Author Archives: Raphael Odermatt

Bulgaria

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Ostblock-Charme
Heute fliegen wir nach Sofia. Zwei Wochen Bulgarien erwarten uns. Ausser der geringen Verspätung bei der Ankunft klappt alles wie am Schnürchen. Im Mietauto fahren wir in die Hauptstadt. Schon bald tönt es aus den hinteren Reihen, dass es hier irgendwie komisch aussehe. Der Ostblock-Charme, der hier überall präsent ist, scheint nicht allen (auf Anhieb) zu gefallen. Auch die Ferienwohnung ist nicht so super fancy wie erwartet: das Treppenhaus ist vor allem dunkel und das Appartement hat einen eigenartigen Geruch, eher nicht wahnsinnig geschmackvolle Möbel und ein unbequemes Bettsofa. Immerhin vermag der Spielplatz vor dem Haus die Jugend ein bisschen zu erfreuen. Einige möchten trotzdem am liebsten immer noch direkt in den nächsten Flieger und nach Hause. Hmmm… wir lassen uns nicht gross beeindrucken und sind sicher, dass nach viel Schlaf die Welt schon wieder ganz anders aussieht. Die Kids sind nun nicht mehr einfach dabei auf unseren Reisen, sondern mittendrin. Und das ist doch super so. Denn nur so werden sie im besten Fall einiges mitnehmen von unseren Reisen. Wir sind auf alle Fälle gespannt was die nächsten zwei Wochen bringen werden. Der Bier-Preis stimmt auf jeden Fall schon mal: 2 Liter Bier in der Petflasche für 1.20. Franken.

Sofia
Wie erwartet, sieht die Welt ausgeschlafen schon wieder viel schöner aus. Frisch und gestärkt machen wir uns auf um Sofia zu erkunden. Die Stadt hat Sightseeing-mässig vor allem Kirchen, eine Kathedrale, eine Moschee, eine Synagoge und noch einige neu gefundene Römersiedlungen zu bieten. Zur Freude der Kids sind heute gar ein paar Römer unterwegs. Einheimische haben sich in die Kleider von damals gestürzt und mögen uns für eine ganze Weile zu unterhalten. Neben so viel Action sind die Gotteshäuser schon fast langweilig, werden aber ohne Murren auch gerne besichtigt. In einer ruhigen Beiz gibt es ein leckeres Zmittag: die Kids bekommen Spaghetti ohne was und wir Eltern bestellen Sushi. Auf dem Weg zurück zur Ferienwohnung laufen wir durch einen Park und freuen uns mit den Einheimischen ab der wärmenden Sonne. Alle sind total relaxt, sitzen auf einer Bank, spielen Schach, hören Musik und tanzen sogar durch den Park. Alle anderen, die nicht im Park sind, flanieren durch die Einkaufsstrasse. Wir lassen uns anstecken und flanieren nach dem Park ebenfalls durch die Fussgängerzone. Sehr zur Freude der Kids machen wir sogar noch einen Abstecher in den H&M. Vor dem Hotel sind wir Eltern wieder einmal erstaunt wie fit die Beiden nach so einem Tag noch sind. Während wir uns auf die nächste Bank werfen, toben sie auf dem Spielplatz gleich weiter. Zum Znacht gibs Pic-Nic in der Wohnung und danach noch eine Runde Kartenspiele. Beim Schwarz-Peter (darf man dem heute noch so sagen?) lachen wir Tränen. Wunderbar, wie sich die Girls ins Zeug legen und die Spannung, wer denn nun den Peter hat oder eben auch nicht, kaum aushalten.

Bulgaria, Sofia, Church

Boyana und Rila
Heute stehen gleich zwei Highlights unserer Reise auf dem Programm. Beide sind ähnlich und könnten doch unterschiedlicher nicht sein. Bei der winzig kleinen Kirche von Boyana bestaunen wir bestens beobachtet von der Aufsichtsfrau, zeitlich limitiert und praktisch alleine die uralten Fresken an den Wänden des Gotteshauses. Knapp zwei Stunden Fahrt weiter bestaunen wir mit einer Horde an Einheimischen Sonntagsausflügler so lange wir wollen und unbeobachtet das grosse Kloster von Rila – auch mit vielen Fresken aussen und innen an den Wänden der Klosterkirche. Beides hat seinen Reiz, beides hat einen Besuch verdient und beides ist Unesco Weltkulturerbe. In Bansko beziehen wir unser Nachtlager für die nächsten zwei Nächte – die Ferienwohnung ist klein, aber fein. Das Kaff ist als Winterskiort Nummer 1 von Bulgarien bekannt. Wir sind wegen dem National Park, welchen den Ort umgibt und zum Unesco Weltnaturerbe gehört, hergekommen. Nach einem Abstecher in der Supermarkt gibt es zur Freude der Kids noch eine Runde plantschen im Hallenbad. Nach reichlich Pasta, zeichnen resp. rechnen und Karten spielen, sind zwei sehr müde und schlafen sofort ein und die Eltern geniessen noch einen Drink auf dem Balkon.

Bulgaria, Rila, Monastery

Pirin National Park
Die Kids sind aktuell derart Fan vom Kartenspielen, dass wir gleich nach dem Zmorge die erste Runde UNO in Angriff nehmen. Melia ist dabei besonders engagiert. Sie will gar nicht gewinnen, sondern möglichst lange mitspielen und ist immer enttäuscht, wenn sie keine Karten mehr in der Hand hat. Irgendwann brechen wir trotzdem auf und fahren mit dem Auto den Skipisten entlang durch die Wälder in die Berge des Pirin National Park. Dieser ist bekannt für seine Föhrenvielfalt und zählt unteren anderem deshalb zum Unesco Weltnaturerbe. Einer dieser Bäume soll der älteste Baum von Bulgarien sein. Die Föhre ist über 120 Jahre alt und wirklich imposant. Sonst gibt dieser Teil des Parks nicht viel her. Wir beschliessen deshalb das Auto wieder zurück ins Tal zu bringen und mit der Gondel nochmals nach oben zu fahren. Bei der Bergstation soll es ein Restaurant und für die Kids eine Menge an Unterhaltung haben. Die Gondelfahrt bleibt dann aber das einzige „Highlight“ – auch wegen Aninas akuten Nothäfi-Einsatz :-). Die Pommes sind eher hässlich, die Hüpfburg uninteressant und Wanderwege in der näheren Umgebung suchen wir auch vergebens. Da wir keine Lust auf Skipisten-wandern haben, steigen wir bald einmal wieder in die Gondel und lassen uns zurück nach Bansko bringen. Zurück in der Ferienwohnung geniessen wir das Nichtstun. Irgendwann ist dann aber doch genug gechillt und die Jugend verlangt nach einer Runde schwimmen im Hallenbad. So vergeht eine vergleichsweise langweiliger Tag trotzdem rasch. Wir sind uns einig, dass eine Nacht in Bansko gereicht hätte. Aber für einmal nicht so viel Programm ist vielleicht auch gar nicht so schlecht.

Plovdiv
Wir verlassen die in Nebel eingehüllte Bergregion. Es sieht kalt aus, beim Blick durch das Fenster. Es herrschen aber immer noch angenehme 20 Grad. Nach knapp drei Stunden Fahrt kommen wir in der zweitgrössten Stadt Bulgariens an. Nach einem Abstecher in das Kaufland sind unsere Vorräte wieder aufgestockt und wir beziehen unsere nächste Logie. Der Vermieter wartet schon auf uns und übergibt uns eine sehr grosse und hübsche Wohnung an Top Lage. Nachdem wir die Waschmaschine in Gang gebracht haben, machen wir uns auf um die Altstadt zu erkunden. Die Kids sind heute nicht in Sightseeing-Laune. Mit einem Souvenir und einer Glace machen sie dann aber trotzdem relativ gut mit. Zum Glück sind die Sehenswürdigkeiten sowieso alle nahe beieinander, so dass wir nicht weit herum laufen müssen. Das Städtchen ist wirklich sehr schmuck. Die vielen alten Häuser und die diversen Römerstädten gefallen uns. Via Künstlerviertel – sehr chillig – geht es zurück zur Ferienwohnung. Obwohl diese in der Fussgängerzone liegt und es einige Restaurants um uns herum hätte, bleiben wir zu Hause und kochen Menu 1: Pasta. Die Kids danken es uns mit und tragen das ihrige zu einem gemütlichen Abend bei.

