begegnet sogar einem Hammerhai! Nachdem wir mit Mario noch ein bisschen Theorie besprochen haben, sind wir für heute entlassen. Wir liegen schon im Bett, als es plötzlich nochmals Action gibt. Eine Schildkröte ist am Strand, um heute Nacht ihre Eier in den Sand zu legen. Klar, dass sich das niemand entgehen lassen will und so versammelt sich mit uns nochmals das halbe Dorf am Strand.

Theorieprüfung bestanden!

Die erste Übung ist heute besonders anstrengend. Wir lernen verschiedene Techniken, wie man einen bewusstlosen Taucher an den Strand schleppt. Puh, das braucht Kraft, viel Kraft! Nachdem wir auf dem Wasser auch noch das Beatmen geübt haben, ist der praktische Kursteil für heute vorbei und wir dürfen uns bei zwei Tauchgängen ausschliesslich auf die tolle Unterwasserwelt konzentrieren. Die abschliessende Herausforderung des Tages ist die Theorieprüfung. Da wir das Buch ziemlich genau gelesen haben, bestehen wir beide ohne Probleme. Es scheint, als ob unsere Hirnzellen doch noch nicht vollständig eingerostet sind.. Bei den Kindern am Strand lassen wir den Tag ausklingen. Als Odi ihnen die Fotos vom Tauchen zeigt, sind sie ganz aus dem Häuschen und alle versuchen einen Blick auf das Display zu erhaschen. Leider kann ich Odi mit 15 Kindern und einem Fotoapparat nicht für die Nachwelt festhalten… Apo Island hat übrigens zwei Naturschutzprogramme: einerseits gibt es eine Schutzzone unter Wasser und andererseits ist die ganze Insel ein Vogelschutzgebiet. Das Unterwasserschutzprogramm ist derart erfolgreich, dass dieses sogar nach Indonesien expandiert wurde. Dank dem unermüdlichen Einsatz von Mario wird der Umweltschutz hier gross geschrieben. Die Kinder auf Apo sind die einzigen auf den ganzen Philippinen, die in der Schule im Fach „Umweltschutz“ unterrichtet werden. Weiter gibt es Restriktionen für den Fischfang, das Fällen von Bäumen sowie das Abtragen von Sand am Strand. Und last but not least ist jeder Bewohner für die Sauberkeit auf einem ihm zugewiesenen Stück Insel verantwortlich. Die Insel ist wirklich ein Musterbeispiel, wie man auch mit zunehmend westlichem Einfluss und Tourismus im Einklang mit der Natur leben kann.

Geschafft!

Heute ist der letzte Kurstag. Doch bevor wir uns offiziell Resuce Diver schimpfen dürfen, wartet noch einiges an Arbeit auf uns. Am Morgen lernen wir den Umgang mit Sauerstoff und spielen nochmals eine Rettungsaktion von A bis Z durch. Nun sollte beim abschliessenden Szenario eigentlich nichts mehr schief gehen. Doch zuerst wartet ein toller Strömungstauchgang auf uns. Wie im Kino zieht die Unterwasserwelt an uns vorbei. Am Mittag nutzen wir das tolle Wetter und machen nochmals einen Spaziergang durch das Dorf. Da die schulpflichtigen Kinder mit lernen beschäftigt sind, ist es um diese Zeit sehr ruhig. Nur einige Kleinkinder halten ihre Mütter auf Trab und stören die Väter bei der Siesta. Dass es nur wenig Kinder unter fünf Jahren gibt, dafür ist das Projekt „Familienplanung“ verantwortlich. In drei Jahren hat sich die Anzahl Geburten von über 60 auf unter 10 pro Jahr reduziert. Damit die Bevölkerung ein gesundes Wachstum beibehält und auch künftig alle ansprechend versorgt werden können, ist dieses Programm dringend notwendig. Eine nette Geschichte am Rande: nur verheiratete Paare werden in das Geheimnis der Familienplanung mit einbezogen. Dass dies nicht ganz durchdacht ist, zeigt die Geburtenstatistik vom 2007 – von zehn Babys wurden 2/3 unehelich gezeugt. Tja, früh übt sich… Am Nachmittag erwartet uns die praktische Abschlussprüfung. Wir haben keine Ahnung was Mario mit uns vor hat und sind dementsprechend auf der Lauer. Er bringt uns an einen unspektakulären Tauchspot und spannt uns über 30 Minuten auf die Folter. Wie aus dem Nichts tauchen plötzlich zwei Diver auf, die unsere Hilfe benötigen. Ein Opfer liegt bewusstlos in rund zehn Meter Tiefe am Boden und muss so rasch als möglich gerettet werden. Zum Glück signalisiert uns der andere Taucher, dass bei ihm alles in Ordnung sei. Erst als wir das Opfer in der Tauchbasis an den Sauerstoff anschliessen, wird die Übung erfolgreich beendet. Völlig ausser Atmen dürfen wir die Glückwünsche von Mario entgegen nehmen. Judihui, wir haben es geschafft! Nun bleibt nur zu hoffen, dass wir nie in der Realität auf unsere neues Wissen zurück greifen müssen.

