Monthly Archives: August 2008

Hong Kong

Short cut zu den Bildern

Die Chinesen und ihre Einreisebestimmungen

Der Tag beginnt eigentlich ganz gut. Zum definitiv letzten Mal verlassen wir Manila und fliegen nach Hong Kong. Bereits am Flughafen spürt man auch hier ein bisschen den olympischen Geist. Überall stehen Voulenteers herum, die den Touristen den Weg durch den Flughafen oder in die Stadt erklären wollen. In Hong Kong finden alle Wettkämpfe statt, die irgendetwas mit Pferden zu tun haben. Also nicht wirklich der Knüller – jedenfalls für uns nicht (Sorry Cindy…). Im Hostel beginnt sich unser Tag langsam aber sicher zu verschlechtern. Der Typ an der Reception kennt das Package, das wir gebucht haben nicht und auf der Reservationsliste fehlen wir ebenfalls. Zum Glück ist der Tag noch jung und damit das Hostel noch nicht ausgebucht. Das Zimmer ist zwar winzig, aber neu und sehr sauber. Einzig das das auf der Homepage gross angepriesene W-Lan im Zimmer fehlt leider gänzlich. Unsere nächste Station ist ein uns empfohlenes Reisebüro, das einem bei der Organisation von China-Visa behilflich ist. Schon nach den ersten paar Sätzen macht sich bei uns die grosse Ernüchterung breit. Wir können maximal 30 Tage bleiben und das Ding ist nicht verlängerbar. Dazu müssen wir mit dem Antragsformular möglichst alle Hotelübernachtungen und eien Rückflug vorweisen. Dies ist natürlich gar nicht in unserem Sinn und zerstört den Geist vom individuell und unabhängig Reisen völlig. Deprimiert verlassen wir das Reisebüro. Nach einer kurzen Diskussion und ein paar Minuten „langen Gesichtern“, beschliessen wir nur einen statt wie geplant zwei Monate in China zu verbringen. Somit bleibt uns leider nur Zeit um die Region um Xi’an, Shanghai und Peking zu bereisen. Zu meinem Leidwesen fällt damit Tibet wohl oder übel ins Wasser. Doch aufgeschoben ist bestimmt nicht aufgehoben… Schliesslich machen wir uns auf die Suche nach einer Post. Wir müssen wieder einmal ein paar Kilos nach Hause schicken und brauchen dazu das nötige Verpackungsmaterial und die Versandformulare. Doch in Hong Kong eine Post zu finden, scheint Ähnlichkeiten mit der Suche nach der Nadel im Heuhaufen zu haben. Zuerst führe ich uns zu einem Gebäude, wo gar keine Post drin ist und danach landen wir bei einer Post, die sich gerade in eine Baustelle verwandelt hat. Als wir dann schlussendlich das Gesuchte finden, hat das Teil natürlich schon geschlossen. Grrr….!!! Um uns doppelt abzusichern, fragen wir bei einer weiteren Quelle nochmals betreffend dem Visum nach. Leider bleibt alles dabei und wir verziehen uns ins Hotel, um bei Bier und Sushi unsere 30-tägige Reise zu organisiere und via Internet zu buchen. Wir sind froh, dass wir eine super Homepage finden, bei der man eine sofortige Bestätigung der Hotelbuchung erhält, nur 10% anzahlen muss und für drei Dollar pro Buchung eine Annullationskostenversicherung abschliessen kann. Falls unser Antrag also abgelehnt werden sollte, verlieren wir wenigstens nicht eine Unmenge an Geld. Warum die Einreisebestimmungen seit diesem April derart krass sind, wissen wir leider nicht so genau. Aber es scheint, dass die Olympiade daran nicht ganz unschuldig ist. Für Rita und Rotsch hoffen wir, dass diese strikten Regeln bald wieder etwas gelockert werden!