Bulgaria, Plovdiv, Graffiti

Der Zahn von Bulgarien, ein UFO, Spirit und Veliko Tarnovo
Heute stehen diverse Sachen auf dem Programm. Der erste Programmpunkt ist ein Grab, welches zum Unesco Weltkulturerbe gehört. Das Original dürfen nur Wissenschaftler betreten. Da wir dies bekanntlich nicht sind, müssen wir uns mit der Kopie gleich daneben begnügen. Kaum sind wir drin, sind wir aber auch schon wieder draussen. Das Grab ist wirklich ein Mini-Grab und nach einmal drehen, haben wir alles gesehen. Für die Insider: fast ein bisschen Zahn-like oder anders gesagt: enttäuschend. Danach führt uns Odi zu einer verlassenen alten Kommandozentrale aus Kommunismuszeiten auf einem Berg weitab von allem. Er hat davon im Internet gelesen und eindrückliche Bilder gesehen. Die Szenerie passt. Der Nebel lässt das Gebäude wie ein UFO aussehen. Die Zugänge sind seit neustem alle versperrt und es gibt sogar einen Guard, welcher das ganze bewacht. So bleibt uns nur der Blick von draussen. Die Kinder haben hier oben auch ihren Spass. Wir finden eine grosse Herde an halb wilden Pferden – quasi Spirit und die wilde Herde; nur Lucky fehlt :-). Durch schöne Buchenwälder fahren wir weiter nach Veliko Tarnovo. Von unterwegs rufen wir unsere nächste Vermieterin an. Sie muss uns kurzerhand in ein Hotel umbuchen, da die gebuchte Ferienwohnung kein Wasser hat. Somit haben wir nun schon zweimal effektiv (Sofia und hier) und einmal fast (Bansko, Schaden aber in letzter Minute geflickt) von notabene vier Mal eine neue Bleibe bekommen. Man muss den Bulgaren lassen, dass sie sich immerhin stets um eine gute Alternative bemühen. Da haben wir ja auch schon andere Erfahrungen gemacht… Auch dieses Mal ist alles top. Wir kommen in einem schönen Hotel mit einem grossen Familienzimmer mitten im Zentrum unter. Da wir uns heute noch nicht allzu fest bewegt haben, bleibt genug Energie, um noch die Burganlage und das touristische Zentrum zu erkunden. Wir sind positiv überrascht – alles ist hübsch hergerichtet und wir sind – Zwischensaison sei Dank – quasi alleine. Das Znacht gibts in einer Art Bar. Nicht gerade haute cuisine, aber damit ist allen geholfen: es hat einen Spielplatz und wir kriegen unkompliziert etwas zu futtern.

Bulgaria, Buzludzha, Monument

Ruse, nicht wirklich eine Muse
Wir sind froh, dass wir Tarnovo schon gestern besichtigt haben. Es regnet. Wir haben keinen Stress und lassen den Tag ruhig angehen. Schliesslich bekommen wir im Hotel sogar ein Frühstück. Nachdem wir im Kaufland unser Pic-Nic für den Mittag eingekauft haben, fahren wir weiter zu den Felsenkirchen von Ivanova, dem nächsten Unesco Weltkulturerbe. Der Aufstieg ist kurz und schon bald stehen wir in einer kleinen, aber feinen in den Fels gehauenen Kirche und Kapelle mit Fresken. Irgendwie hatten wir das Gefühl, dass es hier mehrere solcher Kirchen zu besichtigen gibt. Leider war es dann das aber auch schon. In Ruse checken wir wieder in einem Hotel ein. Das gebuchte Appartement hat eigentlich drei Zimmer. Der Herr zeigt uns aber nur zwei. Erst als wir die Küchenzeile vergeblich suchen, finden wir auch noch das dritte Zimmer. Leider ist die Küche komplett leer (es hat einzig einen Flaschenöffner. Dies ist in diesen Breitengraden sicher mehr als wertvoll, wird hier doch eher genug Alkohol konsumiert), so dass wir später zum Znacht doch noch in der Hotelküche einkehren müssen (was nicht weiter schlimm ist). Bevor es aber soweit ist, schauen wir uns noch Ruse an. Aus dem gemütlichen Spaziergang an der Donau entlang wird leider nichts. Die Uferpromenade ist nur hässlich, staubig und unfertig. Wir sind erstaunt, dass hier sogar Flusskreuzfahrten anlegen. Durch nicht weniger hässliche Hinterstrassen finden wir dann auch noch das Zentrum. Hier hat es eine recht hübsche Fussgängerzone mit ein paar nett renovierten Häuserzeilen – immerhin. Fazit: Ruse gehört nicht auf die To Do-Liste einer Bulgarien Reise.
Noch ein paar Wörter zum Strassenverkehr: entgegen allen Erwartungen finden wir, dass die Bulgaren meist sehr angenehme Verkehrsteilnehmer sind. Nur wenige fahren zu schnell. Die meisten halten sich sehr genau an die Tempovorgaben. Wir vermuten, dass dies mit den unzähligen fix installierten und den noch mehr mobilen Radars zu tun hat. Die Polizei ist sehr präsent.

Königsgrab von Shwestari
An der Grenze zu Rumänien entlang fahren wir zum Srebarna Naturschutzgebiet. Hier sollen je nach Saison besonders viele Vögel ihr zu Hause finden. Nicht dass wir Vogelkundler wären, nein, aber das Gebiet – wie könnte es anders sein – gilt als Unesco Weltnaturerbe. Leider haben wir die völlige falsche Saison erwischt. Wir können vom Lookout im Museum nur ein paar Schwäne entdecken. Die kennen wir aber schon vom Thunersee. Der seltene Krauskopfpelikan und alle anderen Kollegen sind gerade ausgeflogen. So haben wir genug Zeit auch heute noch die Gräber von Shwestari zu besuchen. Dieser Besuch wird ziemlich eindrücklich. Auf einer grossen Fläche finden sich viele Gräber aus 300 BC. Diese sind alle unter einem eindeutigen erkennbaren Erdhügel vergraben und noch längst nicht alle erforscht. Der bis anhin berühmteste Fund ist das Königsgrab. Dieses wurde im Jahr 1982 in Top-Zustand entdeckt und kommt bis heute ohne jegliche Renovation aus. Das Grab ist immer noch unter einem Hügel. Dank einer eingebauten Innenkuppel kann das Königsgrab so sehr authentisch besucht werden. Das Grab ist bestens gesichert und wir fühlen uns, wie wenn wir einen Hochsicherheitstrakt betreten würden. Nach der ersten Tür bekommt man Plastikschuhe verpasst. Die zweite Türe öffnet sich schliesslich wie in einem Science-Fiction Film. Und dann steht man endlich vor dem eindrücklichen Bau. Mit unserer Privatführerin schauen wir uns noch zwei weitere Gräber an. Diese sind entweder zusammengebrochen oder nicht ganz so gross wie das Königsgrab. Jeder von uns ist auf seine eigene Art fasziniert von dem gerade gesehenen. In der Nähe von Shumen beziehen wir uns nächstes Nachtlager. Wir haben den Tipp von Shermin und Johannes (sie ist hier in der Gegend aufgewachsen, beide wohnen im Weissenstein-Quartier und sind die Eltern von Freundinnen der Mädels) bekommen. Und wir werden nicht enttäuscht. Wir stossen auf ein grosses Landgasthaus mit Garten, wunderbar renoviert mit einem tollen Zimmer mit viel Liebe zum Detail. Zum Znacht lassen wir uns vom Inhaber bekochen. Alle finden irgendetwas das schmeckt und sind happy.

Auf dem Land
Für einmal müssen wir nicht packen. Wir bleiben nämlich eine weitere Nacht im Omarski Houses. Nach der Dusche, bei der wir alle unter den Wasserhahn knien müssen weil die Bruse kein Druck hat, gibts ein deftiges Zmorge. Obwohl wir eigentlich nicht sehr viel essen, haben wir das Gefühl, schon mehrere Kilos zugelegt zu haben. Die bulgarische Küche ist nicht gerade die leichteste… und eher fleischlastig. Für heute haben wir uns nur wenig vorgenommen. Einerseits fahren wir zum Reiter von Madara (Unesco Weltkulturerbe) und andererseits zum Denkmal, wo man die Entstehung Bulgariens vermutet. Der Reiter ist das einzige Steinrelief in Europa. Einmal mehr kleiner als vermutet, aber irgendwie doch ganz ok. Der Rest der Gegend können wir nicht ganz so geniessen, wie erhofft. Ein Paar (sie mit Bierflasche um 10 Uhr morgens, er sonst ein bisschen strange) mit einem Kampfhund kreuzt immer wieder unseren Weg. Da wir nicht sicher sind, ob sie den Köter im Griff haben, lassen wir uns schlussendlich vertreiben. Das Rütli Bulgariens hoch über Shumen überrascht als nächstes mit grossen Steinfiguren und viel Stahl. Irgendwie kultig und kurzweilig. Der Rest des Tages chillen wir auf der Veranda unseres Hotels. Die Kids spielen mit den mitgebrachten Playmobils und den Hauskatzen. Schön und schön friedlich!

