Balkan Peninsula

Short cut zu den Bildern

 

Auf geht’s in die ersten Ferien zu dritt!
Im strömenden Regen füllen wir den Camper mit den restlichen Sachen. Ja, wir hatten auch schon weniger dabei… Aber schliesslich waren wir auch noch nie zu dritt unterwegs und wir Eltern müssen zuerst unsere Erfahrungen mit Ferien mit Kind machen. Deshalb lautet das Motto für die erste Reise “Lieber zu viel als zu wenig!”. Plan B kommt kurzerhand wegen Anina’s Wägeli zum Zug. Das grosse Mobil nimmt einfach viel zu viel Platz weg und wir beschliessen kurzerhand auf dem Weg auf die Autobahn einen Neugeborenen-Buggy zu kaufen. Wir werden sehen, ob dies eine kluge Entscheidung war… Am Gotthard finden wir uns im gewohnten Wochenendstau wieder. Fast zwei Stunden brauchen wir bis zur Tunneleinfahrt. Anina nimmt’s gelassen und verpennt das ganze mehr oder weniger ohne mit der Wimper zu zucken. Auch die restliche Fahrt geht wie im Baby-Bilderbuch über die Bühne. Das sanfte Vibrieren des Camper verhilft ihr zu einem tiefen und langen Schlaf. Am Lago di Iseo schlagen wir schliesslich unser Nachtlager auf. Nachdem alles seinen Platz im Camper gefunden hat, gibt’s Picnic, Schoppen, Dusche und schliesslich Nachtruhe. Mal schauen, ob die Dame im Camper genau so gut schläft wie zu Hause…

Anina’s erstes Unesco Welterbe
Ja, die Nacht war wie zu Hause: einmal trinken und weiterschlafen bis kurz vor sieben. Sehr gut! Noch sind wir am Morgen nicht ganz soooo tiffig parat. Wir brauchen fast zwei Stunden bis wir zum Losfahren bereit sind. Egal, wir nehmen’s sowieso gemütlich und lassen uns resp. der Lady die notwendige Zeit. Unser erstes Ziel sind Felszeichnungen einige Kilometer nördlich vom Lago di Iseo: Anina’s erstes Unesco Welterbe! Über 170’000 solcher Malerei aus der Bronze- und frühen Eisenzeit kann man hier in der Umgebung finden. Eindrücklich, wenn man bedenkt, dass das Ganze ureselalt ist. Mit Sicht auf Venedig quartieren wir uns am späteren Nami auf einem Camping ein. Beeindruckend und fragwürdig zugleich sind die riesigen Kreuzfahrtschiffe, welche mitten in Venedig ankern. Die Dinger sind tatsächlich ungefähr doppelt so gross, wie das höchste Gebäude in der Lagungenstadt und richten gemäss einem Dokfilm, welchen wir zu Hause gesehen haben, unglaublich viel Schaden an, wenn sie durch die Stadt tuckerln.

Venezia
Heute steht Venedig auf dem Programm. Selbstverständlich ist die auf mehr als 100 Inseln verteilte Stadt Unesco Welterbe. Wir konzentrieren uns bei unserem Besuch nur auf die paar wichtigsten Inseln – schliesslich wollen wir nicht die ganzen Ferien hier verbringen.

Italy, Venice, Houses

Venedig ist ganz einfach eine Augenweide! Vor allem abseits des Touristenstroms können wir uns kaum an den Kanälen und alten Häusern satt sehen. Anina gefällt’s auch. Sie schaut die meiste Zeit ganz aufmerksam durch die Gegend. Die Kleine hat so viel Charme, dass sie prompt von einem Inder fotografiert wird und ein Gondoliere sie unbedingt in die Arme nehmen will. Das fängt ja gut an, wenn sie schon mit knapp drei Monaten bei der Männerwelt so gut ankommt… Der Buggy entpuppt sich als sehr gute Investition. Zwar kann Anina aufgrund des unebenen Bodens kaum darin Platz nehmen, aber unser gesamtes Bagage fährt darin doch bestens durch die Stadt. Auch der Papa ist ganz schön froh über den handlichen Buggy, muss er das Teil doch gefühlte 100 Brücken mit Treppen rauf und runter tragen. Nicht auszudenken, wenn wir die grosse mindestens doppelt so schwere Karre mitgenommen hätten. Das einzige Malheure mit der Dame ist eine büchstäbliche Explosion ihres Darms. Wir wollen an dieser Stelle keine Details nennen. Nur so viel: zurück auf dem Camping gibt’s die erste Wäsche.