Dim Sum

Heute haben wir uns mit Derek, einem echten Hong Konger, zum Mittagessen verabredet. Wir haben ihn vor einigen Jahren beim Tauchen in Ägypten kennen gelernt und den Kontakt nie ganz verloren. Doch bevor wir uns mit ihm treffen, haben wir noch kurz Zeit im Victoria Park gleich neben dem Hostel eine Runde zu drehen. Kaum haben wir den Park betreten, fühlen wir uns wie in Indonesien. Tausende von Indonesierinnen, die in Hong Kong als billige Arbeitskräfte tätig sind, treffen sich hier Sonntag für Sonntag mit ihren Landsleuten zum Essen, Spielen und Quatschen (Odi würde es wohl eher als schnattern bezeichnen…). Schliesslich ist es Zeit zu DER Hong Konger Spezialität schlechthin überzugehen. Derek führt uns in ein beliebtes Dim Sum-Restaurant. Der ganze Saal ist voll mit chinesischen Familien, die hier ihr Sonntagsessen geniessen und auch wir können die lokale Spezialität hier in allen möglichen Variationen probieren. Und so verbringen wir mit Derek und drei seiner Kolleginnen einen lustigen Lunch bei exzellentem Essen. Nach dem Mittagessen verabschieden wir uns und fahren mit dem Bus zum Stanley Market. Viele gute Erinnerungen von meinem ersten Aufenthalt in Hong Kong bringen mich wieder hierher. Zu meiner Freude hat sich nicht viel verändert und wir erstehen einige tolle Schnäppchen. Zum Abschluss des Tages wollen wir endlich einen Blick auf die Skyline werfen und fahren mit der Star Ferry auf die andere Seite der Stadt. Unser Timing ist perfekt und wir treffen gerade zu Beginn der täglichen Lichtshow an der Wasserfront ein. Na ja, die Lichtshow haut uns nicht gerade aus den Socken, aber die Skyline ist und bleibt bombastisch. Als wir nach einigem Suchen endlich auch noch einen Drucker für unsere Hotelbestätigungen für China gefunden haben, machen wir uns auf den Heimweg. Vor allem Odi ist geschafft von den nie enden wollenden Menschenströmen, die einem in dieser Stadt den ganzen Tag auf Schritt und Tritt begleiten und verfolgen. Was uns an den beiden ersten Tagen in Hong Kong zudem besonders auffällt ist, dass alle Baugerüste aus Bambus sind. Das ganze erscheint sehr platzsparenden und zudem stabil!

Ein klitzekleines Missverständnis…

Da wir fast alle Unterlagen für den Visa-Antrag zusammen haben, führt uns unser erster Gang wieder in das Reisebüro. Einzig das Retourbillett nach Hong Kong fehlt uns jetzt noch, um den Papierkrieg definitiv abgeben zu können. Die nette Reiseverkäuferin findet rasch einen günstigen Flug an die Grenze von Hong Kong. Dieser kann aber nicht erstattet und dazu kann das Anschlussbillett für die Weiterfahrt nach Hong Kong zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gebucht werden. Schliesslich hat die Damen eine blendende Idee. Und so kaufen wir schlussendlich pro forma ein Zugsbillett von Peking nach Hong Kong, das wir auf jedem Fall gegen eine kleine Gebühr wieder erstatten können. Zu guter Letzt empfiehlt uns die Verkäuferin auch noch einen Ausdruck unseres Heimfluges in drei Monaten bei zulegen. So machen wir uns nochmals auf die Suche nach einem Internetkaffee mit Drucker, welches wir heute zum Glück in der öffentlichen Bibliothek rasch finden. Da das Wetter miserabel ist, passen wir unser restliches Tagesprogramm dem Regen an. Wir konzentriert uns auf Sehenswürdigkeiten, die mehr oder weniger am trockenen zu besichtigen sind. Zuerst versuchen wir das fünft höchste Gebäude der Welt zu besteigen. Doch sehr zum Leidwesen von Odi finden wir keinen Lift, der uns ganz nach oben bringt. Mit der längsten Rolltreppe der Welt fahren wir anschliessend 17 Minuten durch SoHo. Obwohl man zwischendurch immer wieder umsteigen muss, will die Rolltreppe fast nicht mehr enden. Der einzige Nachteil: zurück geht es nur zu Fuss. Da unsere Backpacker-Frisuren nun doch schon einige versteckte Seitenhiebe aus der Heimat bekommen haben, will wenigstens ich etwas dagegen tun. Um das Resultat gleich vorwegzunehmen, meine Haare sind nun kürzer als die von Odi! Oh Schreck, oh Schreck! Dies ist die Folge eines klitzekleinen Missverständnisses zwischen mir und dem Coiffeur. Die Länge, die ich ihm am Anfang zeige, soll eigentlich abgeschnitten werden. Doch er interpretiert, das ich genau diese Länge noch auf meinem Kopf wünsche. Ja nu, da kann man nichts machen – weg ist weg. Dafür sind nun mit 100%iger Sicherheit alle kaputten Federn ebenfalls weg. Falls ihr in den nächsten Wochen keine Bilder mehr von mir in der Gallery findet, kennt ihr nun den Grund. Ich bin mir nicht sicher, ob meine vielen „Chruseli“ (die der Coiffeur natürlich voll der Hammer findet) auf dieser Seite öffentlich verewigt werden sollen…