Bulgaria, Foundation Monument

Nebensaison
Heute fahren wir ans Meer. Die nächsten drei Tage werden wir am schwarzen Meer verbringen. Da wir wissen, dass es in unserem Kaff nicht viel gibt, stocken wir unsere Vorräte nochmals auf (zum Glück, wie sich später herausstellt). Das Appartement ist frei und wir können frühzeitig einchecken. Nachdem das wichtigste verstaut ist, gehen wir an den Strand. Es hat nur wenige Leute, die in der angenehmen Herbstsonne – ca. 26 Grad , leichte Brise – liegen. Der Strand ist erstaunlich sauber und das Meer glasklar, wenn auch ziemlich frisch. Für einen Schwumm kann sich denn auch niemand erwärmen. Stattdessen werden Sandlöcher und Burgen für Mäuse gebaut. Ganz ohne Hilfsmittel aus Plastik und nur gerade mit dem was der Strand so hergibt. Die Saison scheint definitiv vorbei zu sein. Die Strandbeizen, auf die wir uns gefreut haben, sind alle zu und verbarikadiert. Nur eine hat noch offen und es hat etwas noch Bier im Kühlschrank und ein paar Gelatis in der Tiefkülhltruhe. Mit zunehmender Brise kommen die Kitesurfer an den Strand. Irgendwann sind wir genug durchgewindet und verziehen zum Entsanden in die Ferienwohnung. Das Znacht gibts auch gleich dort – Menu 1. Beim Verdauungsspaziergang müssen wir feststellen, dass wirklich alles geschlossen hat – ALLES! Nun ja, wir haben ja einen ruhigen Strandabschnitt gesucht, aber so ruhig ist dann mindestens für mich doch eher zu ruhig. Mein Fazit: wahrscheinlich könnte man sich in der Nebensaison sogar an die Goldküste wagen.
Tatsächlich haben wir übrigens heute zum ersten Mal seit wir mit den Kids reisen ein Kuscheltier verloren. Melias Häsu is missing! Zum Glück haben wir für solche Fälle immer einen Ersatz dabei. Nun wissen warum…

Bulgaria, Black Sea

Kindertag
Der Tag heute gehört voll und ganz den Kindern. Sie dürfen von Morgens bis Abends bestimmen, was sie machen wollen. Natürlich startet der Tag dann auch wenig überraschend mit einer Runde iPad gefolgt von einem Nutellabrot. Den Rest des Morgens verbringen wir Mutterseelen alleine im übergrossen Hallenbad unserer Anlage. Nach zwei Stunden im Wasser können wir sie mit einem Sandwich rasch in die Ferienwohnung locken. Danach ist Spielplatz, gefolgt von Gelati am Strand und einer Runde sandele sowie in den Wellen springen, gewünscht. Schliesslich dürfen wir noch einmal im Hallenbad planschen. Irgendwann meldet sich dann wieder der Hunger und nach dem Apero gibts Pasta, iPad, eine kurze Schulstunde, UNO und eine Gutenachtgeschichte. Um halb acht liegen sie fix und fertig im Bett. Der Tag scheint anstrengend gewesen zu sein :-).
Übrigens haben wir den Kindertag heute optimal gewählt. Ab Morgen ist auch das Hallenbad wegen zu geschlossen und öffnet erst im Mai wieder.

Nessebar
Das letzte Unesco Weltkulturerbe steht auf dem Programm. Wir fahren eine Stunde in den Süden und am Abend wieder zurück. Wer hätte gedacht, dass wir im touristischen Nomansland gelandet sind und heute wohl besser gleich im Süden übernachtet hätten. Ich wage zu behaupten, dass wir seit heute gar die einzigen Gäste, der doch recht grossen Anlage sind. Irgendwie habe ich mir den Aufenthalt am schwarzen Meer anders vorgestellt und ich hoffe, dass der Besuch von Nessebar meine Stimmung wieder ein bisschen anheben wird. Und das tut es tatsächlich. In der schmucken Altstadt ist noch einiges offen und Dank den wenigen Touristen ist es richtig angenehm. Die Souvenirs sind günstig wie sonst nirgendwo (Randnotiz: reisen in Bulgarien ist wirklich extrem günstig) und wir Ladies fallen in einen leichten Shoppingrausch. Als die wichtigsten Bedürfnisse – neben Shopping auch wieder einmal Futter in einem Restaurant – befriedigt sind, machen wir auch noch Sightseeing. Die Halbinsel ist berühmt für die x Kirchen, die hier früher gebaut wurden. Heute sind diese nur noch Ruinen oder Museen. Das alles passt aber wunderbar ins Strassenbild und wir verweilen schlussendlich über vier Stunden in Nessebar (wenn denn schon mal los ist, sollte man definitiv bleiben, oder?). Das Programm in der leeren Ferienanlage entspricht dem der Vorabende :): Menu 1 gefolgt von den üblichen Aktivitäten.

Bulgaria, Nessebar, Church

Plovdiv zum 2ten
Das Sightseeing-Programm ist definitiv beendet. Heute geht es zurück in Richtung Sofia. Die Fahrt unterbrechen wir nochmals in Plovdiv. Wir haben kurzerhand das gleiche Appartement (das Lieblingsappartement der Kids und bei den Eltern auch hoch im Kurs) in der Fussgängerzone gebucht. Da das Wetter heute massiv schöner ist als beim ersten Besuch und der blaue Himmel für schönere Fotos sorgen wird, machen wir nochmals fast die gleiche Tour durch die Altstadt wie beim ersten Besuch. Die Kids merken es vorerst nicht. Irgendwann meint dann aber Tochter 1: „Hä, haben wir dieses Haus nicht schon mal gesehen?“ Richtig! Was heute noch zusätzlich zum Programm dazu kommt, ist der Besuch der Shoppingstrasse. Alle finden das eine und wir verlassen den H&M mit gefüllten Säcken. Zum Znacht nutzen wir heute die Gunst der Stunde ebenfalls. Wir suchen uns ein Restaurant in einer autofreien Strasse und lassen uns bekochen. Super fein ist das ganze nicht, aber es ist gemütlich und relaxt.
Heute noch ein kleiner Exkurs zu etwas, was mir wirklich nicht gefällt in diesem Land: es hat überall – auf dem Land, im Dorf, in der Stadt, einfach überall – eine riesige Anzahl an verlassenen Häusern, Anlagen, Fabriken, usw., die einfach stehen gelassen werden und vor sich hinzerfallen. Niemand scheint sich daran zu stören. Wenn was nicht mehr gebraucht wird, lässt man es einfach stehen und baut daneben das nächste Haus. Für mich immer wieder gewöhnungsbedürftig… für Odi einfach interessant.

Bulgaria, Plovdiv, House

Zurück nach Sofia
Über Land fahren wir nach Sofia. In Sofia angekommen, fahren wir zum Zoo und verbringen einen Teil des Nachmittags dort. Wie immer in den östlichen Staaten haben es die Tiere nicht nur gut. Die Anlage ist in die Jahre gekommen. Immerhin ist der Platz recht grosszügig. Den Goofen ist das aktuell noch ziemlich egal. Sie springen von Gehege zu Gehege, finden aber auch, dass die Elefanten und Co. in Afrika doch toller waren. Unser Hotel liegt quasi neben dem Zoo, so dass wir kurz nach dem Zoo-Besuch unsere letzte Logie dieser Ferien beziehen. Während wir Eltern die Koffer packen, tollen die Kids auch hier freudig umher und werden in der Badewanne wieder mal richtig sauber. Das Znacht gibts im Hotelrestaurant. Einige finden es gut, andere eher weniger. Pünktlich zum Ferienende gibt es am Abend einen Wetterumschwung. Der Herbst kommt… Wir sind dankbar, für die vielen Sonnenstunden und die angenehmen Temperaturen der letzten zwei Wochen.

