Kolkata and Varanasi

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Bye, bye Bangladesh; Hello India

Ohne Probleme bekommen wir unser Ticket für die Bahnfahrt an die indische Grenze. Die dreistündige Fahrt kostet uns satte 45 Rappen pro Person! Bis zur Abfahrt des Zuges dürfen wir uns in den VIP-Raum (wir sind die einzigen dir rein dürfen…) setzen. Um die Wartezeit bis zur Abfahrt ein bisschen zu verkürzen, wird uns sogar ein Tee serviert. Da Khulna die Abgangsstation ist, finden wir easy einen Sitzplatz. Darüber sind wir bald sehr froh, denn der Zug füllt sich von Station zu Station immer wie mehr. Bald ist es derart platschvoll, dass unserer Meinung nach gar niemand mehr rein passt. Zum Glück müssen wir erst an der Endstation raus… Die Ausreise aus Bangladesh klappt problemlos. Die Zöllner sind nett und freuen sich über den kurzen Schwatz mit uns. Bei den Indern wird es dann schon etwas komplizierter. Nach einem einzigen Blick auf unser Visum schnautzt der Zöllner, dass wir damit nicht einreisen könnten. Wir hätten ein Double Entry Visa (dummerweise haben wir in Double Entry erhalten, obwohl wir nur ein Single Entry beantragt haben…) und müssten uns somit seit dem letzten Aufenthalt mindestens zwei Monate ausserhalb von Indien aufgehalten haben. Unser Hinweis, dass dies unser erster Aufenthalt in Indien überhaupt sei, wird grosszügig überhört. Es bleibt uns nichts anderes übrig als Platz zu nehmen und abzuwarten. Irgendwann erinnert sich der Zöllner wieder an unsere Anwesenheit und erklärt uns nochmals die gleiche Leier. Auch wir betonen nochmals(dieses mal ein bisschen deutlicher…), dass wir noch nie in unserem Leben in Indien gewesen seien, erklären ihm unsere Reiseroute und zeigen ihm die dazugehörigen Stempel im Pass. Als er merkt, dass wir wahrscheinlich nicht ganz unrecht haben und ihm unsere Jobs in der Schweiz ansprechend genug sind, können wir schliesslich doch einreisen. Nach der Grenze steigen wir in einen Bus und fahren den Rest des Weges nach Kalkutta.

India, Kolkata, Taxies

Der erwartete Indien-Kulturschock bleibt (vorerst?!?) aus. Im Vergleich zu Bangladesh geht es hier weit weniger chaotisch zu und her und man merkt, dass Indien als Land doch einiges reicher ist. Ab der Stadtgrenze von Kalkutta geht schliesslich wieder einmal gar nichts mehr. Meter für Meter kämpfen wir uns durch den Stossverkehr und die Busfahrt will und will nicht enden. Zum Glück können wir uns irgendwann auf der Karte im Planet orientieren und wissen so wenigstens, wo wir uns ungefähr befinden und in welche Richtung wir fahren. Als wir endlich ankommen, finden wir nach zwei erfolglosen Anläufen ein ganz nettes Zimmer zu einem einigermassen akzeptablen Preis. Das letzte Ziel des heutigen Tages ist die Bar um die Ecke. Das Bier schmeckt hervorragend und wir geniessen das Kingfisher vom ersten bis zum letzten Schluck – prost!