The Giant Buddha

Mit dem Tram verlassen wir unser Quartier und fahren Richtung Ferry Pier. Obwohl wir beide der Meinung sind, dass jede Tramlinie beim Fährterminal vorbei kommt, erwischen wir prompt das falsche Tram. Irgendwo unterwegs steigen wir deshalb aus, um den Rest zum Terminal zu marschieren. Wir nutzen diese Gelegenheit und wählen den Weg am neunt höchsten Gebäude der Welt sowie am Convention und Exhibition Centre von Hong Kong vorbei. Mit der Boot fahren wir danach nach Lantau. Habt ihr gewusst, dass Hong Kong zu einem grossen Teil aus Inseln, Dschungel, Hügeln und Stränden (von der Wasserqualität wollen wir hier nicht sprechen) besteht? Wir auch nicht, aber dieser Ausflug beweist es uns endgültig. Nach einer kurzen Busfahrt erreichen wir schliesslich den grössten an der frischen Luft sitzenden bronzenen Buddha der Welt. Wow! Leider fängt es bei unserer Ankunft an zu regnen und der Buddha verschwindet im tiefen Nebel. Doch unser Karma und mein Versprechen, dass ich bei einer sofortigen Wetterbesserung eine Buddha-Statue kaufen werde, bringen die Sonne wie durch ein Wunder nach nur fünf Minuten wieder zum Vorschein. Selbstverständlich löse ich mein Versprechen sofort ein und kaufe mir einen kleinen Buddha. Mit der Gondelbahn fahren wir auf der anderen Seite des Hügels wieder zurück zur Metro. Dort wird unsere Aufmerksamkeit von einem riesigen Outlet Shoppingcenter in den Bann gezogen. Das Angebot ist gross und wir landen schlussendlich bei Esprit. Sehr zur Freude von Odi finde ich endlich einen Ersatz für meine ausgewaschenen und ausgetragenen Hosen. Er kauft sich ein neues T-Shirt. Bevor wir unser Budget noch mehr strapazieren, nehmen wir schliesslich die Metro nach Kowloon zu einem Night Market. Fressstände wie in Taiwan gibt es hier leider keine, dafür aber eine ganze Menge Markstände, bei denen man alle möglichen tollen Dinge kaufen kann. Dank Odis Verhandlungsgeschick erstehen wir erneut einen Buddha zu einem super Preis. Nach einem kurzen Fotostopp an der Wasserfront, geht es wieder zurück zum Hostel. Hier treffen wir auf einen Griechen, der uns eine Adresse gibt, wo man uns ganz bestimmt ein Visum für China ausstellen kann, falls es mit dem offiziellen Antrag nicht klappt. Bei dieser Variante braucht man weder irgendwelche Hotelreservationen noch irgendwelche Flüge. Wie das möglich ist? Na ja, die Variante ist nicht ganz legal und irgendeiner verdient wohl ein paar Dollar extra. Uns soll’s recht sein…