Ein bisschen Strömung

Am letzten Tag auf Apo Island tauchen wir nochmals ab. Unser Guide bringt uns beide Male zu einem Platz mit viel Strömung. Am Morgen haben wir soviel Strömung, dass wir geradewegs an drei Tauchplätzen vorbei segeln. Auf dem zweiten Tauchgang zwingt uns die Strömung sogar wieder zum Umkehren und wir können nicht wie geplant auf der anderen Seite der Felsen aufzutauchen. Auch über Wasser zeigt sich die Natur heute nicht von ihrer besten Seite. Der Regen verbannt uns für den Rest des Tages ins Zimmer zu unseren Büchern. Morgen heisst es Abschied nehmen von Apo Island. Die Woche ist wie im Flug vorbei und wir haben uns hier super wohl gefühlt. Wir können die Insel allen wärmstens weiter empfehlen – Apo ist wahrlich ein philippinisches Juwel!

Wer sich auf den Philippinen traut, sollte sich seiner Sache übrigens absolut sicher sein. Das Land kennt die Auflösung der Ehe und damit die Scheidung bis heute nicht. Einmal vereint, immer vereint. Wie lange es wohl noch geht bis die Kirche ihre Macht diesbezüglich verliert?

Zurück nach Manila

Nach dem wir unsere Schulden beglichen haben, verlassen wir Apo und machen uns wieder auf in den Grossstadtdschungel von Manila. Auf den Flügen werden vorzugsweise Touristen neben die Notausgänge platziert. Wir müssen lachen als wir erklärt bekommen, dass wir auf das Codewort „Easy Victor“ zu reagieren und den Anweisungen der Crew zu folgen haben. Die Filippinos lieben Codewörter sowohl in Ernstfällen als auch bei Übungen. Wundert euch nicht, wenn ihr am Meer einen Taucher an der Wasseroberfläche „Pizza“ schreien hört. Dies wäre dann das Codewort für Hilfe und sollte eigentlich nur bei Übungen eingesetzt werden. Aber man weiss ja nie, ob nicht aus lauter Gewohnheit jemand „Pizza“ schreit und effektiv Hilfe benötigt… soll also schon vorgekommen sein. In Manila warten wir eine Stunde in der Schlange auf ein Taxi. Da mehrere Flüge gleichzeitig gelandet sind, ist der Vorrat an den billigen Taxis erschöpft. Mit dem beim Warten gesparten Geld kehren wir zum Essen im Mäc ein. Auch bei Ronald gibt es auf den Philippinen kulinarische Experimente. Klar, dass Odi nicht widerstehen kann und sich eine Cola mit Vanilleglace und Schoggiglasur als Topping bestellen muss. Na ja…

Hier sind die Bilder