Auf nach Kroatien
Der Pass von Anina wird ein erstes Mal an der Grenzen zwischen Slowenien und Kroatien kontrolliert. Der Zöllner meint: “Very fast tourist”. Na ja, was genau er damit meint, wissen wir nicht, aber Dank des Baby-Bonus können wir subito weiterfahren. Kroatien ist für alle drei Neuland. Wir fühlen uns auf Anhieb sehr wohl. Porec, unser erstes Ziel hier, bietet eine schöne Altstadt mit einer berühmten Basilica, welche von der Unesco zum Weltkulturerbe ernannt wurde. Einige Kilometer südlich schlagen wir unser Nachtlager auf dem bis anhin schönsten Campingplatz direkt am Meer auf. Zwei Dinge sind heute für die Lady speziell: sie kann zum ersten Mal die Füsse ins Meer halten und entdeckt ihren Daumen als Lutschelement. Für mehr als für die Füsse reicht es übrigens nicht. Das Meer ist viel zu kalt und die Lufttemperaturen mit rund 20 Grad auch noch nicht gerade der Hit.

Insel Cres
Nach einem Shoppinghalt, wo wir einen neuen Wasserkocher erstehen, verlassen wir Istrien bereits wieder. Auf dem Weg auf die Insel Cres gibt’s zwei Fotohalte: 1x mit Sicht auf einen kristallblauen Fjord – wir müssen ein bisschen länger als geplant verweilen, da die Lady heute eher einen schwarzen Tag gezogen hat und den ganzen Aussichtspunkt mit ihrem Gesang unterhält – sowie 1x mit Sicht auf ein hübsches Städtchen am Meer.

Croatia, Rovinj, Flower

Mit der Fähre setzen wir schliesslich nach Cres über. Nach rund 20 Minuten erreichen wir die Insel – übrigens eine der über 1000 Inseln Kroatiens – und landen wieder auf einem sehr schönen Camping am Meer. Ok, die Meersicht überlassen wir heute lieber den anderen und ziehen uns stattdessen in den hinteren Teil der Anlage zurück. Etwas Ruhe und Abgeschiedenheit ist doch allemal besser als zu viele Nachbarn.

Ins Hinterland
Da man auf Cres nicht viel mehr als schön campen (kann man fast überall in diesem Land), baden (das Meer ist viel zu kalt), tauchen (das Meer ist immer noch viel zu kalt), Füsse hochlagern (entspricht uns nicht über längere Zeit) und Landschaft geniessen (kann man auch beim über die Insel fahren) kann, setzen wir heute mit der Fähre bereits wieder über via Insel Krk in Richtung Hinterland. Krk ist nicht halb so schön wie Cres. Hier wohnen eine Unmenge mehr Leute und der Tourismus ist um ein Vielfaches verbreiteter. Für uns zwei gute Gründe nicht länger zu verweilen und stattdessen direkt zu unserem nächsten Ziel, dem Plitvicka Jezera National Park zu fahren. Hier fühlen wir uns gerade gar nicht mehr wie in der Vorsaison. Der Camping ist überfüllt und nicht gerade eine Augenweide. Hoffen wir, dass der National Park morgen dafür umso besser wird. Eigentlich sollte er, schliesslich gehört er zum Unesco Weltnaturerbe. We will see…

Plitvicka Jezera National Park
Heute steht Aninas erste Wanderung auf dem Programm. In den Baby-Björn verpackt, geht’s – zuerst schlafend – los. Die Landschaft ist wirklich wunderschön. Mehrere Seen sind durch zahlreiche kleine und grosse Wasserfälle miteinander verbunden.

