Romania

Short cut zu den Bildern

Bier aus der Petflasche

Noch ein bisschen schlaftrunken fahren wir um vier Uhr morgens in Bern los. Morgenstund hat bekanntlich Gold im Mund und so sind wir auf der Autobahn praktisch alleine unterwegs. Wie geplant erreichen wir den Flughafen Genf und finden auf Anhieb das Long Term Parking. Auf den Flügen mit der KLM via Amsterdam werden uns die besten Sandwichs serviert, die wir je in einem Flugzeug bekommen haben. Und dies mag doch schon etwas heissen, sind wir doch ab und zu in einem Flugzeug anzutreffen. Pünktlich landen wir in Bukarest und übernehmen unser Mietauto. Die Übergabe ist umständlich und dauert entsprechend lang. Nach dem der Papierkram erledigt ist, werden jeder sichtbare und unsichtbare Kratzer detailgetreu registriert sowie die “gröberen” Schäden sogar fotografiert. Obwohl die Strassenregeln gemäss Autovermietung und Lonely Planet streng sind und anscheinend auch entsprechend geahndet werden, merken wir schon nach wenigen Minuten, dass diese wohl eher Papiertiger sind. Die Rumänen fahren in rasantem Tempo schlicht und einfach dort durch, wo es gerade am besten passt. Zum Glück bin ich am Steuer, entspricht diese Fahrweise doch eher meinen Fahrkünsten… Im ersten Shoppingcenter decken wir uns mit Proviant für die nächsten Tage ein. Ganz besonders viel Freude findet Odi an der 2,5 Liter Petflasche gefüllt mit Bier. Da ich mir nicht ganz sicher bin, ob diese Flüssigkeit auch wirklich trinkbar ist, kaufen wir vorsichtshalber auch noch ein paar altbewährte Büchsen. Im Feierabendverkehr entfernen wir uns langsam von Bukarest und fahren in Richtung Horezu.

Romania, Sighisoara, Landscape

Dank Odi’s Navi finden wir den angesteuerten Campingplatz auf Anhieb. Eigentlich wollten wir ja zelten, aber das Bungalow ist derart günstig, dass wir uns spontan etwas Luxus gönnen. Die Zubereitung des Znacht wird schliesslich zu einem kleinen Abenteuer. Der Einweggrill funktioniert einwandfrei, doch das saftige Plätzli erinnert uns nach der Zubereitung doch eher an eine Schuhsohle. Zum Glück haben wir auch noch etwas (rund 2 Meter!) Wurst am Stück gekauft.

Auf der Fährte von Graf Dracula
Nach meinem Gesangskünsten, die Odi in Erinnerung rufen, dass er heute Geburi hat, fahren wir los zum ersten Highlight des Tages. Das Kloster von Horezu gehört zum Unesco Weltkulturerbe und besticht durch die einzigartige Vermischung von orientalischer und westlicher Baukunst. In der Kirche platzen wir direkt in einen ortodoxen Gottesdienst. Da wir nicht genau wissen, wie wir uns verhalten sollen, bleiben wir nahe an der Eingangstüre stehen. Irgendwie starren uns aber trotzdem alle Nonnen an und ich wage frisch von der Leber weg ein Lächeln. Dass dies wohl doch etwas gar gewagt war, wird mir bewusst als eine der Nonnen nach meinem Anblick urplötzlich beginnt hemmungslos zu weinen. Dies ist selbst mir zu viel und ich mache es Odi gleich und räume das Feld. Nach einer kurzen Fahrt erreichen wir das “richtige” Draculaschloss. Da sich hier fast jeder Ort irgendwie versucht mit dem berühmten Landsmann in Verbindung zu bringen, kann der genaue Zusammenhang jeweils nur erahnt werden. 1480 Stufen nachher stehen wir vor den Ruinen. Leider sind diese nicht sonderlich sehenswert und wir verweilen nicht allzu lange.

