New Delhi

Short cut zu den Bildern

Adieu Sommer

Heute verlassen wir Goa und fliegen für die letzten paar Tage unserer Reise nach Delhi. Da wir wissen, dass uns zu Hause der Winter erwartet, fällt der Abschied schwer. Gerne würden wir die Flip Flops und kurzen Hosen auch zu Hause gleich wieder anziehen! Wie bereits auf dem Hinflug haben wir auch dieses Mal wieder fast zwei Stunden Verspätung. Uns fällt auf, dass eigentlich nur unsere Airline immer zu spät ist. Ja nu, man kann nicht alles haben. Die Kombination günstig und pünktlich gibt es wohl auf dem indischen Markt nicht. Am Flughafen von Delhi werden wir von zwei Mitarbeitern des gebuchten Hotels erwartet. Das Schild, dass die beiden in die Höhen halten, ist eigentlich nicht entzifferbar. In meinem Nachnamen hat es ungefähr zehn Fehler. Wer jetzt denkt, dass dies wegen meiner hässlichen Handschrift sei, täuscht sich. Die Reservation habe ich nämlich per Internet gemacht… Doch auch so, scheint „Fankhauser“ kaum schreibbar. Immerhin haben sie „Karin“ fehlerfrei aufs Papier gebracht. Das Hotel ist gut gelegen und wir bekommen ein schönes und grosses Zimmer. Dieses war auch nicht ganz gratis. Aber am Ende der Reise darf man sich schliesslich auch etwas gönnen.

Unesco Welterbe Nummer 13

Wir beginnen unseren Tag mit dem Besuch des Humayum’s Tomb. Das Grabmal ist das 13te und letzte Unesco Welterbe dieser Reise. Da wir in den letzten Wochen schon ein paar ähnliche Bauten gesehen haben, sind wir nicht übermässig beeindruckt. Irgendwann gleichen sich diese Tomb’s doch alle sehr.

India, Delhi, Humayuns Tomb

Auch der Connaught Place haut uns nicht aus den Socken. Obwohl der Strassenverlauf auf der Karte – es ist alles kreisförmig gebaut – interessant aussieht, ist es live nur halb so eindrücklich. Auch die zahlreichen Shops um den Platz sind nicht ganz nach unserem Geschmack. Eigentlich haben wir gedacht, dass wir in Delhi noch einige Klamotten kaufen können. Doch die neuste Mode von Delhi scheint nicht ganz die gleiche zu sein wie in Bern und wir suchen vergebens ein MBK oder BB Plaza. Und so lassen wir es dann auch gleich sein mit den Jeans und T-Shirts und geben unser Geld stattdessen für Souvenirs im Main Bazar aus. Diese sind zum Glück immer zeitgemäss – auch bei uns zu Hause. Hier in Delhi hat es wieder übermässig viele Stürmis. Überall wird uns der Weg zu irgend einem Shop gezeigt. Zwei Mal werden uns auch Drogen angeboten. Dank klaren Ansagen auf Englisch („piss of“) und Bärndütsch („fahr ab“) hauen die Jungs aber schnell wieder ab. Das Znacht gibt’s schliesslich in Happen. Wir kehren in drei verschiedenen Beizen ein: 1. Beiz = ein Bierchen, 2. Beiz = Dal und Roti, 3. Beiz = Mutton- und Chicken-Kebap. Mmmmmhhhhh…

Old Delhi

Bei unserem ersten Ziel stossen wir auf verschlossene Türen. Da Morgen der Republic Day (= offizieller Feiertag mit einer riesigen Militärparade) ist, hat das Red Fort bereits heute zu. Es scheint als ob die Polizei kein Risiko eingehen will und bereits einen Tag vor den Feierlichkeiten die wichtigsten Sehenswürdigkeit und Strassen bewacht resp. absperrt. Wir verschieben den Besuch auf einen späteren Zeitpunkt und besuchen stattdessen die grösste Moschee von Indien sowie die Altstadt von Dehli. Die Moschee ist nicht extrem prunkvoll, aber sehr gross und irgendwie trotzdem eindrücklich. 25’000 Gläubige finden hier zum gemeinsamen Gebet Platz. Neu ist für uns, dass man hier auf ein Minarett steigen kann. Wir nutzen diese Chance und geniessen den Ausblick über die Altstadt aus luftiger Höhe. Old Dehli selber ist ein Wirrwarr aus engen Gässchen mit unzähligen Shops. Wir laufen planlos durch die Gegend und erfreuen uns ab all den Farben und Geschmäckern, welche uns in jeder Ecke begegnen.