Croatia, Plitvice National Park, Waterfall

Das Wasser ist glasklar und farblich einfach genial. Die meisten werden die Gegend aus einem Winnetou-Film kennen. In der Folge “Der Schatz am Silbersee” wurde eine Szene hier gedreht. Wer sich erinnern kann und es kitschig findet, genau so kitschig ist es hier auch in echt. Anina schaut in der Zwischenzeit auf die andere Seite, sprich von mir weg, und erntet “Jööööös” am Laufmeter. Mit einem Kind wird man wirklich augenblicklich zu Attraktion. Meist werden wir bewundert, dass wir mit der kleinen Lady schon unterwegs sind. Es gibt aber auch skeptische Blicke. Die stören uns jedoch nicht, schliesslich ist unser Motto “Sind die Eltern zufrieden, geht es auch dem Kind gut”. Mit der Ankunft der grossen Masse an Touristen beenden wir unsere Wanderung und fahren wieder zurück ans Meer. Ach ja, etwas Wildlife haben wir auch noch gesehen: Fische, Enten, Schulreisen, Japaner und Schlangen!

Schmucke kroatische Altstädtchen
Nach dem Schoppinghalt stehen heute wieder zwei Unesco Weltkulturerbe auf dem Programm. In Sibenik gibt’s nach einem kurzen Spaziergang durch die schmucke Altstadt eine Kathedrale zu bewundern. In Trogir ist die ganze Altstadt unter den Fittichen der Unesco. Beide Orte gefallen uns sehr gut und sind definitiv einen Besuch wert. Den Nami verbringen wir auf dem Camping bei Split. Das Wetter ist inzwischen derart sommerlich heiss, dass wir nach wenigen Minuten unseren zugeteilten Standplatz, welcher komplett ohne Schatten ist, wechseln müssen. Zum Glück macht Anina die Hitze bis jetzt nicht allzu viel aus. Nur im Auto wird es ihr ab und an doch etwas zu heiss. Aber das liegt vielleicht auch am Maxi Cosi, welches sie im Moment nur noch begrenzt lustig findet.

Split und Mostar, zwei Unesco Weltkulturerbe
Nach dem längsten Check-out ever ist unser erster Programmpunkt der Besuch der Stadt Split. Sehr praktisch ist, dass das Sehenswerte sich auf einen römischen Palast, eine Art kleine Stadt hinter Mauern, beschränkt. Die unglaublich vielen Touristen lassen eine friedliche Besichtigung kaum zu. Entsprechend sind wir bald wieder aus Split verschwunden. Der Rest der Stadt ist nämlich nicht wirklich sehenswert und hauptsächlich mit hässlichen Wohnhochhäusern gespickt. Vor der Grenze nach Bosnien-Herzegowina kackt uns Anina zur Feier des Tages praktisch den Camper resp. mich voll. Die Menge hat NICHT Platz in den Windeln (excusé, dieser Exkurs musste sein – mindestens als Erinnerung für die Eltern). Mit Bosnien-Herzegowina erwartet uns wieder ein neues Land. Da wir auf dem Weg nach Dubrovnik sowieso durch Bosnien fahren müssen (kleiner Meeranstoss, welcher Kroatien unterbricht), nutzen wie die Gelegenheit schon mal für einen kurzen Abstecher nach Mostar. Die Stadt ist uns vor allem aus der Tagesschau bekannt. Mostar war während den Kriegszeiten vor rund 20 Jahren heftig umkämpft und die Bilder, die wir im Kopf haben zeigten stets die vollständig zerstörte Brücke. Heute ist der Ort wieder plus ou moins hergerichtet und die Brücke steht auch wieder. Krass ist, dass aufgrund der Feindschaften immer noch fast alles doppelt existiert: zwei Postämter, zwei Busstationen, usw. Die Altstadt ist wirklich sehr, sehr schön. Obwohl es viele Souvenirshops hat und das ganze einem Bazar gleicht, gefällt es uns. Der Unterschied zu Kroatien könnte kaum grösser sein. Wir haben wirklich das Gefühl im Orient gelandet zu sein. Die Frauen flippen zudem noch mehr ab Anina aus als in Kroatien. Hier wird sie gar betatscht und abgeküsst – und dies vom Bettlerkind bis zur Verkäuferin… Da hier die Anzahl an Campertouristen doch sehr beschränkt ist, sind wir wieder einmal mutterseelenalleine auf dem Campingplatz. Wie immer finden wir dies sehr cool – keine D.A.F. e. (Deutsche, Österreicher, Franzosen oder etc.) meint der Odi.