The Peak

Eigentlich wollen wir heute als allererstes auf die Post, um eine grössere Schachtel zu besorgen. Ja, wir haben zu viel eingekauft… Nach wenigen Metern werden unsere Blicke aber von einer gelben Schrift auf blauem Hintergrund magisch angezogen und wir landen stattdessen im Ikea. Der Laden und das Angebot scheinen überall auf der Welt absolut identisch zu sein. Der einzige Unterschied, hier wird zusätzlich alles auf Chinesisch angeschrieben. Da sich auch Odi entschieden hat seiner Backpacker-Frisur Bye bye zu sagen, kauft er – obwohl ich ihn immer noch zum Coiffeur schicken will – drei Scheren. Beim Ausgang essen wir zum z’Morge den obligaten Ikea-Hotdog und finden schliesslich auch noch die ursprünglich gesuchte Kartonschachtel. Auf dem Weg zum Hostel setzt Herr Odermatt all seine Überredungskünste ein und schafft es schliesslich mich davon zu überzeugen ihn nicht zum Coiffeur zu schicken (er will ja nicht so enden wie ich…). Ob das Resultat akzeptabel ist, könnt ihr selber entscheiden. Nun wollen wir aber das fantastische Wetter ausnutzen und uns noch ein paar Sehenswürdigkeiten von Hong Kong anschauen. Nach einem kurzen Tempelbesuch versuchen wir uns nochmals im Tram fahren und landen tatsächlich auf Anhieb am richtigen Ort, dem wohl berühmtesten Hochhaus der Stadt. Der Bank of China Tower ist das zehnt höchste Gebäude der Welt und endlich kann man mit dem Lift auch ein paar Stockwerke nach oben fahren, um die Aussicht zu geniessen. Als nächstes wollen wir uns das sympathische Soho-Quartier bei schönem Wetter anschauen. Hier gibt es einen weiteren berühmten Tempel, den wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Nach einem kleinen Orientierungslauf durch den botanischen Garten finden wir schliesslich das Peak-Tram. Die Aussicht auf dem Hausberg ist fantastisch. Keine einzige Wolke zeigt sich im stahlblauen Himmel und wir geniessen den Ausblick bei Tages- und Nachtlicht mit Hunderten von anderen Touristen.

Hong Kong, Skyline

We got it!

Heute schlafen wir wieder einmal richtig aus. Wir haben praktisch alles was wir uns vorgenommen haben besichtigt und wollen deshalb den Tag ruhig angehen. Wie jeden Morgen lassen wir uns zuerst etwas vom Olympiafieber anstecken. Zum TV schauen, packen wir unsere Souvenirs in das überdimensionale Päckli. Wow, das Teil wird richtig schwer und wir bringen schliesslich ganze 9,5 Kilo zur Post. Unser nächster Termin ist um sieben Uhr abends. Um diese Zeit wird sich entscheiden, ob wir unkompliziert in China einreisen können oder nicht. Da wir beide viel zu gespannt sind, ist unser Unternehmensgeist eher klein und wir lassen die Zeit beim „internetlen“ verstreichen. Endlich können wir schliesslich beim Reisebüro antraben und unsere Pässe wieder in Empfang nehmen. Wir können es kaum glauben, aber wir haben tatsächlich ein Visum für 30 Tage erhalten! Zum Abendessen treffen wir uns nochmals mit Derek. Er bringt uns in ein Restaurant mit feinem chinesischem Essen und zum Dessert in ein Restaurant, das sich auf Süsses spezialisiert hat. Beide Plätze sind sehr beliebt und entsprechend voll. Beim zweiten Restaurant müssen wir sogar mit einer Nummer auf der Strasse warten bis wir schliesslich einen Tisch bekommen. Da die Mieten in Hong Kong extrem hoch sind, werden alle Restaurants möglichst eng bestuhlt und vom Gast wird erwartet, dass er das Restaurant nach dem Essen mehr oder weniger sofort wieder verlässt. Doch eher ungewöhnlich für uns gemütliche Berner. Im Hotel haben wir übrigens einen ganz speziellen TV-Kanal. Wir können tatsächlich live alles was im Lift, in der Lobby und vor der Haustür passiert, beobachten. Zum Glück wissen wir nicht, wo es sonst noch alles irgendwelche Kameras hat…