Vollgas
Das Navi sagt, dass die Fahrt vom Hotel zum Flughafen zehn Minuten dauert. Da wir eher pünktliche und vor einem Abflug übervorsichtige Menschen sind, rechnen wir drei Mal mehr Zeit ein. Zum Glück, wie sich bald zeigt. Die Strassen sind verstopft und wir kommen nur sehr langsam vorwärts. Irgendwann sind wir dann kurz vor dem Flughafen. Da wir das Mietauto noch tanken müssen (ja, wir hätten es wie geplant am Vortag machen sollen…), machen wir noch einen Stopp an der letzten Tankstelle vor dem Flughafen. Was wir nicht gesehen haben: es führt ab hier keine Strasse mehr zurück zum Flughafen. Wohl oder übel fahren wir wieder retour in die Stadt und landen erneut an der wohl meistbefahrenen Kreuzung in ganz Sofia. Hier kann man zwar einen U-Turn machen, Leider wollen das aber zig-andere auch. Nach ungefähr zehn Minuten in der Schlange ohne einen Meter Vorwärtsbewegung steigt langsam aber sicher bei den Eltern die Nervosität. Wir sind nun schon ein ein halb Stunden unterwegs (zur Erinnerung: statt 10 Minuten)! Schliesslich kann ich Odi dazu überreden seine in Sizilien gelernten Fahrkünste nach vorne zu holen. Wir überholen alle rechts und machen mitten im Chaos aus der zweiten Reihe startend und unter viel Gehupe den notwendigen U-Turn. Uff… Dank diesem grenzwertigen Manöver schaffen wir es doch noch rechtzeitig an den Flughafen. Ein altes und nicht mehr wahnsinnig gut erhaltenes Flugzeug bringt uns schliesslich zurück nach Zürich. Kurzfazit der Reise: Ich bin und bleibe kein grosser Ostblock-Fan. Während Odi sich hier sehr wohl fühlt, fängt meine Welt eher weiter im Osten an. Interessant war es aber allemal.

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Italy

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Costarainera ist immer wieder schön.

Einmal mehr durften wir uns bei Edith im wunderschönen Costarainera wie zu Hause fühlen. Das Wetter war für einmal nicht zu heiss, so dass wir endlich den Veloweg an der Küste entlang radeln konnten. Die Velotour am ersten Tag hat uns dann derart gut gefallen, dass wir uns zweiten Tag gleich nochmals auf den Sattel schwangen. Danke Edith für deine Spontanität, deine Flexibilität und die Gastfreundschaft. Ci vediamo presto!

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Israel

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Auf zu neuen Ufern
Um fünf Uhr in der Früh ist Tagwach. Wir starten in unser nächstes Abenteuer. Es wartet Neuland auf uns: wir fliegen für knapp zwei Wochen nach Israel. Waaaaaaaaaaaas, wohin? werden sich nun einige viele fragen. Ist das dort nicht gefährlich??? Zugegebenermassen waren wir während den Vorbereitungen mit einigen speziellen Recherechen beschäftigt. Aber damit wollen wir unseren Reisebericht ganz bestimmt nicht beginnen und berichten gerne später darüber.

Die vielen orthodoxen Juden am Flughafen dienen als letzte Reisevorbereitung für die Kids. Interessant ist, dass sie restlos alle nach New York fliegen und kein einziger mit uns nach Israel. Der Flug geht zügig vorbei und die Kids sind Dank on-board-Entertainment beschäftigt und ruhig. In Tel Aviv angekommen, geht es zu und her wie in einem Bienenhaus. Bei der Passkontrolle drängeln sich Israelis, Palestinänser und Touristen. Da sich die Einreise je nach Fragerei hinziehen kann, müssen wir uns eine ganze Weile gedulden bis wir endlich an der Reihe sind. Auch wir bekommen ein paar Fragen gestellt, dürfen aber entgegen meinen Erwartungen – wir haben ja auch noch ein paar andere Stempel im Pass, die hier nicht nur gern gesehen sind – rasch einreisen. Mit Sack und Pack holen wir das Mietauto, machen uns startklar und fahren im dichten Abendverkehr ins 100 km entfernte Haifa. Wir kommen nicht wirklich vorwärts, verpassen glatt eine Abzweigung und die Kids werden langsam aber sicher müde und quengelig. Zum Glück übermahnt sie bald der Schlaf und wir können in aller Ruhe den Rest des Weges zurücklegen. Ein weiter Teil der Strecke führt direkt an der Mauer zur Westbank entlang. Überall sehen wir Minarettspitzen, die sich gegen den Himmel strecken. Alles ist in hebräisch, arabisch und englisch angeschrieben – ausser wenn man wohl nicht abbiegen sollte als Tourist, dann fehlt englisch… In Haifa werden wir vom Vermieter der Ferienwohnung schon erwartet. In einem Wohnquartier beziehen wir ein grosses Haus, wo wir alles finden was wir brauchen. Das Haus ist sehr geschmackvoll eingerichtet. Das einzige was gewöhnungsbedürftig ist: es hat eine Art Wasserfall in der Stube und es schmeckt überall penetrant nach Raumerfrischer. Damit wir noch etwas essbares zwischen die Zähne bekommen, muss Papa nochmals ausrücken. Er besorgt im Supermarkt in letzter Minute Futter und Getränke für ein einfaches Znacht. Mit der Bettruhe dauert es dann noch ein bisschen. Alle Eltern können erahnen wieso. Es ist immer ungünstig, wenn die Kinder so plus/minus fünf Uhr noch rasch einen Nuck im Auto nehmen… Irgendwann ist dann aber doch Ruhe und die Eltern können sich dem ersten israelischen Bier im kitschigen Gärtchen widmen.

Melias Geburi in Haifa
Wir schlafen aus. Für unsere Verhältnisse sogar richtig lang. Heute ist Melias 4. Geburi und so gibt es schon zum Frühstück Rüeblitorte aus der Schweiz. Happy Birthday, liebi Melia! Danach besuchen wir die Bahai Gärten von Haifa (Unesco Weltkulturerbe, aber nicht im Buch…). Die ganze Stadt ist an einem Hügel gebaut und so erstreckt sich auch der riesige, sehr gepflegte Garten über mehrere Terrassen hin. Wir haben uns auf einen längeren Marsch von oben nach unten wieder nach oben eingestellt. Aber wir haben Glück (oder Unglück, je nachem wen man fragt): man kann oben nur die zwei ersten Terrassen besuchen, das Zwischenteil ist geschlossen und für den unteren Teil mit dem Schrein sind wir schon zu spät dran. Das kommt davon, wenn man ausschläft… Die Besichtigung des unteren Teils wird kurzerhand verschoben. Sehr zur Freude der Kids, denen das so ziemlich egal ist, fahren wir direkt an den Strand. Fürs Baden reichen die Temperaturen noch gerade nicht. Aber zum barfuss und im T-Shirt im Sand herumzurennen ist es perfekt. In einer Strandbeiz bekommen wir ein absolut super feines Zmittag. Hummus, Fladenbrot, Halumi, Salat, Pommes – einfach perfekt. Nini ist ebenfalls im Himmel. Es wird auch normales Brot, Anke und Konfi serviert… Danach müssen wir noch ein paar Sachen einkaufen. Im Supermarkt staunen wir nicht schlecht ab den Preisen. Es ist quasi alles mindestens gleich wenn nicht gar teurer als bei uns. Da wir für die Autofahrten noch ein (Schlaf-)Kissen für die Kids brauchen, grad so auf Anhieb keines finden und dieses ja wohl eher teuer wäre, landen wir kurzerhand im Ikea. Fast alles ist wie zu Hause. Es gibt nur weniges was den hiesigen Gepflogenheiten angepasst wurde. Zurück in der Ferienwohnung gibt es nochmals Kuchen für Melia. Sie ist die einzige die den Schoggikuchen der Vermieterin geradezu verschlingt. Ganze drei Stücke landen im Bauch. Das mit der Nachtruhe klappt heute massiv besser und bald liegen die vier- und sechsjährige im Bett und schlafen tief und fest.