Kalkutta

Liest man im Reiseführer die Sehenswürdigkeiten von Kalkutta durch, merkt man bald, dass es hier nicht wirklich viel bahnbrechendes zu bestaunen gibt. Entsprechend lassen wir den Tag ruhig angehen und nehmen uns nicht allzu viel vor. Nach dem Frühstück organisieren wir erstmals unsere Weiterreise nach Varanasi und verbringen fast zwei Stunden im Internet. Danach besuchen wir das Victoria Memorial. Das grosse Gebäude liegt in einem schönen und sauberen Park, welcher zum Flanieren einlädt. Das Bauwerk selber sieht aus wie ein Mix zwischen Taj Mahal und US-Capitol. Bevor wir uns am New Market auf die Dachterrasse eines Restaurants setzen, lassen wir uns noch ein bisschen vom indischen Strassenleben inspirieren und spazieren durch die Strassen von Kalkutta. Die Gerüche, die den Weg in unsere Nasen finden, sind vielfältig. Meist schmeckt es nach wunderbarem Curry oder anderen Snacks; nach Räucherstäbchen oder anderen angenehmen Gerüchen. Doch oft riecht es auch nicht ziemlich unappetitlich. Überall liegt Müll und die Notdurft wird an jeder nur erdenklichen Ecke erledigt. Das Gefälle innerhalb der Bevölkerung könnte kaum grösser sein: Businessmänner in Anzügen hetzen mit dem Handy am Ohr an Leuten vorbei, die mit ihrem wenigen Hab und Gut auf dem Trottoir leben. Zu kaufen gibt es überall alles: vom einfachen Kiosk in einem Bretterverschlag bis zum Rolex-Laden findet sich ebenfalls alles. Die Frauen in ihren farbigen Sahris sind so bunt wie das Leben in den Strassen in Kalkutta.

Lieber eine Reservationen zu viel, als eine zu wenig

Auf dem Spaziergang zum Kolonialviertel laufen wir per Zufall am Büro vorbei, wo Ausländer sämtliche Züge reservieren können. Eigentlich haben wir das bereits gestern an der Backbacker-Strasse in einem kleinen Reisebüro erledigt. Doch da wir die Reservation bis jetzt noch nicht wie besprochen abholen konnten und wir heute nach Varanasi weiterreisen wollen, machen wir nochmals eine Reservation. Man weiss ja nie… und für 12 Franken haben wir auch schon dümmeres gekauft. Zudem ist der Kauf selber ist jeden Franken wert: Bei Herr Nummer 1 müssen wir ein Formular ausfüllen. Bevor er uns hilft, singt er uns erstmals ein Lied vor. Mit dem ausgefüllten Formular müssen wir anschliessend warten bis unsere Nummer dran ist, bevor wir bei Herr Nummer 2 die Reservation tätigen können. Bei ihm müssen wir das Formular unter seiner fachkundigen Anleitung fertig ausfüllen, bevor er das Ticket schliesslich definitiv druckt. Pressiert ist hier niemand und so dauert das ganze Prozedere einige Zeit. Kleine Anmerkung am Rande: Wechselgeld gibt es keines… Das sind Zustände bei den indischen Staatsbahnen! Kein Wunder sind die Inder in der Schweiz immer derart erfreut ab den SBB… :-). Da wir schon mal dabei sind, testen wir auch noch gleich die Angestellten der Post. Auch der Markenkauf ist äusserst amüsant. Als wir den richtigen Schalter gefunden haben, werden wir zur Begrüssung erstmals so richtig angegorpst – very funny… Unser nächstes Ziel ist der Flower Market. Die Strasse ist lang, extrem farbenfroh und total overcrowded. Ein wahres Paradies für gute Fotos!

India, Kolkata, Flower Market

Via New Market und Dachterrasse mit Bier schauen wir nochmals beim Reisebüro vorbei, wo wir die erste Reservation getätigt haben. Und siehe da, auch sie haben es noch geschafft die Tickets auszustellen. Was wir Dank des doppelten Kaufes auch gleich gelernt haben: geh immer zum offiziellen Verkaufsschalter. Die Provisionen bei den Reisebüros sind hoch! Gut, dass wir diesen „Lehrblätz“ gleich am zweiten Tag in Indien gemacht haben. Die restliche Zeit bis zur Zugabfahrt verbringen wir im Hotel. Odi sortiert Fotos und ich mache mich im Planet über unsere weiteren Destinationen schlau. Mit dem Taxi geht es schliesslich an den Bahnhof. Da wir ganz schweizerisch überpünktlich sind, haben wir genug Zeit dem Treiben am Bahnhof noch ein bisschen zuzuschauen. Es geht zu und her wie in einem Bienenhaus. Vor allem die Vorortszüge platzen aus allen Nähten. Aus allen Ecken strömen die Inder auf die Züge. Die ganz Schlauen überqueren kurz vor Ankunft des Zuges sogar das Gleis und steigen anschliessend auf der Seite ohne Perronanschluss in den Zug ein! Was macht man nicht alles, um einen Platz zu ergattern. Nach drei Gleiswechseln finden auch wir das richtige Perron. Auch hier warten extrem viele Passagiere und wir fragen uns, ob diese wirklich alle Platz im Zug finden. Bevor wir einsteigen können, macht uns ein Amerikaner darauf aufmerksam, dass wir im Couchette unbedingt unser Gepäck anketten müssten. Untermauert mit ein paar Schauermärchen kaufen wir schliesslich zwei Ketten inkl. Schloss. Sicher ist sicher… Auch unser Zug ist schliesslich vollkommen überfüllt und wir sind nicht ganz sicher, ob wir wohl wirklich die richtigen Plätze gefunden haben. In unserem Abteil mit acht Betten sitzen und stehen ca. 20 Leute! Des Rätsels Lösung findet sich eine resp. zwei Stationen weiter. Die meisten steigen nämlich wieder aus und schlussendlich alle bekommen eine Liege.

