Guangzhou

Short cut zu den Bildern

Die Grenze ist offen

Wie immer wenn wir kurz vor dem Grenzübertritt in ein neues Land stehen, macht sich heute morgen bei beiden eine gewisse Nervosität bemerkbar. Wie ihr seht, sind wir auch nach neun Monaten reisen noch nicht gegen alles immun. Bevor wir Hong Kong verlassen, wollen wir noch ein paar Hygieneartikel einkaufen. Wir stocken praktisch unser ganzes Necessaire mit Nachschub auf. Dazu kauft sich Odi seine persönliche Traummenge an WC-Papier. Nach unbestätigten Gerüchten schmuggelt er in seinem Tramper ganze neun Rollen nach China. Man weiss ja nie was passiert… Mit dem Bus fahren wir schliesslich los in Richtung Grenze. Wie immer bei solchen Grenzübertritten müssen alle Fahrgäste aussteigen und mit sämtlichem Gepäck zu Fuss durch die Passkontrolle und Zollabfertigung marschieren. Wir sind überrascht wie problemlos alles klappt. Klar werden unsere Pässe und unsere Visa besonders aufmerksam kontrolliert, doch wir waren auf eine weitaus mühsamere Abfertigung gefasst. Nach der Grenze werden wir in einen anderen Bus verladen. Zum Glück hört Odi irgendwo zwischen vielen chinesischen Wörtern unsere Zieldestination, so dass wir schliesslich wieder im richtigen Gefährt landen. Vorbei an riesigen Wohnsilos mit direktem Fabrikanschluss fahren wir auf einer Autobahn nach Guangzhou, unserem ersten Ziel. Was wir beim Lesen unseres Reiseführers schon gelernt haben, in China gibt es keine kleinen Städte. Als klein gelten hier Orte, die knapp weniger als eine Million Einwohner haben. Hier im Süden jedenfalls scheinen irgendwie flächendeckend überall Menschen zu wohnen. Dank eines Staus brauchen wir zwei Stunden länger bis Guangzhou. Trotz ersten Befürchtungen finden wir nach einem kurzen (Kommentar von Odi: na ja mittellang) Marsch eine Metrostation, die uns in die Nähe des Hotels bringt. Wir steigen in einer Jugi ab. Umso überraschter sind wir, dass unser Zimmer mindestens mit einem Hotel der Mittelklasse verglichen werden kann. Mit ein paar Englischlehrern geniessen wir unser erstes Bier in China. Zum Abendessen gibt es eine Nudelsuppe um die Ecke. Da niemand Englisch spricht, werden uns bei der Bestellung die chinesischen Wörter für Nudeln und Coca Cola beigebracht. Wenn das so weiter geht, können wir nach einem Monat unser Essen vielleicht auf Chinesisch bestellen… Auf jeden Fall ist unser erster Eindruck von China mehr als positiv und wir fühlen uns wohl.

Adoptionshochburg Guangzhou

Um uns langsam an China zu gewöhnen, bleiben wir drei Nächte in Guangzhou. Somit bleibt uns mehr als genug Zeit die Sehenswürdigkeiten dieser Millionenstadt zu besichtigen. Unser erstes Ziel ist wieder einmal ein hohes Gebäude. Seit Odi im „Taipei 101“ die Rangliste der zehn höchsten Gebäude der Welt gesehen hat, ist er ganz wild auf diese Dinger… Doch leider kann auch das sechst höchste Gebäude der Welt mit dem Namen „CITIC Plaza“ nicht besteigen werden, weshalb wir uns bald auf den Weg zum Stadtpark machen. Da heute Sonntag ist, sind wir nicht ganz die einzigen, die durch den riesigen Park spazieren. Als wir neben unzähligen chinesischen Familien den Gründungsort von Guangzhou bestaunt haben, wird es uns schlicht zu heiss und wir suchen im Mausoleum des Nan-Yue King die dringend notwendige Abkühlung. Das Mausoleum und das angrenzende Museum sind ganz interessant und es gibt praktisch nichts, was der König nach seinem Tod nicht in sein Grab mitgenommen hätte. Wir sind jedenfalls wieder fit für die Hitze, bevor wir all den Prunk vollständig besichtigt haben. Unsere nächsten Ziele sind der Liurong Temple und der Guangxiao Temple.