Dubrovnik
Das Wetter ist garstig im Hinterland und wir hoffen auf Besserung an der Küste. Tatsächlich ist es wieder zurück im kroatischen Dubrovnik etwas freundlicher. Bei Wind, kühleren Temperaturen und einigen Tropfen Regen lassen wir uns im Schwarm der Touristen durch die Stadt treiben. Sie hat den Unesco-Status verdient. Allerdings können wir das ganze irgendwie nicht so geniessen; es hat einfach zu viele andere Touristen. Auf der Stadtmauer haben wir etwas mehr Luft und bewundern die Dächer der Altstadt. Auf dem Rückweg zum Camping hat Herr Odermatt dermassen genug von den Massen an Leuten, dass er uns Ladies kurzerhand in ein Taxi setzt. Uns soll’s recht sein…

Montenegro
Heute erreichen wir den südlichsten Punkt unserer Reise. Via Küste passieren wir die Grenze von Kroatien nach Montenegro. Auf der Küstenstrasse fahren wir der schönen Bucht entlang nach Kotor.

Montenegro, Kotor, Church

Das kleine Dorf ist ebenfalls Unesco Weltkulturerbe und sehr schön. Wie erwartet hat es hier weit weniger Touristen und alles ist ein bisschen relaxter. Warum hier die Touristen – mindestens die Camper – weitgehend fehlen, wird uns klar, als wir den Camping beziehen. An eigentlich sehr schöner Lage finden wir einen ziemlich verlotterten Platz vor. Die sanitären Anlagen bestehen aus Stehklos und einer Openair-Dusche hinter dem Haus. Selbstverständlich gibt’s nur Kaltwasser und wir sind gaaanz alleine – no D.A.F.e.. Wir geniessen die Ruhe und fühlen uns fast ein bisschen wie in Afrika. Die Küste südlich von Kotor entspricht sonst nicht unsere Erwartungen. Nix von verträumten kleinen Dörfern an tiefblauem Meer gelegen südlich von Kotor. Der Bauboom ist in vollem Gang und überall werden extrem hässliche Bauten hingepflastert. Schade, schade… Anina darf heute übrigens zum ersten Mal im Abwaschbecken baden. Nicht dass wir sie bis anhin nie gebadet hätten. Aber in Kroatien hatte es auf den Campings immer ein Kinderbad. Diesen Luxus – den man natürlich nicht unbedingt braucht – sucht man hier vergebens.