Winter? Winter!

Wir schlafen recht gut im Nachtzug. Einzig die Kälte macht uns zu schaffen. Je weiter wir gegen Norden fahren, desto kühler wird es. Irgendwann müssen wir sogar unsere Winterjacken auspacken, damit wir einigermassen warm bleiben. Am Morgen versuchen wir uns mit Cha (= Tee) aufzuwärmen, welcher im Minutentakt an uns vorbei getragen wird. In der Holzklasse herrscht auch am Morgen reges Treiben. Passagiere kommen und gehen, Minibars servieren alle möglichen Leckereien und viele (Kinder-)Bettler finden den Weg in den Zug. Wie immer in solchen Situationen ist es nicht ganz einfach, das richtige Mass an Hilfe resp. unterlassener Hilfe zu finden. Die Armut ist allgegenwärtig und wir versuchen die Gratwanderung, die einem in Indien überall begegnet, so fair wie nur irgendwie möglich zu gestalten. Dass dies nicht immer ganz einfach ist, muss hier wohl nicht extra erwähnt werden. Übrigens haben wir am Morgen noch alle unsere sieben Sachen. Auch Odi’s Schuhe, welche kurzfristig als vermisst galten, finden sich unter dem einen Bett wieder. Nach 16 Stunden kommen wir in Varanasi an. Ich packe als erstes meine Kappe aus, damit mir nicht gleich die Ohren abfrieren. Es ist kaum über null Grad und wir sind total überrascht ab der Kälte. Nach dem wir ein Hotel gefunden haben, machen wir uns dann auch gleich auf die Suche nach zwei dicken Pullis und je einer Decke. Wir frieren derart, dass wir gegen Abend auch noch ein Öfeli fürs Hotelzimmer verlangen müssen. Irgendwie haben wir uns Indien ein bisschen wärmer vorgestellt und beim super feinen Znacht machen wir uns Gedanken über einen allfälligen Plan B.

India, Varanasi, Food Stand

Bevor wir unsere Pläne jedoch total umkrempeln, wollen wir erstmals die nächsten Tage abwarten. Vielleicht sieht es ja morgen schon wieder ganz anders aus. Unsere Gedanken sind heute auch immer wieder bei den Leuten, die bei diesen Temperaturen jede Nacht draussen übernachten müssen. Uns wird wieder einmal klar, wie gut wir es haben und wie glücklich wir uns schätzen können.

Varanasi

Der Nebel, welcher sich beim Blick aus dem Fenster zeigt, verheisst keine wärmeren Temperaturen als gestern. Wir lassen es deshalb ruhig angehen und verbringen den Morgen im Internetkaffee des Hotels. Als alles erledigt ist, packen wir uns warm ein und fahren zum Bahnhof, um die morgige Weiterfahrt zu organisieren. Hier in Varanasi sind die Schalterbeamten nicht ganz so lustig wie in Kalkutta. Wechselgeld gibt es jedoch auch hier keines. Anschliessend geht es zum Ganges.