Romania, Sighisoara, Spider Web

Gemäss Planet soll die Bergstrasse über die transilvanischen Alpen ganz besonders eindrücklich sein. Klar, dass wir uns nicht zwei Mal bitten lassen und los fahren. Leider haaben wir zwischen den Zeilen nicht gelesen, dass es so kurvig wird und so lange dauert. Zu allem Übel leert sich auch unser Tank langsam aber sicht und das nächste Kaff scheint noch weit entfernt. Auf der Passhöhe treffen wir schliesslich sogar Schnee an. Trotz tiefen Temperaturen steigen wir kurz aus und probieren eine lokale Spezialtät: gegrillte Polentakugel gefüllt mit Schafskäse – gar nicht so übel. Die Rumänen lassen sich übrigens vom Wetter in keinster Weise beeindrucken. In jeder Kurve wird gegrillt und gecampt was das Zeugs hält. Runter geht es bekanntlich etwas schneller und spart zudem Benzin, so dass wir es doch noch bis zur nächsten Tankstelle schaffen. Da die Überquerung der transilvanischen Alpen doch etwas länger als geplant gedauert hat, beschliessen wir spontan eine Sehenswürdigkeit auszulassen. Dafür fahren wir auf direktem Weg nach Biertan, wo es eine der sieben Wehrkirchen zu bestauen gibt.

Romania, Biertan, Church

Die Bauten zählen alle zum Weltkulturerbe. Gerade noch rechtzeitig treffen wir dort ein und wir können die ganze Anlage kurz vor der Schliessung noch besichtigen. Hier begegnen wir zum ersten Mal der deutschen Vergangenheit von Transilvanien. Bis zum 15. Jahrhundert haben hier nämlich die Sachsen gelebt und so ist zum Beispiel in der Kirche alles deutsch angeschrieben. Interessant ist auch der Scheidungsraum, welcher neben der Kirche aufgestellt ist. Darin wurden Ehepaare, die sich scheiden lassen wollten, mindestens zwei Wochen zusammen eingesperrt. Im Zimmer gab es nur ein Bett und nur ein Besteck, so dass die verkrachten Eheleute sich irgendwie arrangieren mussten. Den Erzählungen zu folge wollte sich nach dieser intensiven Zeit während über 400 Jahren nur gerade ein Ehepaaare wirklich scheiden lassen. Unser Nachtlager schlagen wir in Sighisoara, dem Geburtsort von Dracula, auf. Wir haben Glück und bekommen im ersten Hotel das letzte Zimmer. Auf dem Stadtrundgang finden wir vor allem gefallen am deutschen Friedhof. Doch auch die Altstadt ist sehr schön und hat den Unesco-Status mehr als verdient. Zum Znacht sucht sich Odi eine Pizzeria aus, denn auch die Pizza ist hier eine Art Nationalgericht. Nach dem Essen machen wir nochmals einen Rundgang durch die Stadt. Leider finden wir weder Dracula noch sonst irgendwelche Vampire und der Friedhof ist zu Odi’s Enttäuschung auch geschlossen.

Bukarest
Durch eine wunderschöne Landschaft geht es in der abwechselnd sonnig, nebligen Landschaft langsam wieder retour in Richtung Bukarest. In Bran stoppen wir ein erstes Mal. Mit unzähligen einheimischen Touristen und einigen Asiaten besuchen wir das Schloss im Ort. Dracula hat hier anscheinend einige Nächte verbracht, was auch diesem Dorf das Recht gibt, daraus möglichst viel Profit zu schlagen. Auf das Schloss im nächsten Ort verzichten wir und fahren statt dessen weiter in das Grindelwald von Rumänien. Da wir das Bergkaff nicht sonderlich schön finden, lassen wir es bei der Besichtigung der Sommerresidenz von Ceau?escu sein.