Durmitor National Park oder wenn die Kälte uns wieder hat
Wir sind früh on the road und verlassen die Küste in Richtung Hinterland. Podgoric, die Hauptstadt, lassen wir links liegen. Es sieht eher aus wie in einem Dorf und im Planet werden auch keine Sehenswürdigkeiten erwähnt. Über kurvige Strasse arbeiten wir uns langsam ins Gebirge vor. Unser Ziel ist der Durmitor National Park – das zweite Unesco Welterbe Montenegro’s. Auf fast 1500 Meter schlagen wir unsere Zelte auf. Auch hier ist die Zufahrtsstrasse zum Camping wie am Vortag nix für grössere Mobile, so dass wir wieder alleine bei einem Mütterchen im Vorgarten campen. Immerhin hat es hier “normale” Toiletten und Duschen. Zweitere werde mindestens ich nur widerwillig nutzen. Es ist mit zehn Grad doch etwas gar kalt, um sich die Kleider im halb offenen Duschhäuschen vom Leib zu reissen. Am Nami machen wir einen langen Spaziergang an und halb um den Black Lake, welcher im National Park liegt. Leider müssen wir in der Mitte des Seerundweges umkehren. Der Wasserfall bringt zu viel Wasser und das ganze wäre mit Anina im Baby-Björn doch etwas gar zu riskant. Schliesslich war schon der Rest des Wanderweges nicht ganz ohne. Nach zwei Stunden Marsch sind wir wieder zurück im Camper. Unsere erste Tat: Heizung anschmeissen (inzwischen ist es noch ganze 9 Grad). Unsere zweite Tat: Bier zum Durstlöschen aus dem Kühlschrank nehmen (eigentlich paradox, wenn man Tat eins studiert). Mit draussen sitzen wird es heute nix. Es ist einfach too chilly!!! So verbringen wir den Rest des Tages im geheizten Camper mit relaxen, Route planen, Anina bestaunen (und auch beruhigen… Schreianfall unklarer Herkunft dauert lange, sehr lange…) und was man sonst halt noch so alles macht an einem derart verschlafenen Fleckchen Erde.

Adieu Montenegro, Hallo Serbien
Das Wetter hat sich über Nacht nicht gebessert. Im Gegenteil, nun nieselt es auch noch. Gut, dass wir heute wieder weiter wollen. Die Fahrt bis an die Grenze bringt auch nix mehr schönes. Überall liegt Müll, teilweise in Form von ganzen Müllhaufen. Tja, Montenegro hat uns definitiv nicht aus den Socken gehauen. In Serbien werden wir mit trockenem Wetter begrüsst. Das bisschen Sonne macht das ganze auch gleich viel sympathischer. Im ersten grösseren Kaff nach der Grenze – hätte Herr Odermatt die Strasse nach rechts genommen, wären wir im Kosovo gelandet – besuchen wir ein Kloster, welches zum Weltkulturerbe gehört. Die Wände der Kirche sind mit uralten, schönen Fresken bemalt. Ob sich allerdings der Umweg hierhin gelohnt hat, darüber lässt sich streiten. Mangels Campingplätzen logieren wir heute Nacht in einem Appartement. Für 55 Euro bekommen wir ein Wohnzimmer, ein Schlafzimmer, ein Bad mit Massagedusche, ein Jacuzzi sowie Frühstück. Da kann man nix sagen, oder? Wir geniessen es nach zwei Wochen im Camper wieder mal ein bisschen mehr Platz für alles zu haben. Und noch fast besser, niemand muss heute kochen. Wir landen endlich in einem sogenannten Pectopah (kryillisch gelesen für Restoran).

Oohhh, kein Münz!
Der türkische Touch von Novi Pazar beschert uns zum Zmorge Fladenbrot. Mmmhhhh, sehr fein! Zum Zimmer gibt’s noch nachzutragen, dass weder Jacuzzi noch Massagedusche richtig funktioniert haben. Korrekt umschrieben waren es eine überdimensionale Badewanne mit Partylicht und Musik und eine normale Dusche. Auf dem Weg nach Bosnien-Herzegowina besuchen wir auch noch ein zweites Kloster (nicht, dass es nur zwei gäbe in diesem Land – im Gegenteil; wir zählen auf der Strecke, die wir fahren an die zwanzig. Gott sei Dank sind aber nur zwei in unserem Unesco-Buch…). Ein Mönch zeigt uns zwei der drei Kirchen und erzählt uns das wichtigste zu den uruselalten Wandmalereien im Inneren der beiden Gotteshäuser.

