Taiwan

Short cut zu den Bildern

Auf nach Taipei

Eigentlich wurde das neue Flughafenterminal in Manila vor mehreren Jahren fertig gebaut. Über die Gründe warum es bisher – obwohl dringend benötigt – nicht benutzt wurde, können wir nur spekulieren. Seit gestern ist nun jedoch alles anders und zwei einheimische Fluggesellschaften fliegen ab sofort ab Terminal 3. Unser Taxifahrer freut sich riesig, dass er uns dort abladen kann und ist ganz aufgeregt, ob er wohl auf dem Weg dorthin alles richtig macht. Nett wie wir sind, helfen wir ihm selbstverständlich beim Schilder lesen und fahren dann auch prompt am richtigen Ort vor. Auf den ersten Blick sieht das Gebäude fertig und modern aus. Doch auf den zweiten Blick fehlen grundsätzliche Details und alles ist noch recht provisorisch eingerichtet sowie organisiert. Das Chaos wirkt sich auch auf unseren Flug aus und wir fliegen mit satten drei Stunden Verspätung ab. In Taipei werden wir von strahlend blauem Himmel empfangen. Die Einreise klappt ohne Probleme und wir finden den Weg zum Guesthouse auf Anhieb. Unser erster Eindruck dieses Landes: sauber, relaxt, wenig Verkehr, ruhig, unaufdringliche Leute… Es scheint als ob Taiwan nicht umsonst oft auch als die Schweiz Asiens bezeichnet wird. Wenn wir nun auch noch mit den chinesischen Schriftzeichen zu recht kommen, kann hier eigentlich nichts schief gehen.

Nachfolgend noch ein Nachtrag zum gestrigen Tag: in der Schuhstatistik steht es nun 6:5 für Odi! Nach einigem Suchen, hat er in Manila doch noch ein akzeptables Nachfolgepaar für seine in Einzelteile zerlegten Turnschuhe gefunden!

Das höchste Gebäude der Welt

Bei der Morgentoilette entdecke ich im Badezimmer einen Föhn! Nach sechs Monaten ohne dieses westliche Luxusteil kann ich mein Glück kaum fassen und springe sofort unter die Dusche, um mir die Haare zu waschen. Nun gibt es doch wieder einmal ein paar Fotos von mir ohne Schafsfrisur… :-). Fertig gestylt machen wir uns schliesslich zu Fuss zum ersten Sighseeing-Tag in Taipei auf. Die Stadt beheimatet eine ganze Menge Parks. Überall haben sich die Menschen am heutigen Sonntag auf diesen Grünflächen versammelt und gehen geschäftig ihren Hobbies nach. Ich finde vor allem gefallen an den Fusswegen, die derart mit Steinen ausgelegt sind, dass man sich beim Gehen die Füsse massieren kann. Durch Zufall entdecken wir drei geschäftige Weekend-Märkte. Leider können wir uns nur auf dem Flohmarkt ein paar Souvenirs kaufen. Die Blumen vom Blumenmarkt würden den Transport in die Schweiz wohl nicht überleben und die kostbaren Steine auf dem Jademarkt sind uns schlicht zu teuer. Via Regierungsgebäude geht es weiter zur Memorial Hall, die der Ex-Diktator Chiang Kai-shek für sich errichtet hat. Wir sind überrascht, wie viele einheimische Touristen trotz jahrelanger Diktatur immer noch hierhin pilgern und alles akribisch in ihren Kameras festhalten. Da unsere Füsse langsam aber sicher doch etwas weh tun, beschliessen wir mit der Metro zum berühmtesten Gebäude der Stadt , dem Taipei 101 zu fahren.