Israel, Haifa, Bahai Gardens

Akko
Heute sind wir zeitiger dran und das ist gut so. Wir finden erstens einen zentralen Parkplatz und haben zweitens die Altstadt und die Sehenswürdigkeiten quasi für uns. Unseren Rundgang beginnen wir beim Fort. Vieles ist unterirdisch und die Tour durch die Katakomben finden nicht alle grenzenlos lustig. Wir fühlen uns wie in einem Labyrinth und laufen einfach der Nase nach. Zu unserer Freude finden wir tatsächlich den Tunnel, durch welchen man das Fort auch verlassen kann. Weiter geht es durch die engen Gassen zum berühmten Hammam. Das Badehaus wurde perfekt aufgemotzt und dient heute als Museum. Den Kids ist es ein bisschen suspekt, dass man zu Hause keine Dusche hat und sie finden den anschliessenden Moscheebesuch einiges interessanter. Direkt vor der Moschee gibt es eine Pause und wieder extrem lecker Essen. Sogar Nini langt zu. Nur die Falafel will sie (noch) nicht probieren. Dies freut vor allem Melia, die kann nämlich von den kleinen Dingern gar nicht genug kriegen. Über den Bazar spazieren wir zum Hafen. Wir sind überrascht, dass hier so viele Moslems wohnen und wir fühlen uns wie im Orient (ich muss ehrlich zugeben, dass ich das naive und nie hinterfragte Gefühl hatten, dass ausser in Jerusalem Juden und Moslems in dieser Gegend klar getrennt voneinander wohnen. Dem ist aber überhaupt nicht so. Rund 20% der israelischen Bevölkerung hat einen moselmischen Hintergrund. Und eine zu dieser Zahl passende weitere Zahl: 12% der Bevölkerung machen orthodoxe Juden aus). Wie wir später erfahren werden, haben heute alle frei, damit sie das neuen Parlement wählen können (oder auch nicht…). Viele scheinen dies (auch) für einen Ausflug mit der Familie zu nutzen. Und da jüdische Familien eher viele Kinder bis sehr viele Kinder haben, wird es uns zusammen mit den Touristengruppen langsam ein bisschen too busy in der charmanten, aber engen Altstadt von Akko. Die Sonne ist heute intensiver als gestern und wir haben alle heiss. Es ist deshalb Zeit an den Strand zu gehen. Nahe an der Ferienwohnung schmeissen wir uns mit sehr vielen Einheimischen in den Sand. Es etwas windig, was aber einige nicht davon abhält ein bisschen mehr als nur die Füsse ins Wasser zu halten. Am Abend kochen wir ein paar Teigwaren in unserer Bleibe. Wir geniessen die Ruhe und den Platz nach dem Rummel von heute.

Israel, Akko, Bath

Höhlenforscherinnen oder auch nicht
Wir haben uns einiges vorgenommen für heute. Erster Programmpunkt ist der noch fehlende Schrein der Bahaii. Dabei können wir die Gärten noch besser und näher betrachten als beim ersten Versuch. Sie sind wirklich wunderschön und wir wollen gar nicht wissen, wie viele Gärtner für diese Pracht notwendig sind. Es müssen einige sein. Vor dem Eingang zum Schrein werden wir aufgeklärt, dass dies der zweitheiligste Ort der Bahaii ist, wir die Schuhe ausziehen müssen und ruhig sein sollen. Wir sind gespannt auf das, was uns erwartet und landen in einem vielleicht 5 auf 5 Meter grossen Raum ohne Schnörkel und sonstigem was man in einem Gotteshaus so erwartet. Hmmm… eher ein Wohnzimmer ohne Möbel. Wir sind fast ein bisschen enttäuscht, aber wenn man die Grundprinzipien der Religion anschaut – was ich übrigens jedem empfehle, denn diese junge Glaubensrichtung überrascht doch sehr -, kann man verstehen warum es so aussieht. Unser nächster Halt machen wir bei der römischen Siedlung von Caesarea. Das wäre wohl alles mal interessant gewesen, aber leider hat die Anlage heutzutage null Charme. Das Vergnügen ist wichtiger als die Geschichte und die meisten Steine sind auch noch in Renovation. Egal, das einmal mehr mega feine Essen entschädigt für fast alles. Wir fahren weiter zu den Nahal Me’Arot Höhlen, die sogar zum Unesco Weltkulturerbe gehören. Langsam aber sicher merken wir, dass Nini wohl ein Problem mit dunklen Höhlen hat. Sie wird definitv nie Höhlenforscherin. Entsprechend kurz fällt unser Besuch aus. Nicht dass es wahnsinnig viel zu entdecken gegeben hätte, aber der anschliessende Glace-Halt dauert mindestens genau so lange. Der letzte Stopp für heute sind die Gräber von Beit She’Arim. Diese sind in den Felsen gehauen und sehr zur “Freude” von Nini wieder wie Höhlen. Zum Glück kann man aber hier auch von aussen einges entdecken. Sehr zum Entdecken sind zum Beispiel neben den Gräber die zahlreichen Hochzeitspaare – es sind mind. sechs –, sie sich hier in pompösen Kleider ablichten lassen. Es ist nun klar, dass unsere Töchter auch einmal so heiraten werden. Wir dürfen gespannt sein… Via Supermarkt geht es zurück in die Ferienwohnung, wo wir den Rest des Abends gemütlich angehen und dahin plätschern lassen.

Israel, Caesarea, Flower

Ein Meer für Erwachsene
Nach vier Nächten in Haifa ist Schluss und wir fahren heute an den südlichsten Punkt unserer Reise. Da Odi eine Abzweigung verpasst, fahren wir ein Teilstück auf einer Nebenstrasse. Aus dem Augenwinkel sehe ich auf einem braunen Wegweiser das Unsesco-Zeichen und wir zögern nicht lagen und legen in Megiddo einen Stopp ein. Der Ort ist ein in der Bibel oft erwähntes Dorf. Wir spazieren durch die relativ gut erhaltenen Bauten und kommen irgendwann zum Highlight: ein ca. 100 Meter langer Tunnel, welcher früher das Wasser von einer Quelle in das Kaff brachte. Heute kann man über ziemlich viele Treppen von einem Ende zum anderen laufen. Wir freuen uns, dass sogar Nini ohne Zögern mit von der Partie ist. In Beit Sche’An, dem heutigen Fixpunkt, gibt es danach Steine aus der Römerzeit anszuschauen. Da es ziemlich heiss ist und langsam aber sicher alle Hunger haben, dehnen wir den Besuch nicht unnötig aus. Nach dem Rundgang gibts im Schatten ein wohlverdientes PicNic.

Israel, Beit She'an, National Park

Danach geht es nur noch südlich. Über den Highway 90, der zu einem grossen Teil durch die Westbank führt, jedoch auch für Individual-Touristen sicher sein soll, fahren wir zum Toten Meer. Von der Westbank selber sehen wir vor allem unbebaute Hügel. Die Landschaft wechselt von satten grün zu brauner, furztrockener Wüste. Wir fahren durch einige einfache Dörfer, die auch irgendwo sonst im Mittleren Osten stehen könnten. Ungewohnt sind einzig die Wegweiser nach Jericho. Diese zeigen klar an, dass man hier nicht abbiegen darf (mind. Israelische Staatsbürger nicht, wir dürften). Städte wie Jericho gehören zur Zone A und sind damit voll in palästinänsischen Händen. Noch in der Westbank erreichen wir das Tote Meer. Hier wirbt man mit der “lowest bar on earth” (420 m unter dem Meersesspiegel!). Klar, dass wir dort einkehren müssen. Die Bar steht an einem mit der notwendigen Infrastruktur ausgestatteten Privatstrand, zu dem man nur Einlass bekommt, wenn man einen saftigen Eintrittspreis zahlt. Eigentlich wollten wir ja nur einkehren, aber da wir nun auch bezahlen, holen wir auch gleich die Badehose und liegen ins Meer. Also nicht alle… die Kids sind super skeptisch. Sie setzen keinen Fuss in das sehr salzige Nass. Wir vermuten, dass es weniger mit dem Salzwasser als vielmehr mit dem Schlamm zu tun hat, den sich hier quasi alle überall hinstreichen. Als sich der Papa auch damit einreibt, können sie sich kaum beruhigen. Komisch… da dürften sie einmal mit Schlamm spielen, ohne dass Mama durchdreht und dann drehen die Kinder durch, wenn sich die Eltern damit einreiben. Wir verlassen die Westbank mit einem Wink via Check-Point. So unaufgeregt, hätten wir das Ganze nun doch nicht erwartet. In Arad – wieder 500 Meter über dem Meereslevel und entsprechend einige Grad kühler – beziehen wir unsere Bleibe für die nächsten drei Nächte. Wir haben lange nicht mehr so viel Platz wie in Haifa, dafür ist die Aussicht auf die Wüste toll. Auch sonst fehlt es an nichts, sogar einen Bunkerraum hats… Da die Läden morgen um 15 Uhr schliessen und dann bis Sonntag wegen dem Shabath nicht mehr öffnen, schicken wir Papa noch ins Einkaufszentrum. Wir Girls richten uns während dessen in der Ferienwohnung ein. Nach dem Znacht nehmen Anina und Melia ein ausgiebiges Bad im grossen Whirlpool im Wohnzimmer. Als der Schwimmkurs zu Ende ist, gibts bald Ruhe und für die Eltern noch einen Schluck einheimischen Wein.