Buchungssession

Wieder einmal steht uns heute eine Buchungssession im Internet bevor. Da wir morgen nun definitiv nach China reisen werden, müssen wir noch ein paar Sachen organisieren. Man weiss ja nie, welche Homepages in China funktionieren und welche von der Regierung gesperrt wurden. Nachdem wir uns auch mit allen notwendigen Printouts und genug Lesestoff eingedeckt haben, machen wir noch einen Ausflug aufs Land. Da wir keine Karte vom Kaff haben, müssen wir die Sehenswürdigkeit nach dem Einkreisverfahren suchen. Als wir schon fast aufgeben, entdecken wir die Stadt in der Stadt dann doch noch. Hier im Kat Hing Wai leben die Menschen seit Jahrhunderten Wand an Wand. Die Häuser wurden alle nur wenige Zentimeter von einander entfernt gebaut und man muss sich wirklich sehr gut mit seinem Nachbarn verstehen, um so leben zu können… Für das letzte z’Nacht in Hong Kong fahren wir nochmals zum Temple Street Night Market. Wie in K.L. und Bangkok findet man hier viele Strassenbeizen, wo man an der frischen Luft die asiatischen Spezialitäten geniessen kann. Ab morgen wartet also wieder ein neues Land auf uns. Wir sind gespannt, wie wir uns in diesem riesigen Land mit den vielen komischen Schriftzeichen zu Recht finden werden. Die Fortsetzung folgt wie immer auf dieser Homepage…

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Wir suchen…

… per 1. Dezember 2008 eine 3 – 4,5 Zimmer-Wohnung in Bern!

Unsere Ansprüche sind nach einem Jahr reisen und leben aus dem Tramper nicht überaus hoch. Trotzdem wünschen wir uns natürlich den einen oder anderen Luxus. Vor allem beim Bad müssen wir aber auf ein paar grundsätzliche Einrichtungen bestehen.

Wenn ihr also eine nette Bleibe für uns kennt, die um diese Zeit frei wird, meldet euch doch bei uns!

Taiwan

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Auf nach Taipei

Eigentlich wurde das neue Flughafenterminal in Manila vor mehreren Jahren fertig gebaut. Über die Gründe warum es bisher – obwohl dringend benötigt – nicht benutzt wurde, können wir nur spekulieren. Seit gestern ist nun jedoch alles anders und zwei einheimische Fluggesellschaften fliegen ab sofort ab Terminal 3. Unser Taxifahrer freut sich riesig, dass er uns dort abladen kann und ist ganz aufgeregt, ob er wohl auf dem Weg dorthin alles richtig macht. Nett wie wir sind, helfen wir ihm selbstverständlich beim Schilder lesen und fahren dann auch prompt am richtigen Ort vor. Auf den ersten Blick sieht das Gebäude fertig und modern aus. Doch auf den zweiten Blick fehlen grundsätzliche Details und alles ist noch recht provisorisch eingerichtet sowie organisiert. Das Chaos wirkt sich auch auf unseren Flug aus und wir fliegen mit satten drei Stunden Verspätung ab. In Taipei werden wir von strahlend blauem Himmel empfangen. Die Einreise klappt ohne Probleme und wir finden den Weg zum Guesthouse auf Anhieb. Unser erster Eindruck dieses Landes: sauber, relaxt, wenig Verkehr, ruhig, unaufdringliche Leute… Es scheint als ob Taiwan nicht umsonst oft auch als die Schweiz Asiens bezeichnet wird. Wenn wir nun auch noch mit den chinesischen Schriftzeichen zu recht kommen, kann hier eigentlich nichts schief gehen.

Nachfolgend noch ein Nachtrag zum gestrigen Tag: in der Schuhstatistik steht es nun 6:5 für Odi! Nach einigem Suchen, hat er in Manila doch noch ein akzeptables Nachfolgepaar für seine in Einzelteile zerlegten Turnschuhe gefunden!