India, Varanasi, Man

Varanasi gehört zu den sieben heiligsten Städten Indiens und der Ganges gilt als heiligster Fluss des Landes. Ein Bad im Fluss ist deshalb so ziemlich etwas vom Heiligsten was ein Hindu in seinem Leben machen kann. Am Ganges hat es dazu viele so genannte Gats. Die meisten dieser treppenartigen Zugänge sind für die Badenden reserviert und trotz der kalten Temperaturen (es ist ein bisschen wärmer als gestern, da sich in der Zwischenzeit die Sonne zeigt) hat es ziemlich viele Hindu’s, die sich dem heiligen Bad unterziehen. Wir schlendern von Gat zu Gat und beobachten die Gläubigen bei ihren Ritualen. Einige Gats sind für Kremierungen reserviert. Wie das Bad gilt auch die Kremierung in Varanasi als besonders erstrebenswert. Bevor die Leichen am Fluss verbrannt werden, wird der Verstorbene auf einer Barre ein letztes Maln in den Ganges getaucht. Wer nicht genug Geld für das Holz aufbringen kann, wird ohne Kremierung direkt dem Fluss übergeben. Es herrscht ziemlich viel Betrieb bei diesen Gats und ein Einheimischer erzählt uns, dass 24 Stunden pro Tag Leute kremiert werden. Bis die Leiche verbrannt ist, vergehen im Normalfall drei Stunden und es gilt als Kunst für jeden Leichnam die genau richtige Menge an Holz anzuzünden. In Varanasi trifft man auch auf viele alte Leute. Es heisst, wer hier sterbe, überspringe den Zyklus der Wiedergeburt, weshalb die älteren Menschen hier geduldig auf ihren Tod warten. Die Zeit vergeht schnell und nach vier Stunden „soaking up the atmosphere“ (der Lieblingsspruch eines jeden Lonely Planet-Autors…) haben wir genug gesehen und lassen uns wieder ins Hotel kutschieren. Irgendwie haben wir uns Varanasi ein bisschen anders vorgestellt „heiliger“, farbiger, chaotischer, lebendiger… An diese Stelle passt deshalb das Zitat von Mel:„A holy place is never holy. Holyness is within you!“.

2AC

Den Sonnenaufgang können wir auch heute wieder getrost sausen lassen. Der Nebel ist derart dick, dass die Sonne weit und breit nirgendwo zusehen ist. Gut verpackt in sechs Schichten machen wir uns trotzdem nochmals auf zum Ganges.

India, Varanasi, Woman

Beim ersten Gat mieten wir ein Boot und lassen uns fast zwei Stunden den Fluss hinauf und hinunter gondeln. Der Nebel hat auch sein Gutes; irgendwie sieht alles etwas mythisch aus. Auch heute morgen haben sich wieder viele Hindus am Fluss versammelt. Die ganz Hartgesottenen springen trotz der Kälte in den Fluss und waschen sich mit dem heiligen Wasser. Als unsere Glieder auch nach einem Spaziergang durch die Stadt nicht wieder warm werden wollen, fahren wir zurück zum Hotel und geniessen eine warme Dusche. Gegen vier Uhr verlassen wir schliesslich Varanasi und steigen am Bahnhof in den Nachtzug nach Mathura ein. Obwohl wir eigentlich nach Agra (= Taj Mahal) wollen, nehmen wir diesen kleinen Umweg auf uns. Der Herr vom Tourist Office hat uns dies empfohlen, da der Zug, welcher direkt nach Agra reist, nie pünktlich sei. Und siehe da, losfahren tun wir schon mal ganz „on time“. Für diese Nacht gönnen wir uns etwas Luxus. Wir haben zwei Betten in einem sogenannten 2 AC reserviert. 2 bedeutet 2 Betten übereinander und AC ist die Klimaanlage. Wir staunen nicht schlecht ab den super Plätzen, welche uns zugewiesen werden. Gegenüber der Sleeper-Klasse ist es hier WARM, ruhig, man bekommt Decken, Kissen und Lacken und wenn man wünscht auch Essen am Platz. Eine ziemlich gediegene Sache!

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One thought on “Kolkata and Varanasi

  1. Anna

    Hallo ihr zwei,
    schön Euch im Zug kennengelernt zu haben. FInde Euren Blog echt schön 🙂 Ihr habt so von Eurem Hotel in Varanassi geschwärmt, dass ich da auch gerne hinfahren würde…
    Könnt ihr mir den Namen schicken anna****@gmx.de ? Das wäre superlieb.. Alles Liebe,
    Anna aus Lucknow

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