India, Delhi, Chapati

Nach dem Sightseeing-Programm haben wir Lust auf etwas Ruhe und ein Bier an der frischen Luft. Dank dem Planet wissen wir, dass es um den Connaught Place einige Plätzchen hat, die uns genau dies bieten können. Um dorthin zu gelangen, nehmen wir die Metro. Wir staunen wie sauber und modern diese ist. Die Preise sind moderat, so dass sich auch viele Einheimische dieses Fortbewegungsmittel leisten können. Die Metro wurde übrigens extra für die Commonwealth Games, welche im 2010 in Delhi stattgefunden haben, gebaut. Heute kommen wir doch auch noch kurz ins Shoppingfieber. Allerdings endet nicht jeder Kauf erfolgreich. Die zwei Paar Jeans, welche wir für ein paar Rupies auf dem Markt kaufen, entpuppen sich bei der späteren Anprobe im Hotel als zu klein. Dafür passen die Schuhe umso besser. Und die Bronzestatuen sind sowieso der Hit!

Republic Day

Da heute der Nationalfeiertag Indiens ist, geht nicht viel. Die Strassen sind für indische Verhältnisse leer, die meisten Shops haben zu und die Stürmis haben irgendwie auch alle frei. Bereits beim Frühstück läuft der TV und zeigt live die Parade zum Republic Day. Die Servierboys sind derart fasziniert von den Feierlichkeiten, dass wir unseren Kaffee mehrmals bestellen müssen. Zuerst zeigen alle möglichen militärischen Gruppierungen ihr Können. Später darf sich auch noch jeder District auf einem eigenen Themenwagen vorstellen. Zum Abschluss der Parade gibt es schliesslich noch etwas Action: die Kampfjets fliegen ihre Formationen über der Stadt. Wir können dies sowohl im TV als auch aus dem Hotelfenster bestens beobachten und sind so doch noch halb live mit dabei. Um noch ein bisschen nach draussen zu kommen, machen wir nochmals einen Spaziergang über den Main Bazar und die dazugehörigen Hintergässchen. Zum Znacht wollen wir uns ein letztes Mal in einem Restaurant verwöhnen lassen. Leider ist unsere Wahl nicht gerade gut. Das Essen ist solala und wir sind ein bisschen reuig, dass wir uns nicht auf der Strasse einen Snack gegönnt haben.

Namaste India!

Nach drei Tagen ist heute das Red Fort endlich wieder für die Öffentlichkeit zugängig. Obwohl das Gelände gross ist, sind wir bald mit der Besichtigung fertig. Es hat nur wenige alte und somit sehenswerte Gebäude. Der grosse Teil ist überbaut mit neueren, hässlichen Bauten, die man getrost bei Seite lassen kann. Schade, im Vergleich zu den anderen Forts, welche wir in Indien besucht haben, landet dieses ganz klar weit abgeschlagen auf dem letzten Platz. Auf dem Rückweg durch Old Dehli geniessen wir ein letztes Mal so richtig den Alltag in den indischen Strassen.