Masada
Heute steht ein weiteres Highlight unserer Reise auf dem Programm. Im Gegensatz zu allen anderen, denen wir heute dort begegnen werden, hat unser Besuch keinen religiösen Hintergrund. Vielmehr gehört Masada zum Unesco Weltkulturerbe. Egal wieso man hier ist, der Ort ist für jeden Besucher eindrücklich. Leider erwischen wir gerade die Hauptreisezeit der Gruppen und sind so nicht ganz alleine unterwegs. Mit der Gondel fahren wir nach oben und schauen uns die Anlage an. Zurück am Toten Meer kehren wir für im Mäc ein. Nicht gerade der Hammer, aber ok. Danach wollen die Parentis nochmals ins Meer steigen. In Ein Bokek richten wir uns an einem öffentlichen Strand (kostenlos) ein und lassen uns vom Salzwasser treiben. Da es in diesem unteren Teil KEIN Schlamm und nur Salz hat und es zudem aussieht wie an einem wunderschönen Strand in Thailand, lassen sich die Kids zu mehr bewegen als gestern. Nini begnügt sich mit nass machen der Füsse und Hände. Melia zeigt sich mutiger und sitzt hinein – immerhin so lange bis das Arsch (excusé) anfängt zu brennen und ich sie schnurstraks zur Dusche bringen muss. Das Tote Meer ist auch heute kein Meer für die Kinder, schliesslich gibt es doch einiges was man sonst im Wasser immer tut und man hier auf keinen Fall tun sollte. Auch schon auf einen einzigen Wasserspritzer ins Auge kann man gut verzichten. Man stelle sich vor, dass man gar mit dem Kopf untertaucht… nein, lieber nicht.

Israel, Ein Bokek, Dead Sea

Advat und Negev Wüste
Nach den römischen und den biblischen Steinhaufen sowie den Steinhaufen aus der Steinzeit stehen heute noch die Überbleibsel eines Dorfes, welches zur Gewürzstrasse gehörte, auf dem Programm (auch Unesco, jedoch nicht im Buch). Die Kids sind nach dem Einführungsfilm im Element und wollen alles wissen, was hier passiert ist. In der Mittagssonne sind wir alleine auf dem Hügel und wacker laufen wir von “Zimmer zu Zimmer”. Wir sind dankbar, dass die Kids nach Steinhaufen 728 immer noch ohne Murren mit von der Partie sind! Nach dem Pic-Nic fahren wir noch ein kurzes Stück weiter in den Süden zum Grand Canyon von Israel, dem Maktesh Ramon in der Wüste Negev. Leider eine kleine Enttäuschung. Die Aussichtsplattform ist gesperrt und den Canyon suchen wir irgendwie vergebens. Also es hat schon so eine Art Canyon, aber da haben wir schon viel eindrücklicheres gesehen – wir verwöhnten Weltreisenden aus Bern… Auf dem Heimweg machen wir noch einen Stopp bei einem Beduinen und seinem Kamel. Die Kids wollen auf ein Kamel und da Mama für fast jeden Spass zu haben ist, mache wir zu dritt einen kurzen Ausritt mit einem dieser riesigen Viecher. Die Landschaft hier unten erinnert uns oft an das Death Valley. Weite Teile sind unbewohnt. Es gibt grössere Käffer, aber mehrheitlich sehen wir sehr einfache Blechhütten, die wohl mehrheitlich von arabisch sprechenden Menschen bewohnt werden, die von der Geissen- und Schafszucht leben und mausarm sind. Zurück in der Ferienwohnung sehen wir ein Auto der UN über der Strasse parken. Wir staunen nicht schlecht, als wir in astreinem Berndeutsch angesprochen werden. Christina aus Langnau und ihre Familie wohnen in Jerusalem und sind mit ihren Freunden aus der Schweiz im Ferienhaus gegenüber untergebracht. Wir nutzen die Gelegenheit und erkundigen uns nach der Sicherheit in Jerusalem. Sie winkt sofort ab und meint, dass wir uns überhaupt keine Gedanken machen müssen. Somit sind im Nu auch unsere letzten Bedenken aus dem Weg geräumt und wir sind ready für die morgige Weiterreise in das nächste Highlight unserer Reise: Jerusalem.

Nachtrag für die Geschichtsbücher: YB holt heute wieder den Chübu nach Bern! Auch hier weit weg von Bern – in Arad – bin ich emotional voll dabei und überglücklich! Bravo Giele, dir sid die geilschte!

Grrrr…
Es gibt Tage die sind einfach Scheisse – auch auf Reise oder gerade auf Reise. Heute ist so ein Tag. Aber alles der Reihe nach. Wir lassen den Tag gemütlich angehen, frühstücken, packen alles ein und machen uns irgendwann auf den Weg. Bevor wir nach Jerusalem fahren, machen wir noch einen Abstecher zu einem weiteren National Park, wo es einmal mehr ein paar Höhlen und Steine zu besichtigen gibt.

Israel, Beit Guvrin, National Park

Dieses Mal ist es aber ganz bestimmt der letzte Ausflug dieser Art – versprochen -, denn langsam aber sicher haben auch die Eltern genug bekommen. Das Navi bringt uns via Westbank nach Jerusalem. Wir sind erneut überrascht, wie easy wir hinüber und vor allem wieder zurück kommen. In Jerusalem angekommen freuen wir uns auf das grosse und geräumige Appartment, dass wir für die nächsten drei Nächte bewohnen werden. Doch leider kommt es anders… Der Typ, der hier zum rechten schaut (eine Reception gibt es nicht wirklich, eigentlich funktioniert alles autonom), meint, dass er eine Doppelbuchung hätte und er uns deshalb keine Wohnung geben kann. Stattdessen wird er uns helfen eine andere Lösung zu finden. Der Höhepunkt: er weiss es schon seit zwei Tagen und hat einfach nichts gesagt. Grrrr… Irgendwo in einem kleinen Büro suchen wir so auf booking.com nach einer Alternative. Da wir uns nicht mit irgendeiner Absteige begnügen wollen, dauert die Suche seine Zeit. Er macht uns auch einen Vorschlag, ruft dann dort sogar an – ein Kollege von ihm – und meint, dass es klappt. Ok, das nehmen wir; wohl oder übel und buchen über booking.com. Dort angekommen ist leider niemand da, welcher uns den Schlüssel der Wohnung übergeben könnte. Also rufen wir wieder an und erfahren, dass die Wohnung nicht geputzt sei und dies heute nicht mehr erledigt werden können. Wir sollen doch morgen wieder kommen. Grrrr… Der Herr von der Eingangskontrolle kennt noch ein paar andere im Haus, die vermieten, aber leider hat keiner Kapazität. Und so machen wir uns wieder auf die Suche. Zum Glück haben wir Internet und finden so eine Bleibe, die noch frei sein sollte. Da wir nachher nicht noch mehr Geld hinterher springen wollen – wir mussten wohl oder übel alles zum vollen Preis annullieren – (Nachtrag vom 28.4.: wir bekommen alles retour und sogar noch die Differenz von booking erstattet, die wir dann schlussendlich im Hotel mehr bezahlt haben), fahren wir lieber gleich vorbei und fragen direkt vor Ort, obs effektiv noch Platz hat. Wir haben uns schlussendlich für ein Hotel entschieden, denn da fällt die Schlüsselübergabe Dank Reception doch meist sehr viel einfacher aus. Und es klappt – die Bleibe ist zwar nicht gerade das was wir gebucht und erhofft haben, aber es ist ok und immer noch besser als weiter suchen oder gar nix finden. Die Kids bleiben während diesem vier stündigen Theater überraschend ruhig – auch Dank iPad, welcher in dieser Situation als prima Babysitter dient. In der kleinen Wohnung haben wir nun weder Küche noch Waschmaschine und so müssen wir nochmals raus, um zu essen und Papa darf sich dann auch noch seiner Lieblingsdiszplin, der Handwäsche widmen. Beim Bier sind wir uns einig, dass wenn dies das einzige Problem ist, welchem wir in Israel begegnen, alles sehr ok ist. Aber im Moment nervt es halt trotzdem… Nicht umsonst sucht man ja zu Hause das passende Hotel raus.