Taiwan, 101 Tower

Das architektonische Meisterwerk ist mit 508 Metern Höhe das höchste Gebäude der Welt! Odi strahlt wie ein Marienkäfer als wir uns in die kurze Schlange vor dem weltweit schnellsten Lift anstellen. In nur gerade 37 Sekunden fahren wir vom 5. in den 89. Stock des Wolkenkratzers. Der Ausblick ist atemberaubend und auf einmal stehen wir auf Augenhöhe mit den Bergen rund um Taipei. In der ganzen Stadt gibt es kein Gebäude, dass auch nur annähernd so hoch wie Taipei 101 ist. Von hier oben sieht die ganze Stadt wie im Computerspiel Sim City aus. Auch der weltweit grösste Dämpfer kann man sich hier anschauen. Dank ihm hält das Gebäude Schwingungen jeglicher Art ohne Probleme aus und bleibt auch bei Erdbeben und Taifunen sicher stehen. Wow! Den Rest des Abends verbringen wir beim Skypen mit der Heimat. Wir quatschen solange, dass wir sogar das Abendessen verpassen und es schliesslich nur noch für einen kleinen Snack im 7eleven reicht. Aber das war’s wert… Unser erster Eindruck von Taipei hat sich heute definitiv bestätigt. Hier läuft wirklich alles geregelt und anständig ab. Überall herrscht Ordnung und nirgends wird gedrängelt. Wir sind heute tatsächlich einen ganzen Tag durch die Hauptstadt geschlendert, ohne dass uns auch nur eine einzige Person blöd angesprochen hätte.

Trainingslager für China

Unsere erste Herausforderung des Tages ist das Lesen eines Fahrplanes auf Chinesisch. Am Hauptbahnhof versuchen wir herauszufinden, wie und wann wir unseren geplanten Ausflug ins Hinterland am besten in Angriff nehmen. Da Odi das vergleichen der Zeichen schon recht im Griff hat, finden wir schliesslich die richtige Zeile und somit die gewünschte Information. Obwohl in Taipei einiges auch in lateinischen Buchstaben angeschrieben ist, dominieren die chinesischen Zeichen überall. Auch um das Englisch der Einheimischen steht es nicht wirklich zum Besten und wir werden immer auf Chinesisch angesprochen. Selten treffen wir auf ein paar besonders Begabte, die auch ein wenig Englisch sprechen. Unsere Wenigkeit kann nach drei Tagen Taiwan immerhin schon zwei Wörter (Hallo und Danke) auf Chinesisch. Ein besseres Trainingslager für unseren geplanten China-Aufenthalt können wir uns wirklich kaum wünschen. Nach der Feldforschung geht es weiter im Programm mit Sightseeing. Via dem trendigen und schrillen Quartier Ximending, wo alle Wünsche der taiwanesischen Teenies erfüllt werden, landen wir beim Snake Alley Night Market. Da es noch mitten am Tag ist, herrscht verständlicherweise tote Hose. Wir können aber bestätigen, dass man auch hier Schlangen essen und der Schlachtung live beiwohnen kann. Der Longshan Temple ist einer der schönsten und meist besuchten Tempelanlagen in Taipei. Selten haben wir einen Tempel gesehen, wo so reger Betrieb herrscht. Nach einem kurzen Abstecher zur Memorial Hall von Sun Yat-sen (das Salutieren lassen wir trotz dem überdimensionalen Hinweis sein…) landen wir schliesslich in einem Shopping-Center. Das einzige was uns wirklich überzeugt, ist die Bauweise der Mall. Man hat das Gefühl als befinde man sich in einem überdimensionalen Raumschiff, das demnächst ins All abhebt. Vom Shopping selber sind wir allerdings enttäuscht. Alles ist todschick und überteuert. Einzig bei der Elektronik kann man in Taiwan ein paar Schnäppchen machen. Die Zeiten als bei uns alles mit „Made in Taiwan“ angeschrieben war, scheinen definitiv vorbei zu sein. Zum z’Nacht steuern wir wieder einen der zahlreichen Night Markets an. Das undefinierbare Irgendwas (wir tippen auf Poulet-Sushi…) schmeckt nur Odi. Ich bleibe für einmal lieber bei Reis und Gemüse.