Serbia, Studenica, Insect

Der weitere Weg nach Bosnien-H. zieht sich hin. Da wir ausschliesslich über Landstrassen fahren müssen, dauert es eine Ewigkeit bis wir die Kilometer an die Grenze hinter uns gebracht haben. Zu allem Übel verfahre ich mich auch noch um einige Kilometer und zu Odis Übel schaffe ich es nicht, unser restliches Geld an der Tanke Dank einem kleinen Einkauf mit Restmünz abzuschliessen… Excusé, Herr Münzsammler! Als er dann an der Grenze auch noch einen Schein abgegeben muss für irgendeine Umweltaxe ist das Debakel perfekt. Nun hat er nicht mal mehr als einen Schein übrig… Im ersten Kaff nach der Grenze – am Zoll mussten wir übrigens zwei Mal den Kofferraum öffnen, doch Dank Baby-Vorteil geht’s rasch weiter – beziehen wir wieder ein Zimmer in einem Motel. Auch hier ist von einem Camping weit und breit keine Spur. Znacht gibt’s in einem Pectopah am Ufer des Flusses Drina, über welchen irgend so eine berühmte, alte Brücke führt, welche aktuell auch gleich die einzige Sehenswürdigkeit von Visegrad ist (am anderen Morgen stellt sich heraus, dass die Brücke auch Unesco Weltkulturerbe ist und irgendwann soll’s dann noch seine eine antike Bahnverbindung wieder geben, welche bis nach Serbien fährt, aber da hier alle Länder untereinander irgendwie verfeindet sind, wird dies wohl noch ein bisschen dauern…). Was übrigens immer sehr mühsam ist hier im Balkan sind die unbeleuchteten Strassentunnel. Man fährt praktisch blind von einem Ende ans andere und wir sind immer froh, wenn wir wieder Licht sehen können.

Sarajevo
Die Nacht war schrecklich resp. das Bett eine Katastrophe. Auf Odis Seite hatte es gar ein Loch im Lattenrost! Zu allem Übel hat mein Rücken sich irgendwie gar nicht mit dem Teil angefreundet. Ganz unüblich kann ich mich am Morgen kaum mehr strecken und recken. Nach kurzer Fahrt erreichen wir Sarajevo. Wir steuern gleich einen Parkplatz im Zentrum an und erkunden zu Fuss die Innenstadt. Die Fussgängerzone ist wie überall. Die Altstadt gefällt uns sehr gut. Alles ist hübsch hergerichtet und total relaxt. Der orientalische Einschlag kann auch hier nicht verleugnet werden und wir stillen mit einem Kepab den knurrenden Magen. Auf dem Weg zum Camping suchen wir das Tunnel-Museum. Leider erfolglos… mit den Wegweisern haben sie’s hier irgendwie nicht so. Einmal ist was angeschrieben und an der nächsten Kreuzung muss man wieder der Nase nach fahren. Unsere Nase ist heute nur gut bei der Suche nach dem Camping. Dies klappt immerhin beim zweiten Versuch. Wir verbringen den Rest des Tages im Schatten unter einem Baum und geniessen das herrliche Wetter. Im Tunnel-Museum hätte es übrigens Hintergrundinfos zum Krieg in den 90er Jahre gegeben. Ein Tunnel war damals die einzige Möglichkeit Sarajevo zu verlassen resp. die Stadt mit dem notwendigsten zu versorgen.

Puh, ist das heiss
Auf einer landschaftlich sehr schönen Strasse geht es heute bis an die kroatische Grenze. Odi meint: “Wie im Emmental, nur mit Minaretts.” Das einzige unschöne ist ein Flussabschnitt voller Müll. Bereits zum zweiten Mal können wir einen solchen Plastikteppich sehen und sind geschockt. Wirklich unglaublich was der Mensch der Natur alles antut! Unterwegs fahren wir an ein paar Campings vorbei. Keiner ist auf der Karte eingezeichnet und alle sind für uns zeitlich zu früh gelegen, um bereits das Nachtlager aufzuschlagen. Es kommt wies kommen muss. Der Camping, welchen wir ansteuern, ist zwar auf der Karte, aber nirgendwo aufzufinden. Bei über 35 Grad im Auto – die Kleine gibt keinen Ton von sich, der Papa schwitzt wie eine Sau und die Mama kann mit ihrem Rücken kaum mehr sitzen – suchen wir vergebens. Schlussendlich landen wir wieder in einem Motel. Leider ist das Zimmer im obersten Stock, so dass der Abend nun auch für die Tochter etwas zu warm wird. Aber irgendwann sind alle wieder einigermassen abgekühlt und finden Schlaf.