China, Guangzhou, Monks

Seit Odi realisiert hat, dass es in den Tempelanlagen lauter geniale Fotomotiven hat, begleitet er mich seit neustem immer voller Freude an diese heiligen Stätten. Unser letztes Ziel ist die Shamian Island. Hier haben sich während des Opiumkrieges einige Briten und Franzosen niedergelassen und ein paar nette Häuser aufgestellt. Mehr als die Gebäude fallen uns jedoch die vielen westlichen Paare auf, die in einem Kinderwagen ein chinesisches Kind durch die Gegend fahren. Von einem Englischlehrer in der Jugi wissen wir, dass Guangzhou eine Adoptionshochburg ist. Damit die Westler allerdings ihre neuen Sprösslinge definitiv mit nach Hause nehmen können, müssen sie zuerst einen Monat in einem Fünfsterne-Bunker in der Stadt wohnen. Erst wenn diese Probezeit überstanden ist, wird der Deal perfekt und das Kind darf mit seinen neuen Eltern China verlassen. Zum z’Nacht suchen wir heute ein Restaurant, in welchem wir anhand von Bildern bestellen können. Da jedoch auch die Bilder nicht immer eindeutig zu identifizieren sind, können wir leider an dieser Stelle nicht berichten, was für Fleisch wir zum Fried Rice vorgesetzt bekommen. Aber schmecken tut es auf alle Fälle ganz ordentlich.

Qingping Market

Nach dem halben Marathon von gestern erwartet uns heute nur noch ein kleiner Teil dieser riesigen Stadt zum Besichtigen. Unsere Füsse sind uns auf jeden Fall sehr dankbar, dass wir das Ganze heute ein bisschen ruhiger angehen wollen. Mit der Metro fahren wir zu den Hallen der Vorfahren der Cheng Familie. Die Typen waren ganz schön reich und das Ganze ist für unseren Geschmack doch etwas zu viel des Guten, weshalb nicht sehr lange verweilen. Im Lonely Planet ist tatsächlich ein Markt beschrieben, der vom Autor als „nicht zu empfehlen“ deklariert wird. Klar, dass wir bei einer solchen Ankündigung unbedingt dort vorbei müssen, um uns eine eigene Meinung über den Haustier-Markt zu bilden. Auf dem Weg dorthin schauen wir noch beim Temple of the Five Immortals und bei einer Kathedrale vorbei. Auf dem Qingping Market angekommen, sind wir eigentlich positiv überrascht. Klar entspricht die Tierhaltung nicht durchwegs einem westlichen Standard, aber wir sind  schliesslich in Asien und hier haben die Menschen nun mal eine ganz andere Beziehung zu den Tieren. Neben den üblichen Hunden, Katzen, Fischen, Schildkröten und anderem Kleingetier wird das meiste in trockenem Zustand verkauft und als traditionelle chinesische Medizin verwendet. Ganz grundsätzlich sind wir sowieso der Meinung, dass zarte Gemüter in Asien eher falsch aufgehoben sind und können deshalb die Meinung des Autors nicht unbedingt teilen. Den Rest des Tages verbringen wir im kühlen Hotelzimmer. Schliesslich läuft ja immer noch die Olympiade, welche wenigstens meine Wenigkeit mehr als genug unterhält. Der einzige Nachteil: die TV-Kanäle sind alle auf chinesisch…

Heute konnten wir noch beobachten, was mit Velofahrern passiert, die einen Regelverstoss begehen. Hier das Vorgehen der chinesischen Polizei im Kurzabriss: Der Sünder wird aus dem Verkehr gezogen. Auf dem Trottoir muss er das Velo parkieren und in einem offenen Zelt Platz nehmen. Hier werden seine Personalien erfasst und er wird zum Anschauen eines hübschen Lernvideos verknurrt. Das Video zeigt alle möglichen Verletzungen und Folgen von Velounfällen in voller Pracht. Das Zelt ist stets gut besucht und kaum wird ein Platz frei, kommt auch auch schon der nächste Sünder angefahren.

Hier sind die Bilder

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