Jerusalem Day 1
Für einmal sind wir froh, dass die Kids keine Langschläfer sind. So sind wir zeitig ready – Zmorge gibts unterwegs – für den Besuch der Altstadt von Jerusalem. Mit dem Tram fahren wir zum New Gate und betreten zum ersten Mal diese faszinierende Welt. Um diese Uhrzeit ist noch wenig los. Es haben erst einige Geschäfte offen und die Touristen sind auch noch nicht zahlreich. Durch unzählige Gassen und ganz bestimmt nicht auf dem direktem Weg spazieren wir zur Klagemauer. Beim Betreten des Platzes werden wir wie am Flughafen durchsucht. Wir schauen uns die Mauer vorerst nur kurz an und stellen uns stattdessen in der Schlange, welche sich beim Eingang zum Tempelberg gebildet hat. Wir sind überrascht wie effizient und rasch alles vor sich geht. Viel schneller als erwartet, erhalten wir nach einer erneuten Kontrolle inkl. Nennung der Nationaltät Einlass. Von der Brücke, die zum Tempelberg führt, können wir einen Blick von oben auf die Klagemauer werfen. Aktuell hat es nur wenige Gläubigen an der Mauer. Auf dem Tempelberg selber hat es vor allem Touristen(-gruppen). Muslime sucht man fast vergebens. Die Anlage ist riesig und verbreitet (heute) eine ruhige Stimmung. Irritierend ist nur die Gruppe von Juden, die von schwerbewaffneten Polizisten eskortiert wird. Anders können sie den Tempelberg nicht besuchen. Leider ist Nicht-Muslimen das Betreten der beiden Moscheen nicht erlaubt und so landen wir nach einer Runde bald wieder im Gewusel der Alststadt. Diese hat vier Viertel – jüdisch, muslimisch, armenisch und christlich. Man merkt sofort, in welchem man sich befindet, denn jedes versprüht seinen eigenen Charme. Bevor wir weiter auf Entdeckungstour gehen, brauchen wir aber Geld. Leider ist dies nicht so trivial wie man vermuten könnte. Es steht zwar an jeder Ecke ein ATM, doch der funktioniert mit unseren Karten nicht. Odi verlässt schliesslich die Altstadt und findet erst nach längerem Suchen einen Money Changer, bei welchem wir mit der VISA-Karte doch noch Geld beziehen können. Wir Mädels warten derweilen am Damaskus-Gate. Ich beobachte die Leute und das Getümmel (etwas genauer als mir lieb ist), die Kids spielen und springen herum. Mit Geld im Sack ist es nun Zeit für eine Jause im österreichischen Hospiz. In der schönen Gartenanlage geniessen wir die Ruhe. Bevor wir uns wieder durch die Gassen treiben lassen, darf ein Blick vom Dach des Hoszpiz nicht fehlen. Darauf folgt mein persönliches Highlight des Tages, ja eigentlich der ganzen Reise: der Besuch der Klagemauer. Der Platz hat sich seit dem ersten Kurzbesuch gefüllt und es ist lebendig und laut geworden. Wir lassen es uns nicht nehmen und bringen unsere Wünsche der Tradition folgend auf einem einen Zettel notiert zur Mauer. Einnmal auf der Männerseite und einmal auf der Frauenseite. Die Stimmung ist wirklich elektrisierend und zieht uns alle in ihren Bann. Ich könnte für die nächsten zwei Stunden am gleichen Ort stehen bleiben und es würde mir keine Minute langweilig werden. Unglaublich faszinierend was hier abgeht. Die Kids werden übrigens am Abend im Hotel noch mehr Wünsche aufschreiben und Klagemauer spielen. Wir haben nun im ganzen Hotelzimmer Zettel versteckt… Über den Pilgerweg Via Dolores, wo Jesus seinen letzten Weg gegangen sein soll, nähern wir uns einem weiteren Höhepunkt: der Grabeskirche. Von aussen eher unscheinbar, von innen riesig, verwinkelt, dunkel und sehr speziell. Hier wurde Jesus u.a. gekreuzigt. Der Auflauf an Touristen ist entsprechend gross. Die Gläubigen und Pilger sind in Extase, knien am Boden und küssen reinigen diesen. Wir sind beeindruckt, was hier auf diesem kleinen Fleckchen Erde alles zusammen kommt! Nach einem Stück Pizza haben wir genug und machen uns nach sieben Stunden in der Altstadt wieder auf den Weg zum Hotel. Wir sind einmal mehr überrascht, wie die Kids dies einfach so mitgemacht haben. Sie sind sowieso heute kaum müde zu kriegen. Im Hotelzimmer fallen Mama und Papa aufs Sofa und sie fangen sofort wieder an zu spielen, als ob nix gewesen wären und bleiben fit bis zur normalen Bettzeit – Hut ab! Ein grossartiger Tag in Jerusalem, welcher alle unsere Erwartungen mehr als erfüllt hat, geht damit zu Ende. Guet Nacht!

Israel, Jerusalem, Temple Mount

Nachtrag: wir haben uns heute übrigens nicht unsicher gefühlt. Es hat zwar mehr schwer bewaffnete Polizei als im Rest des Landes, die zum Teil Personenkontrollen durchführt, aber sonst ist es wie überall. Und diese Polizei hat es ja inzwischen auch in anderen Ländern und anderen Städten überall auf der Welt.

Jerusalem Day 2
Da wir gestern noch nicht genug bekommen haben von der Altstadt verbringen wir auch heute die Mehrheit des Tages in und um diese. Auf der Stadtmauer spazieren wir von einem Gate zum Nächsten. Die Kids entdecken irgendwann einen Spielplatz und da die Mauer hier tatsächlich einen Abgang hat, machen wir dort natürlich einen Stopp. Interessant sind die jüdischen Kinder, die hier zusammen ohne Aufsichtsperson spielen. Die Aufsicht für die zum Teil noch sehr kleinen Kids übernimmt eine etwa zehnjährige. Wir staunen wie das Mädel die Kids im Griff hat. Sie übt wohl für ihre eigene Kinderschar, die sie irgendwann später haben wird (orthodoxe Juden haben im Schnitt sieben Kinder, nicht strenggläubige Frauen haben in diesem Land im Schnitt drei). Nach einem kurzen Snack an einem fahrbaren Kiosk – die Kids finden es extrem grusig – gehen wir zur City of David. Einges kann man an der Oberfläche entdecken, aber das meiste ist im Untergrund zu sehen. Die ganze Wasserversorgung fand früher unterirdisch statt. Und so laufen wir durch einen Tunnel zur Quelle, wo Jesus einen Blinden geheilt haben soll, und durch einen anderen 650 Meter langen Tunnel wieder zurück. Es gäbe auch noch einen nassen Weg durch die Quelle. Aber für dieses Abenteuer sind die Kids noch zu klein. Nach einer Gelati gehen wir noch einmal zur Klagemauer. Wir sind erstaunt, wie unterschiedlich es bei jedem Besuch zu und her ging. Heute hat das Militär einen grossen Teil des Platzes abgesperrt – wir vermuten für eine Feier oder ähnliches – und es ist eher ruhig. Wir stecken nochmals einen Zettel in die Mauerritze und verlassen diesen magischen Ort wieder. Quer durch die Stadt gehts via Pizza-Stopp (die Kids verspeisen das dreifache von Mama und Papa) zurück zum Hotel. Wir sind auch nach vielen Stunden noch fit genug und lassen sogar das Tram rechts liegen. Der Abend endet wie gewohnt mit Hummus, Falafel, Pommes und Fladenbrot um die Ecke. Für die, dies interessiert: auch heute hatten wir kein unsicheres Gefühl. Die faszinierende Stadt hat uns in ihren Bann gezogen.