Das höchste Gebäude der Welt

Bei der Morgentoilette entdecke ich im Badezimmer einen Föhn! Nach sechs Monaten ohne dieses westliche Luxusteil kann ich mein Glück kaum fassen und springe sofort unter die Dusche, um mir die Haare zu waschen. Nun gibt es doch wieder einmal ein paar Fotos von mir ohne Schafsfrisur… :-). Fertig gestylt machen wir uns schliesslich zu Fuss zum ersten Sighseeing-Tag in Taipei auf. Die Stadt beheimatet eine ganze Menge Parks. Überall haben sich die Menschen am heutigen Sonntag auf diesen Grünflächen versammelt und gehen geschäftig ihren Hobbies nach. Ich finde vor allem gefallen an den Fusswegen, die derart mit Steinen ausgelegt sind, dass man sich beim Gehen die Füsse massieren kann. Durch Zufall entdecken wir drei geschäftige Weekend-Märkte. Leider können wir uns nur auf dem Flohmarkt ein paar Souvenirs kaufen. Die Blumen vom Blumenmarkt würden den Transport in die Schweiz wohl nicht überleben und die kostbaren Steine auf dem Jademarkt sind uns schlicht zu teuer. Via Regierungsgebäude geht es weiter zur Memorial Hall, die der Ex-Diktator Chiang Kai-shek für sich errichtet hat. Wir sind überrascht, wie viele einheimische Touristen trotz jahrelanger Diktatur immer noch hierhin pilgern und alles akribisch in ihren Kameras festhalten. Da unsere Füsse langsam aber sicher doch etwas weh tun, beschliessen wir mit der Metro zum berühmtesten Gebäude der Stadt , dem Taipei 101 zu fahren.

Taiwan, 101 Tower

Das architektonische Meisterwerk ist mit 508 Metern Höhe das höchste Gebäude der Welt! Odi strahlt wie ein Marienkäfer als wir uns in die kurze Schlange vor dem weltweit schnellsten Lift anstellen. In nur gerade 37 Sekunden fahren wir vom 5. in den 89. Stock des Wolkenkratzers. Der Ausblick ist atemberaubend und auf einmal stehen wir auf Augenhöhe mit den Bergen rund um Taipei. In der ganzen Stadt gibt es kein Gebäude, dass auch nur annähernd so hoch wie Taipei 101 ist. Von hier oben sieht die ganze Stadt wie im Computerspiel Sim City aus. Auch der weltweit grösste Dämpfer kann man sich hier anschauen. Dank ihm hält das Gebäude Schwingungen jeglicher Art ohne Probleme aus und bleibt auch bei Erdbeben und Taifunen sicher stehen. Wow! Den Rest des Abends verbringen wir beim Skypen mit der Heimat. Wir quatschen solange, dass wir sogar das Abendessen verpassen und es schliesslich nur noch für einen kleinen Snack im 7eleven reicht. Aber das war’s wert… Unser erster Eindruck von Taipei hat sich heute definitiv bestätigt. Hier läuft wirklich alles geregelt und anständig ab. Überall herrscht Ordnung und nirgends wird gedrängelt. Wir sind heute tatsächlich einen ganzen Tag durch die Hauptstadt geschlendert, ohne dass uns auch nur eine einzige Person blöd angesprochen hätte.