India, Delhi, Fruits

Wir machen „soak up the atmosphere“ und speichern all die farbenfrohen und lebensbejahenden Bildern fest in unseren Köpfen ab. Am Nami treffen wir uns mit einer NGO (www.saalambaalaktrust.com) und machen einen zweistündigen City Walk. Die Organisation kümmert sich um die Strassenkinder, welche im und um den Hauptbahnhof von Delhi leben. Nur in der Hauptstadt selber gibt es 100’000 solcher Kinder!. Die Gründe dafür sind vielfältig. Viele hauen von zu Hause ab, weil die Familie nicht genug zu Essen hat für alle oder weil sie geschlagen oder missbraucht werden. Viele gehen auch einfach verloren. Die meisten bei einem religiösen Fest, viele jedoch auch beim Herumreisen. Alleine am Bahnhof von Delhi sollen täglich 30 Kinder „verloren“ gehen. Für uns unvorstellbar! Ein bisschen lächeln, müssen wir beim nächsten Grund: viele reissen zu Hause aus, weil sie unbedingt ein Bollywood-Star werden wollen und denken, dass sie dies in der Grossstadt am besten erreichen. Die meisten Kinder landen über kurz oder lang an einem Bahnhof, da hier das Überleben am einfachsten ist. Mit dem recyclen von Abfall können sie pro Tag rund vier Dollar verdienen. Mit Betteln und Stehlen gibt’s noch ein paar Rupies extra. Das Geld muss nicht für Essen eingesetzt werden. In den Zügen finden sich immer genug Reste und wenn dies trotzdem nicht reicht, kann jeder Inder in einem Sikkh-Tempel 24h pro Tag gratis Essen bekommen. Oft brauchen die Kinder das Geld für Drogen (Leim schnüffeln und Kokain). Noch viel beliebter ist es jedoch das Geld für Bollywood-Filme auszugeben. Mit jedem neuen Film, welcher am Freitag in die Kinos kommt, können sie in für einige Stunden in ihr Wunschleben entfliehen. Der TV ist damit meist auch der Hauptgrund, warum die Kinder schliesslich bei Saalam Baalak Trust landen. Welcher Fan kann schon nein sagen, wenn er seine Lieblinge jeden Tag und erst noch gratis im TV sehen kann! Natürlich bietet die Organisation den Kindern auch noch weitere Benefits. Neben Essen, Betreuung, medizinischer Versorgung und einem Dach über dem Kopf gibt es auch Schulbildung. Kein Kind wird gezwungen, sich der Organisation anzuschliessen. Die Mitarbeiter von Saalam Baarak Trust sind jeden Tag in der Region des Bahnhofes unterwegs, um mit Kindern zu sprechen und ihnen die Möglichkeit eines anderen Lebens zu bieten. Vor allem bei den Mädels ist schnelles handeln wichtig. Ansonsten landen diese sehr schnell in der Prositution. Viele Kinder wollen die Freiheit des Strassenlebens nicht aufgeben und entscheiden sich bewusst für das gewählte Leben. Aus diesem Grund unterhält die Organisation auch zwei verschiedene sogenannte Shelters. Die eine Art ist für Kinder, welche nicht mehr auf der Strasse leben wollen, die andere Art ist eine Anlaufstelle, welche jeden Tag vier Stunden geöffnet hat und die Strassenkinder bei jeglichen Problemen unterstützt. Wir besuchen auf dem Walk beide Orte. Da die Anlaufstelle bereits geschlossen hat, treffen wir dort nur auf Angestellte, welche mit dem registrieren der Bahnhofkinder beschäftigt sind. Im Shelter, wo die Kinder leben, welche sich fest der Organisation angeschlossen haben, ist viel Betrieb. Wir platzen mitten in eine Schulstunde und werden von den Kindern herzlich empfangen. Der jüngste ist gerade mal sechs Jahre alt! Sie geniessen die Abwechslung sehr und können sich kaum mehr von uns losreissen. Wir sind dankbar, dass wir diesen Eindruck an unserem letzten Tag in Indien bekommen durften und verstehen nun das Leben der Strassenkinder um einiges besser. Übrigens ist die Organisation natürlich auch sehr bemüht Kinder, welche verloren gegangen sind, wieder nach Hause zu bringen. In einigen Fällen gelingt dies, in einigen jedoch leider auch nicht.

India, Delhi, Spices

Zum Abschluss der Indienreise kann ich an dieser Stelle auch noch über ein anderes „Projekt“ berichten. Odi hat seit der Einreise sein Portemonnaie mit einigen Rupies drin immer im Hosensack herum getragen. Der Selbsttest sollte zeigen, ob er es schafft, dieses sicher bis nach Delhi zu bringen. Und siehe da: alles ist noch da – no pickpocketing!
Den Rest des Abends verbringen wir im Hotelzimmer. Kurz nach Mitternacht steigen wir ins Taxi, lassen uns zum Flughafen bringen und sagen: Bye bye, incredible India!

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