Fast wie auf dem „Güsche“

Heute wollen wir den „Güsche“ von Taipei besteigen. Bevor wir den Hausberg jedoch per Gondelbahn erklimmen können, müssen wir notfallmässig (ich bin kurz vor dem Hungertod…) im Mäc einkehren. Unglaublich aber wahr, hier wird sogar im McDonalds brav alles recycelt. Leider werden wir nicht wirklich schlau aus den netten Bildern auf den Abfallkübel und haben unsere liebe Mühe alles wie gefordert zu entsorgen. Die Fahrt auf den Maokong dauert ganze 28 Minuten. Die Hügel sind bekannt für die Teehäuser und Tag für Tag suchen die Bewohner von Taipei in Massen hier bei Tee und Bergluft eine Auszeit vom Stadtleben. Ganz so idyllisch wie wir uns das Plätzchen vorgestellt haben, ist es leider nicht. Immer wieder werden wir von Autos überholt und die Wanderwege sind derart schlecht ausgeschildert, dass wir wieder mit der Gondel ins Tal fahren müssen. Den Abend verbringen wir auf dem wohl berühmtesten Night Market der Stadt. Bevor wir uns an die kulinarischen Leckereien wagen, schlendern wir noch ein bisschen durch die Einkaufsstrassen. Einen derart angenehmen Night Market haben wir definitiv noch nie erlebt. Obwohl es mega viele Leute hat, kommen wir kein einziges mal in Hautkontakt mit den äusserst zurückhaltenden Taiwanesen. Da wir uns nicht für für ein spezielles Gericht entscheiden können, holen wir uns schliesslich diverse kleine „Probiererli“. Sogar eine Art Bratwurst, die nicht einmal so übel schmeckt, finden wir. Unser Favorit bleiben aber die wunderbaren Dumplings mit extrem scharfer Chili-Sauce.

Ausflug aufs Land

Da es in Taipei seit Tagen extrem heiss ist, lassen wir unsere ursprünglich geplante Wanderung ins Wasser fallen und nehmen statt dessen den Bus in zwei kleine Bergdörfer eine Stunde ausserhalb der Hauptstadt. Dank nachfragen, Zeichen vergleichen und einheimischen Touristen nachlaufen, finden wir schlussendlich den Weg nach Jinguashi und Jiufen. Bei der Touristeninfo in Jinguashi bekommen wir alle notwendigen Informationen über die zu bestaunenden Sehenswürdigkeiten – selbstverständlich auf Chinesisch! Der Mitschnitt dieser Erläuterungen tönt etwa so: „Ni’hau, tsching tschang tschung na hi teapot ning ning ning ning ying yang teapot bla bla bla, sissie“. Unser Antwort darauf ist ein gekonntes „Mmmmhhhhh“ – dieser Ausdruck kann in Asien so ziemlich für alles gebraucht werden… – und ein Lächeln. Da wir immerhin das Wort „Teapot“ verstehen und sogar noch eine Karte des Kaffs erhalten, finden wir alle Sehenswürdigkeiten ohne Probleme. Im nächsten Dorf schlendern wir durch die berühmte Jishan Street. Hier gibt es vor allem zwei Dinge zu tun:  lokale Spezialitäten probieren und Souvenirs kaufen. Selbstverständlich widmen auch wir uns beidem ausgiebig. Zurück in Taipei besuchen wir einen weiteren Night Market. Obwohl wir die gemütlichen Strassenbeizen à la K.L. ein wenig vermissen, sind wir wieder begeistert von den vielen Ständen und probieren jenste feine Sachen. Einfach köstlich!

Night Market, der 4.

An unserem letzten Tag in Taiwan machen wir nochmals einen langen Spaziergang durch Taipei. Nach einer Strasse mit alten Häusern, einem gut besuchten Tempel und vielen kleinen Läden, wo man allerhand chinesische Medizin gegen alle möglichen „Boboli’s“ erstehen kann, erreichen wir den Confucius Tempel. Der grösste Tempel der Stadt ist wirklich sehr gut erhalten und entsprechend sehenswert. Da unsere Füsse nach all dem Marschieren schon wieder einen Streik ankündigen, fahren wir mit der Metro nochmals zum grössten Gebäude der Welt. Mit Aussicht auf den Taipei 101 geniessen wir das letzte Taiwan Bier bevor wir uns auf einem der unzähligen Night Markets nochmals von Stand zu Stand fressen.