Der romantischste Campingplatz ever (Odi findets nicht so schlimm…)
In der kühlen Brise des Morgens verlassen wir Bosnien-H. und kehren zurück nach Kroatien. Ach, wie wir Autobahnen lieben!!! Endlich kommen wir wieder einmal zügig vom Fleck und erreichen nach nur zwei Stunden Fahrt die Hauptstadt Zagreb. Am Vorabend haben wir entschieden unsere Besichtigung auf den Lonely-Planet Walk zu beschränken. So können wir das wichtigste anschauen und sind in der Sommerhitze nicht zu lange unterwegs. Ich werde übrigens aus diesen Ferien keinen Millimeter braun gebrannt nach Hause kehren. Mit Anina im Baby-Björn mutiere ich zum Schattenspringer. Wie in allen slawischen Städten sind auch hier überall Strassencafés zu finden. Sehr sympa! Ansonsten ist die Stadt sicher ein Stopp wert, aber aus den Socken hauen tut es uns nicht. Vielleicht liegt es auch an den hochsommerlichen Temperaturen. Wir beschliessen auf jeden Fall die Sightseeing-Tour nicht künstlich auszudehnen und machen uns auf die Suche nach einem schattigen Platz zum Campen. Da der einzige Platz weit und breit direkt an der Autobahn liegt – Zufahrt wirklich via Autobahnausfahrt – sind wir zuerst unsicher, ob wir hier bleiben wollen. Das ganze ist doch ziemlich unromantisch und die Autogeräusche im Hintergrund helfen vielleicht höchsten beim Einschlafen. Aus Vernunft beschliessen wir trotzdem zu bleiben und der Lady so, so rasch als möglich Schatten und eine kühle Brise zu bieten. Ps: und uns natürlich eine kühles Bier :-).

Slowenische Alpen
Auch heute gibt es nur eine kurze Fahrt. Man merkt, dass wir alles geplante besichtigt haben und wir uns für die Rückfahrt so richtig Zeit lassen können. Nicht, dass wir vorher gestresst waren, aber wir hatten doch jeden Tag irgendein ein konkretes Ziel. In der Hoffnung auf ein paar Grad weniger, führt uns der Herr Papa an den Rand der slowenischen Alpen. Doch auch hier ist es genau so sommerlich warm wie im Flachland. Nach dem ersten Schock über all die Pauschaltouristen am Bilderbuch-See bei Bled quartieren wir uns etwas ausserhalb des Kaffs auf einem grossen, im Wald gelegenen Camping ein. Hier sind die Abstände zum Nachbar gross genug, Schatten hat es im Überfluss, nur der Seeanstoss fehlt. Aber für ein bisschen Ruhe pfeiffen wir auf den See und begnügen uns für ein Fussbad mit der künstlich angelegten Glungge.