Trainingslager für China

Unsere erste Herausforderung des Tages ist das Lesen eines Fahrplanes auf Chinesisch. Am Hauptbahnhof versuchen wir herauszufinden, wie und wann wir unseren geplanten Ausflug ins Hinterland am besten in Angriff nehmen. Da Odi das vergleichen der Zeichen schon recht im Griff hat, finden wir schliesslich die richtige Zeile und somit die gewünschte Information. Obwohl in Taipei einiges auch in lateinischen Buchstaben angeschrieben ist, dominieren die chinesischen Zeichen überall. Auch um das Englisch der Einheimischen steht es nicht wirklich zum Besten und wir werden immer auf Chinesisch angesprochen. Selten treffen wir auf ein paar besonders Begabte, die auch ein wenig Englisch sprechen. Unsere Wenigkeit kann nach drei Tagen Taiwan immerhin schon zwei Wörter (Hallo und Danke) auf Chinesisch. Ein besseres Trainingslager für unseren geplanten China-Aufenthalt können wir uns wirklich kaum wünschen. Nach der Feldforschung geht es weiter im Programm mit Sightseeing. Via dem trendigen und schrillen Quartier Ximending, wo alle Wünsche der taiwanesischen Teenies erfüllt werden, landen wir beim Snake Alley Night Market. Da es noch mitten am Tag ist, herrscht verständlicherweise tote Hose. Wir können aber bestätigen, dass man auch hier Schlangen essen und der Schlachtung live beiwohnen kann. Der Longshan Temple ist einer der schönsten und meist besuchten Tempelanlagen in Taipei. Selten haben wir einen Tempel gesehen, wo so reger Betrieb herrscht. Nach einem kurzen Abstecher zur Memorial Hall von Sun Yat-sen (das Salutieren lassen wir trotz dem überdimensionalen Hinweis sein…) landen wir schliesslich in einem Shopping-Center. Das einzige was uns wirklich überzeugt, ist die Bauweise der Mall. Man hat das Gefühl als befinde man sich in einem überdimensionalen Raumschiff, das demnächst ins All abhebt. Vom Shopping selber sind wir allerdings enttäuscht. Alles ist todschick und überteuert. Einzig bei der Elektronik kann man in Taiwan ein paar Schnäppchen machen. Die Zeiten als bei uns alles mit „Made in Taiwan“ angeschrieben war, scheinen definitiv vorbei zu sein. Zum z’Nacht steuern wir wieder einen der zahlreichen Night Markets an. Das undefinierbare Irgendwas (wir tippen auf Poulet-Sushi…) schmeckt nur Odi. Ich bleibe für einmal lieber bei Reis und Gemüse.

Fast wie auf dem „Güsche“

Heute wollen wir den „Güsche“ von Taipei besteigen. Bevor wir den Hausberg jedoch per Gondelbahn erklimmen können, müssen wir notfallmässig (ich bin kurz vor dem Hungertod…) im Mäc einkehren. Unglaublich aber wahr, hier wird sogar im McDonalds brav alles recycelt. Leider werden wir nicht wirklich schlau aus den netten Bildern auf den Abfallkübel und haben unsere liebe Mühe alles wie gefordert zu entsorgen. Die Fahrt auf den Maokong dauert ganze 28 Minuten. Die Hügel sind bekannt für die Teehäuser und Tag für Tag suchen die Bewohner von Taipei in Massen hier bei Tee und Bergluft eine Auszeit vom Stadtleben. Ganz so idyllisch wie wir uns das Plätzchen vorgestellt haben, ist es leider nicht. Immer wieder werden wir von Autos überholt und die Wanderwege sind derart schlecht ausgeschildert, dass wir wieder mit der Gondel ins Tal fahren müssen. Den Abend verbringen wir auf dem wohl berühmtesten Night Market der Stadt. Bevor wir uns an die kulinarischen Leckereien wagen, schlendern wir noch ein bisschen durch die Einkaufsstrassen. Einen derart angenehmen Night Market haben wir definitiv noch nie erlebt. Obwohl es mega viele Leute hat, kommen wir kein einziges mal in Hautkontakt mit den äusserst zurückhaltenden Taiwanesen. Da wir uns nicht für für ein spezielles Gericht entscheiden können, holen wir uns schliesslich diverse kleine „Probiererli“. Sogar eine Art Bratwurst, die nicht einmal so übel schmeckt, finden wir. Unser Favorit bleiben aber die wunderbaren Dumplings mit extrem scharfer Chili-Sauce.