Taiwan, Night Market

Meist haben wir keine Ahnung was wir bestellen und lassen immer unsere Augen für unseren Magen entscheiden. Als besonderer Leckerbissen möchten wir heute die Wasabi-Reiswurst hervor heben.

Peking 2008

Heute Nacht schlafen wir nicht sehr gut. Im Guesthouse geht es zu wie in einem Bienenhaus und die Nachtschwärmer scheinen nicht müde zu werden. Als auf dem Gang endlich Ruhe einkehrt, werden dafür unsere Zimmernachbarn sehr munter. Es scheint als ob die beiden vergessen haben, dass unsere Zimmer nur durch eine hauchdünne Wand getrennt sind… :-). Wir wecken dafür am Morgen alle mit dem Staubsauger. Zu den billigen Unterkünften gehört auch, dass man ab und zu das Zimmer selber putzen muss. So kommt es, dass ich heute seit acht Monaten wieder einmal ein solches Ding in der Hand halte. Ein doch recht ungewohntes Gefühl… Pünktlich verlassen wir schliesslich Taipei und fliegen für einen Zwischenstopp von einer Nacht in unser „geliebtes“ Manila. Nicht das wir dies ganz freiwillig so gewählt hätten, aber Dank dem kleinen Umweg können wir eine ganze Menge Geld sparen. Dazu werden wir  heute fast wie zu Hause empfangen. Überall in den Strassen wehen Schweizer Fahnen im Abendlicht und heissen Mister Pascal Couchepin, der in zwei Tagen auf Staatsbesuch vorbei kommt, herzlich willkommen. Auch in Peking ist heute die Schweizer Fahne kurz überall in der Welt zu sehen sein, wenn Roger Federer die Schweizer Sportler an der Eröffnungsfeier der olympischen Spiele in das Stadion führt. Diese Aktualität will ich nutzen, um endlich das lange vorgenommene Loblied auf Roger auszusprechen. Einen besseren Botschafter kann sich die Schweiz kaum wünschen. Immer wieder werden wie beim Verraten unserer Nationalität auf ihn und seine sympathische Art angesprochen. Er gilt in allen Ländern, die wir bis anhin besucht haben als wahrer Gentleman und wird sehr geschätzt. Go Roger, go!

Hier sind die Bilder

4 thoughts on “Taiwan

  1. Tom

    Dank einem kurzen Time-Out meiner Reisebegleiterin konnte ich endlich mal wieder meinen Leserückstand aufholen und die Werbungen auf eurer Page im Detail “betrachten”. Die Clicks sollten wohl für ein Bierchen (bei den asiatischen Preisen wohl für mehrere) reichen. Prost!

    Der Anfeuerung kann ich mich natürlich nur anschliessen: Roger 4 Gold! 😉

    Ä Gruess usem coole Victoria.

  2. Karin Fankhauser Post author

    Hallo Tom

    Wir sind gerade in Hong Kong eingetroffen. Sehr zum Leidwesen von Herr Odematt haben wir kein In room WIFI zur Verfuegung… 🙁

    Dafuer gehen wir jetzt gleich deine Clicks versaufen. Vielen Dank auf jeden Fall. Wir revanchieren uns bei jeder Gelegenheit bei euch.

    Geniesst Vancouver Island (wo geht es eigentlich als naechstes hin?)

    Karin & Odi

  3. Miri

    Hei dir zwöi

    Ihr habt sicherlich schon mitgekriegt, dass wir noch weitere Sportler haben, die die CH sehr gut repräsentieren wie z.b. unser Berner Fäbu. Also es hat doch schon ein wenig Medaillen gegeben….

    Sonst alles klar bei euch?
    Scheint so ja..

    Grüessli Miri

  4. Karin Fankhauser Post author

    Hallo Miri

    Ja, wir haben es mitgekriegt. Zum Glück hatten wir hier in Hong Kong einen TV im Zimmer, so dass wir immer wieder einen Blick nach Peking werfen konnten. Gell, Fäbu ist von Mundigen? Kennst du ihn?

    Bei uns ist sonst alles bestens. Wir reisen heute nach China und sind mega gespannt.

    Wie geht es dir?

    Grüessli

    Karin

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