Familienurlaub in Bibione
In meiner Kindheit habe ich zwei Mal Sommerferien in Bibione verbracht. Weil ich mich noch immer sehr gut an diese Zeit erinnern kann und dauernd davon erzähle, wenn wir in der Nähe sind, beschliesst Odi mich endlich wieder mal an den Ort meiner Kindheit zu bringen. Wir quartieren uns auf einem der vielen Campings ein und sind froh, dass diese Woche noch zur Vorsaison gehört. Es hat doch schon so mehr als genug andere Touristen. Vor allem Familien mit kleinen Kindern und Senioren bevölkern den Platz. Somit sind wir hier eigentlich genau richtig, um mal einen Tag Familienferien wie sie im Bilderbuch stehen zu testen. Nachdem am Nami die erste Hitze vorbei ist, darf Anina zum ersten Mal ins Meer und in den Pool. Beides quittiert sie mit einem kritischen Blick, geniesst aber das kühle und ungewohnte Nass. Am Abend gibt es Programm à la Kindheit von mir: Pizza und Gelato! Es fehlt nur das Mietvelo… Zurück auf dem Camping dürfen wir gleich noch dem Animationsprogramm zuhören. Zum Glück ist Anina noch nicht interessiert an so einem Zeugs… Fazit des Tages: wir haben den Familienurlaubstag sehr genossen und werden jetzt wohl immer so Ferien machen. Übrigens baden die Mädchen in Bibione sehr zum Leidwesen von Odi nicht oben ohne. Das war wohl auch der Grund, weshalb er mich hierhin gebracht hat. Denn wie pflegte mein Vater früher stets zu sagen: “In Bibione da baden die Mädchen oben ohne”.

Direttissima a casa
Am Morgen um neun Uhr sind es bereits unglaubliche 35 Grad – wow! Da hilft eigentlich nur eins: der Fahrtwind im Auto. Unser Ziel für die letzte Nacht ist der Lago Maggiore. Doch leider kommt es ein bisschen anders, wir fahren nämlich direttissima nach Hause. Aber alles der Reihe nach. In Padova machen wir einen kurzen Stopp und schauen uns den Botanischen Garten an.

Italy, Padova, Botanical Gardens

Nicht, dass wir Botaniker wären, nein, aber der Garten gehört zum Unesco Weltkulturerbe und ist tatsächlich eine Augenweide. Ganz nebenbei ist es auch noch angenehm schattig und Padova ein schmuckes Städtchen. Je mehr wir uns dem Lago Maggiore nähern, desto schwarzer wird der Himmel und tatsächlich fängt es kurz darauf an wie aus Kübeln zu giessen. Da wir keine Lust haben uns in der letzten Nacht verregnen zu lassen, fällt der Entscheid mit 2:0 (Anina gibt trotz mehrmaligem nachfragen keine Stimme ab) fürs Durchfahren. In Domo vertreten wir uns noch kurz die Beine in einem Schoppingcenter und weiter geht’s auch schon wieder in Richtung Heimat. Damit enden unsere Ferien einen Tag früher als geplant. Egal, super war’s sowieso. Wir sind stolz auf unsere Kleine. Sie hat alles wunderbar mitgemacht. Wir haben die intensive Zeit zu dritt sehr genossen und freuen uns bereits auf die nächste Reise. Und ja, reisen mit Kind öffnet einem ganz andere Welt im Kontakt zu den Einheimischen und manchmal auch zu anderen Reisenden. We like it!

  • Nachtrag 1: Das war übrigens ein Witz mit den Familienferien à la Bibione. Unsere Welt ist’s nicht, auch wenn wir vielleicht in Zukunft ab und an einige wenige Tage etwas in dieser Richtung machen werden; dem Nachwuchs zu liebe quasi.
  • Nachtrag 2: Am nächsten Tag ist uns doch tatsächlich noch jemand in den Arsch des Campers gefahren. Auf dem Weg zum Abholen unseres neuen Autos (jaaaa, wir haben jetzt auch ein Familienauto… Dacia Lody… ein riesen Mobil, vorher im Saxo mussten wir um das Wägeli zu laden die Räder abnehmen, jetzt kann man das Ding gleich ohne zusammenzulegen einladen, und ja, die Mama hat das Auto eines Nachts quasi beim Stillen gekauft… erzählt der Papa wenigstens allen…) putschte eine Frau beim Abbiegen in der Kolonne aus dem Stand voll in uns hinein: Stossstange am A… Shit happens, zum Glück ist’s nur Blech!

 

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