Romania, Sinaia, Peles Castle

Ob es hier seinen Gästen – u.a. Gaddafi und Arafat – gefallen hat? Auf direktem Weg geht es weiter nach Bukarest. Wir finden auf Anhieb das angesteuerte Parkhaus und auch gleich neben dem Parkhaus ein Hotel. Beim Betreten des Zimmers staunen wir nicht schlecht. Zu einem speziellen Weekend-Preis bekommen wir eine halbe Wohnun; auch bekannt unter dem Namen Suite. Bei sommerlichen Temperaturen machen wir uns auf zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt. Wie immer führt uns der Lonely Planet-Walk zielstrebig von einem Höhepunkt zum nächsten. Die Stadt besticht durch die tolle Altstadt und die vielen historischen Gebäude. Die Ära von Ceau?escu ist überall zu spüren. An jeder Strassenecke finden sich Prunktbauten aus seiner Zeit. Bei seinem Palast bleibt uns schliesslich glatt die Spucke weg. Das zweit grösste Gebäude – nach dem Pentagon – der Welt ist einfach riiiiiiesig! Der Prunkbau erstreckt sich auf 330’000 m2 und hat nur gerade 3100 Zimmer. 3,3 Milliarden Dollar soll die Erstellung gekostet haben. Schlicht ein Wahnsinn, wenn man bedenkt, dass die Bevölkerung zeitgleich in grösster Armut leben musste. Zum Znacht kleckern auch wir: wir geniessen ein super feines Sushi in der romantischen Altstadt und lassen unseren Rumänien-Trip damit langsam aber sicher ausklingen.

Ab nach Hause
Nach dem Frühstück, welches selbstverständlich in unserer Suite-Übernachtung inbegriffen ist, fahren wir nochmals zum Palast von Ceau?escu, um davon Bild in der Morgensonne zu machen. Nach einigen Anfahrschwierigkeiten finden wir Dank Navi sowohl den Palast als später auch den Flughafen. Die Autorückgabe geht einiges schneller als die Übernahme; wir können dieses einfach hinstellen. In Amsterdam müssen wir vom Ankunfts- zum Abflugsgate rennen. Zu kurz ist unsere Umsteigezeit und zu weit von einander entfernt sind die beiden Gates. Dass dies nicht nötig gewesen wäre, zeigt sich kurze Zeit später. Nachdem alle Passagiere an Board sind, müssen alle nochmals aussteigen. Irgendeine Batterie hat den Geist aufgegeben und muss repariert werden. Mit über einer Stunde Verspätung geht es dann aber doch noch los.

Nachfolgend einige Sätze, welche uns nach diesen vier Tagen spontan zu Rumänien einfallen. Da das Land doch noch mit einigen Vorurteilen zu kämpfen hat, sollen diese zu einem positiveren Bild beitragen:

  • Der Unterschied zwischen Stadt und Land ist gross. Die Landbevölkerung lebt zum grössten Teil von der Landwirtschaft.
  • Bukarest hingegen muss keinen Vergleich zu einer andere europäischen Stadt scheuen.
  • Auf dem Land wird die Tradition immer noch gross geschrieben. Dies zeigt sich unter anderem in der traditionellen Kleidung der Leute.
  • Das Land hat hohe Berge, in denen man wunderbar wandern und wohl auch skifahren kann.
  • Die Strassen rund sind meist in gutem Zustand und wenn man nicht gerade einen Berg überquert kommt relativ rasch voran.
  • Die Fahrkünste der Rumänen sind eher gewöhnungsbedürftig bis kriminell.
  • Der Adidas-Trainer ist die inoffzielle Sonntagskluft.
  • Die Sprache ist ein Mix zwischen Französisch und Italienisch; Bsp. Guten Abend = Bouna sera, Danke = Merci.
  • Wer sich kein Auto leisten kann, fährt mit Pferd und Kutsche von A nach B.
  • Bier wird viel und ab den frühen Morgenstunden getrunken – auch aus Petflaschen.
  • Die Leute sind zurückhaltend, aber sehr freundlich.
  • Englisch ist nicht weit verbreitet.
  • Motels, Hotels und Pensionen gibt es wie Sand am Meer.
  • In den Dörfern laufen die Tiere überall frei herum.
  • Foodstände findet man überall.
  • Dracula war kein Blutsauger.
  • Wilde und streunende, aber nicht agressive Hunde gibt es viele.
  • Die Landschaft ist wunderschön.
  • Rumänen lieben das freie Campen und das Picnicen – egal wie ungemütlich das ausgesuchte Plätzchen ist. Meist gehört dazu auch ein grosses Feuer.
  • Alle paar Meter wird am Strassenrand irgendetwas verkauft. Zum Beispiel Käse, Wurst, Gemüse, Früchte, usw. Manchmal sogar Hunde.
  • Auch Bären soll es geben – leider haben wir keinen gesehen.
  • Und in einem Satz: wir würden wieder gehen!

Short cut zu den Bildern

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.

This blog is kept spam free by WP-SpamFree.