Israel, Jerusalem, Western Wall

Tel Aviv
Ein letztes Mal steht ein Wechsel der Logie auf dem Programm. Die letzten zwei Nächte der Reise werden wir in Tel Aviv verbringen. Bevor wir Jerusalem verlassen, wollen wir noch den obligaten Blick vom Ölberg auf die Altstadt werfen. Leider ist es extrem windig und regnerisch, so dass das tolle Fotomotiv grau in grau endet. In Tel Aviv ist das Wetter zum Glück wieder schön und mit etwas über 20 Grad relativ warm. An einem der zahlreichen City-Beachs gibt es Programm für die Kids: eine Runde auf dem Spielplatz, einmal Pommes mit Ketchup in der Strandbeiz (der lustige Kellner sagt beim Zahlen gleich wie viel Trinkgeld er will) gefolgt von nochmals toben auf dem Spielplatz und zum Abschluss Sandburg bauen. Nur für ein Bad lässt sich niemand erweichen. Die Ferienwohnung finden wir auf Anhieb und zu unserer Freude stimmt sogar der Code, welcher uns hineinlässt. Die Kids verfrachten wir Zwecks Entsandung sogleich in der Dusche. Dabei merken wir, dass wir nur kaltes Wasser haben. Dies melden wir dem Vermieter, worauf zuerst eine lustige SMS-Runde mit schlussendlich die Ankündigung folgt, dass ein Techniker vorbei kommt. Der Techniker entpuppt sich als Nachbar. Er kann den Schaden auch nicht fixen, so dass dann um halb neun Uhr Abends doch noch der Hausherr vorbei kommt und sich der Sache annimmt. Notabene haben wir alle kalt geduscht… und auf ein Sorry, warten wir auch vergebens. Wir mussten schon mehrmals feststellen, dass dieses Wort in Israel eher spärlich – wenn überhaupt – eingesetzt wird. Immerhin haben wir nun wieder warmes Wasser. Auch das Parking-System haben wir gedacht, dass wir das nun am Schluss der Ferien im Griff haben. Aber weit gefehlt – hier ist nochmals alles anders und nicht einmal der Vermieter weiss genau, wie es denn nun wirklich funktioniert. Mal schauen, wie hoch die Parkbusse sein wird…

Exkurs zu den Kosten:
Isarael ist extrem teuer. So teuer, dass sogar wir Schweizer, die uns ja eher höhere Preise gewohnt sind, immer wieder staunen müssen. Ein einfacher Einkauf kostet schnell 100 Franken. Eine Packung Salami zum Beispiel kostet locker 8 bis 10 Franken. Eine grosse Packung Humus gibts dafür schon für rund 3 Franken. Einmal auswärts Essen in einer sehr einfachen Beiz kostet rund 30 Franken. In der Strandbeiz in Tel Aviv zahlten wir für ein Snack-Zmittag gar 80 Franken. Parken kostet überall – Extrembeispiel Parkhaus Tel Aviv: 4 Stunden = 15 Franken. Eintritte zu Sehenswürdigkeiten sind meist um die 10 Franken. Für die Ferienwohnungen haben wir immer zwischen 150 und 200 Franken pro Nacht bezahlt. In Jerusalem sogar noch ein bisschen mehr. Einzig das Mietauto war so teuer wie üblich.

Global Act
An unserem letzten Ferientag in Israel schauen wir zuerst bei Täbi vorbei. Wir drei haben vor über 20 Jahren die Verkehrsschule besucht und kennen uns somit schon ewig. Vor einigen Jahren ist Täbi mit ihrer Familie nach Tel Aviv ausgewandert und hat hier inzwischen ihr eigenes Start-up gegründet. Haupstsächlich aus Kite-Segel produzieren Menschen von der Strasse coole Taschen, Rücksäcke und weiteres. Wir sind beeindruckt, bekommen eine Hausführung und erstehen einen tollen Rucksack für Mama. Klassische Sehenswürdigkeiten sucht man Tel Aviv vergebens. Am besten man lässt sich einfach durch die Strassen treiben. Genau das machen wir auf dem Jaffa Flohmarkt. Ein buntes Wirrwarr von allem möglichen erwartet uns. Da wir zu Hause leider kein Meer haben, ist dann auch klar, wo wir den Rest des Tages verbringen: am Meer. Zum Baden ist es zwar immer noch zu kühl, aber man kann sich ja auch sonst bestens vergnügen am 14 Kilometer langen Stadtstrand. Herrlich! Tel Aviv ist einfach nur cool und völlig relaxt und hat so gar nix mit dem Rest des Landes gleich.

Ausreise
Heute beginnen die Ferien zu Pessach. Weil während dieser Zeit alle irgendwie unterwegs sind – ausser die Orthodoxen – fahren wir frühzeitig zum Flughafen. Da wir auch gehört haben, dass sich die Ausreise je nach Fragerei hinziehen kann, macht es doppelt Sinn zeitig zu erscheinen. Das Auto ist so rasch abgegeben, dass wir es gar nicht merken. Wir warten und warten und als sich niemand mehr blicken lässt, frage ich schliesslich im Büro nach, ob wir den “entlassen” seien. Ja, das sind wir… Bevor man in Israel das Gepäck einchecken kann, muss man sich einer Vorschlange anstellen. Da findet dann auch die berühmte Fragerei statt. Besteht man diese, bekommt man einen Kleber auf den Pass und ein Band an das Gepäck. Danach darf man zum normalen Flughafen-Prozedere übergehen. Ich muss zugeben, die Fragerei war recht beeindruckend. Das junge Mädel stellte sehr gezielte Fragen, wechselte das Thema ohne dass man es richtig merkte und war sehr sehr aufmerksam. Wir bestehen den Test und dürfen eine Station weiter. Wobei unsere nächste Station ist vorerst eine Bank. Wir sind doch etwas arg früh aufgetaucht und das Check-in ist noch gar nicht offen. Irgendwann können wir das Gepäck dann doch abgeben und via elektronische Passkontrolle in den Abflugbereich gehen. Der Heimflug ist wieder super relaxt. Alle sind beschäftigt mit Filme gucken und im Nu erreichen wir auch schon wieder heimischen Boden. Da wir das Auto am Flughafen haben, ist er auch der letzte Teil der Reise entspannt. Die Kids schlafen irgendwann ein und wir Grossen sinnieren über die tolle Reise, sind dankbar ist alles so gut gegangen und freuen uns, dass wir Israel, als neues Land entdecken durften. Toll wars!

Hier noch der Eingangs erwähnte Excurs zu unserer Vorbereitung der Reise aufgrund der aktuellen Sicherheitslage:
Lange versuchte ich vergeblich Odi für das Reiseziel Israel zu gewinnen. Mit der Hilfe von unseren vielgereisten Freunden aus Heimberg (danke ihr zwei!) konnte ich ihn dann schliesslich doch überzeugen. Da die politische Lage in den touristischen Hotspots schon seit längerem stabil war, zögerte ich nicht lange und buchte den Flug und die Hotels. Und es kam wies kommen musste: rund drei Wochen vor unserem Abflug flogen wieder Raketen vom Gaza-Streifen nach Israel, Israel schoss zurück und auf dem Tempelberg warf einer mit einem Molotow-Cocktail um sich und schwups war Israel wieder überall in unseren Medien wenig positiv vertreten. Wir verfolgten daraufhin die Lage via lokale Medien (unsere Medien berichten schlicht zu einseitig) und kontrollierten täglich die Meldungen der deutschssprachigen auswärtigen Ämter. Richtig beunruhigt waren wir aber erst, als die Raketen aus dem Gaza-Streifen bis nach Tel Aviv flogen (das gabs seit über fünf Jahren nicht mehr). Beim ersten Mal gabs “nur” einen Sirenenalarm, beim zweiten Mal wurde ein Haus zerstört und die Menschen darin verletzt. Daraufhin buchten wir vorsichtshalber ein Hotel am Toten Meer um. Wir konnten so etwas Zeit gewinnen und die Annullationsfrist dort wo gerade notwendig um einge Tage verlängern (die Versicherungen zahlen in solchen Fällen nur, wenn das EDA vor der Reise abrät). Wir folgten nun auch Israel Defense Forces auf Twitter und luden uns eine App herunter, die alle Angriffe mit Sirenenalarm mit einer Push-Nachricht meldete. Und ja, wir schauten uns auch auf You Tube an, wie man sich im Falle eines Falles zu verhalten hat. Last but not least standen wir auch in Kontakt mit Täbi in Tel Aviv und der Inhaberin des Hotels am Toten Meer. Die beiden verstanden unsere Ängste und gaben uns offen und ehrlich Auskunft über die Lage vor Ort. Fazit dieser doch eher speziellen Vorbereitung der Reise: je mehr und breitfächiger wir uns mit der Lage in Israel beschäftigten, desto mehr konnten wir unsere Ängste wieder bei Seite legen. Wir merkten bald, dass unsere Medien doch eher einseitig berichten, wir uns schlicht solche Situationen einfach nicht gewohnt sind, wir entsprechend nicht damit umgehen können (dafür bin ich unglaublich dankbar und hoffe, dass es immer so bleibt), Israel das Land ist, welches bestens auf solche Situationen vorbereitet ist, man in der heutigen Zeit irgenwo hingehen kann und überall schreckliche Dinge passieren können und gesunder Menschenverstand und das Bachgefühl eh überall angebracht sind.

Short cut zu den Bildern