Ausflug aufs Land

Da es in Taipei seit Tagen extrem heiss ist, lassen wir unsere ursprünglich geplante Wanderung ins Wasser fallen und nehmen statt dessen den Bus in zwei kleine Bergdörfer eine Stunde ausserhalb der Hauptstadt. Dank nachfragen, Zeichen vergleichen und einheimischen Touristen nachlaufen, finden wir schlussendlich den Weg nach Jinguashi und Jiufen. Bei der Touristeninfo in Jinguashi bekommen wir alle notwendigen Informationen über die zu bestaunenden Sehenswürdigkeiten – selbstverständlich auf Chinesisch! Der Mitschnitt dieser Erläuterungen tönt etwa so: „Ni’hau, tsching tschang tschung na hi teapot ning ning ning ning ying yang teapot bla bla bla, sissie“. Unser Antwort darauf ist ein gekonntes „Mmmmhhhhh“ – dieser Ausdruck kann in Asien so ziemlich für alles gebraucht werden… – und ein Lächeln. Da wir immerhin das Wort „Teapot“ verstehen und sogar noch eine Karte des Kaffs erhalten, finden wir alle Sehenswürdigkeiten ohne Probleme. Im nächsten Dorf schlendern wir durch die berühmte Jishan Street. Hier gibt es vor allem zwei Dinge zu tun:  lokale Spezialitäten probieren und Souvenirs kaufen. Selbstverständlich widmen auch wir uns beidem ausgiebig. Zurück in Taipei besuchen wir einen weiteren Night Market. Obwohl wir die gemütlichen Strassenbeizen à la K.L. ein wenig vermissen, sind wir wieder begeistert von den vielen Ständen und probieren jenste feine Sachen. Einfach köstlich!

Night Market, der 4.

An unserem letzten Tag in Taiwan machen wir nochmals einen langen Spaziergang durch Taipei. Nach einer Strasse mit alten Häusern, einem gut besuchten Tempel und vielen kleinen Läden, wo man allerhand chinesische Medizin gegen alle möglichen „Boboli’s“ erstehen kann, erreichen wir den Confucius Tempel. Der grösste Tempel der Stadt ist wirklich sehr gut erhalten und entsprechend sehenswert. Da unsere Füsse nach all dem Marschieren schon wieder einen Streik ankündigen, fahren wir mit der Metro nochmals zum grössten Gebäude der Welt. Mit Aussicht auf den Taipei 101 geniessen wir das letzte Taiwan Bier bevor wir uns auf einem der unzähligen Night Markets nochmals von Stand zu Stand fressen.

Taiwan, Night Market

Meist haben wir keine Ahnung was wir bestellen und lassen immer unsere Augen für unseren Magen entscheiden. Als besonderer Leckerbissen möchten wir heute die Wasabi-Reiswurst hervor heben.

Peking 2008

Heute Nacht schlafen wir nicht sehr gut. Im Guesthouse geht es zu wie in einem Bienenhaus und die Nachtschwärmer scheinen nicht müde zu werden. Als auf dem Gang endlich Ruhe einkehrt, werden dafür unsere Zimmernachbarn sehr munter. Es scheint als ob die beiden vergessen haben, dass unsere Zimmer nur durch eine hauchdünne Wand getrennt sind… :-). Wir wecken dafür am Morgen alle mit dem Staubsauger. Zu den billigen Unterkünften gehört auch, dass man ab und zu das Zimmer selber putzen muss. So kommt es, dass ich heute seit acht Monaten wieder einmal ein solches Ding in der Hand halte. Ein doch recht ungewohntes Gefühl… Pünktlich verlassen wir schliesslich Taipei und fliegen für einen Zwischenstopp von einer Nacht in unser „geliebtes“ Manila. Nicht das wir dies ganz freiwillig so gewählt hätten, aber Dank dem kleinen Umweg können wir eine ganze Menge Geld sparen. Dazu werden wir  heute fast wie zu Hause empfangen. Überall in den Strassen wehen Schweizer Fahnen im Abendlicht und heissen Mister Pascal Couchepin, der in zwei Tagen auf Staatsbesuch vorbei kommt, herzlich willkommen. Auch in Peking ist heute die Schweizer Fahne kurz überall in der Welt zu sehen sein, wenn Roger Federer die Schweizer Sportler an der Eröffnungsfeier der olympischen Spiele in das Stadion führt. Diese Aktualität will ich nutzen, um endlich das lange vorgenommene Loblied auf Roger auszusprechen. Einen besseren Botschafter kann sich die Schweiz kaum wünschen. Immer wieder werden wie beim Verraten unserer Nationalität auf ihn und seine sympathische Art angesprochen. Er gilt in allen Ländern, die wir bis anhin besucht haben als wahrer Gentleman und wird sehr geschätzt. Go Roger, go!

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